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Eine große Sünde

Die Vatikanbank: Gottes schwarze Kassen

Mafia-Morde, Freimaurer-Verschwörungen und die Verstrickung in das gewaltigste Geldwäsche-Kartell der Neuzeit: Seit ihrer Gründung steht die Vatikanbank im Zentrum schier unglaublicher Skandale. Die Chronologie eines der größten Verbrechen der Geschichte in fünf Akten.

Der Petersdom - Zentrum des Vatikans und die größte Kirche der Welt
Der Petersdom - Zentrum des Vatikans und die größte Kirche der Welt Tobias Böcher

Akt I: Was verbirgt sich wirklich hinter der Vatikanbank?

Tatsächlich wusste bis eben keiner der Kardinäle, dass dieser Raum existiert. Hinter den schweren Türen steht ein langer Tisch. Am Kopfende sitzt ein gedrungener Mann mit Bart. Sein Blick ist ernst.

Bernadino Nogara ist so etwas wie der Schatzmeister im Vatikan – und was er zu sagen hat, wird die Katholische Kirche für immer verändern. "Hitler wird den Krieg verlieren." Und wenn die Kirchenschätze in Deutschland nicht zur Kriegsbeute der Alliierten werden sollen, müsse schnell gehandelt werden.

Wenige Tage später – am 27. Juni 1942 – folgen Taten. Pius XII. lässt sich von Nogara davon überzeugen, die Vatikanbank unter dem Namen "Istituto per le Opere di Religione" (IOR) auszugliedern – und aus der harmlosen Vermögensverwaltung der Kirche ein Schattenkonstrukt zu machen, das sich schon nach wenigen Jahren in mehr als 70 Einzelbanken verzweigt.

Ein genialer Schachzug, durch den die Vatikanbank als Geldinstitut praktisch unsichtbar wird und selbst während der Kriegszeit große Geldbeträge über alle Grenzen hinweg bewegen kann.

Gleichzeitig unterwandern die Vatikan-Spekulanten die Weltwirtschaft, investieren Milliarden in den Ankauf von Aktienpaketen, horten über Briefkastenfirmen Anteile am Versicherer Generali, am Rüstungskonzern Finmeccanica, am Autohersteller Alfa Romeo, am Öl-Riesen Shell, General Motors, IBM sowie am Pharmaunternehmen Sereno – einem der später wichtigsten Hersteller der Antibaby-Pille.

Doch wozu das Ganze? Die Antwort lautet: Tarnung. Denn die Sonderrolle der Vatikanbank dient schon längst nicht mehr der Rettung des Kirchenbesitzes – sie ist selbst ein lukratives Geschäftsmodell geworden: das perfekte Instrument, um rund um den Globus Mafia-Millionen zu waschen. Den ersten Sündenfall aber begeht die Bank Gottes, als in ihrer Zentrale in Rom ganze LKW-Ladungen mit Raubgold der Nazis auftauchen …

Was hinter den Mauern das Vatikan passiert bleibt den meisten verborgen
Was hinter den Mauern das Vatikan passiert bleibt den meisten verborgen Tobias Böcher

Akt II: Versteckt die Vatikan-Bank Nazi-Gold?

"Erinnert euch an euren Eid", ruft der Kommandant der Schweizergarde seinen Männern zu. "Ihr dürft nie über das hier reden." Er zeigt auf Dutzende Kisten, die seine Männer vom Lastwagen ziehen und in den Wehrturm Nikolaus V. tragen – zum Sitz der neu gegründeten Vatikanbank. Die Männer schweigen, doch sie wissen genau was sie gerade verstecken: die von ermordeten Männern, Frauen und Kindern gestohlenen Reichtümer.

Rückblick: Am 12. April er obern Hitlers Truppen Belgrad. Sie teilen das Land unter anderem in das überwiegend katholische Kroatien und in das protestantische Serbien auf. Besonders in Kroatien führt der eingesetzte Diktator Ante Paveliæ ein brutales Regiment im Sinne der Nazis – bis zu 750.000 Menschen, vor allem Juden und Roma, werden ermordet.

Dafür ist die Ustascha zuständig, die brutale Miliz des Diktators. Diese plündert das Hab und Gut ihrer Opfer, hortet Millionenwerte. Bei Kriegsende hat die Ustascha Zahngold, Schmuck und Edelsteine im Wert von rund 80 Millionen US-Dollar angehäuft – und sucht nach einem Weg, diese Reichtümer unbemerkt ins Ausland zu bringen.

Hier kommt die Vatikanbank in Spiel – denn tatsächlich ist sie genau für solche Zwecke drei Jahr zuvor gegründet worden. Der Nazischatz wird im Sitz der Vatikanbank versteckt und teilweise der Kirche einverleibt. Selbst als das Istituto per le Opere di Reli gione 1999 von Holocaust-Überlebenden verklagt wird, bleibt es unkooperativ.

Im Dezember 2007 wird die Klage abgewiesen. Der Grund: Die Bank sei Teil der Souveränität des Heiligen Stuhls – und somit immun. Eine Tatsache, die schon bald zu Geschäften mit der Unterwelt führt.

Petrus hat längst jede Kontrolle verloren
Petrus hat längst jede Kontrolle verloren Tobias Böcher

Akt III Gab es ein geheimes Mafia-Vatikan-Netzwerk?

Am 2. September 1957 betritt Michele Sindona das "Grand Hotel Et Des Palmes" im italienischen Palermo. Zwei Leibwächter untersuchen den Anwalt nach Waffen – dann wird Sindona zur Crème de la Crème der kriminellen Unterwelt vorgelassen.

In der Luxussuite sitzen die Vertreter der US-amerikanischen und der italienischen Mafia, die Herrscher über Drogen, Waffen und Prostitution. "Wie können wir viele Millionen Dollar waschen?", fragen sie Sindona. "Keine Sorge", sagt dieser. "Ich habe einen Plan."

Im Mittelpunkt des Plans steht die Vatikanbank. Sindona ist nicht nur Anwalt, sondern auch Bankier. Von seinem eigenen Geldhaus aus überweist er das Mafia-Geld auf die Vatikanbank – und von dort auf ein Treuhandkonto im Ausland.

So wäscht der Vatikan indirekt Blut und Kokain von den Geldscheinen der Mafia. Und dafür kassiert die Vatikanbank stolze 15 Prozent – eine so hohe Provision bedeutet: Stell keine Fragen! Insider Marcello Bordini gibt später zu Protokoll: "Es fand Tag für Tag statt, die Summen war sehr hoch. Die Methode war wirklich die primitivste und kriminellste, die man sich vorstellen kann." Und doch funktioniert sie bis heute.

Diese Finanzgeschäfte sind nur der Anfang vom Bündnis zwischen Mafia und Vatikan. Sindona ist in der Bank des Heiligen Stuhls inzwischen so oft zu Gast, dass Papst Paul VI. ihn als Finanzberater zu sich ruft: "Man sagte mir, Anwalt Sindona, dass Sie uns von Gottgeschickt wurden."

Sindona geht sofort ans Werk: Er zieht alle halblegalen und illegalen Strippen, um sich und den Vatikan zu bereichern. Die Geldströme seiner beiden Klienten, Mafia und Vatikan, verschmelzen schon bald zu einem undurchschaubaren Fluss. Für Sindona – und für die Vatikanbank – ist dies aber nur der erste Schritt.

Der mahnende Finger Jesu hat keine Wirkung mehr
Der mahnende Finger Jesu hat keine Wirkung mehr Tobias Böcher

Akt IV: Wird die Vatikanbank von einem Geheim-Orden gelenkt?

Es sollte nur eine einfache Hausdurchsuchung werden – bei dem Faschisten Licio Gelli. Was den Ermittlern jedoch dabei in die Hände fällt, konnte keiner von ihnen auch nur ahnen. Es ist eine Liste mit den Namen von 962 hochrangigen Mitgliedern einer Freimaurer-Loge, die Italien im Geheimen regiert: "Propaganda Due" (P2). Der Unterschied zu anderen Logen: P2 ist ausschließlich politisch.

Ihr Ziel ist der autoritäre Staat – und die uneingeschränkte Herrschaft der Mächtigen. Ihre Werkzeuge: Bombenattentate, die linken Gruppierungen in die Schuhe geschoben werden. Fast 1000 Mitglieder aus Politik und Wirtschaft gehören P2 an – darunter Minister, Richter, Generäle.

Unterstützt wird die Loge außerdem vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA – mit einer jährlichen Zahlung von zehn Millionen Dollar. Auch dabei: 121 Mitglieder der Kirche – und das, obwohl die Mitgliedschaft in einer Freimaurer-Loge die Exkommunikation zur Folge hat.

Zu den 121 Kirchenvertretern in der Geheimgesellschaft zählte nahezu die gesamte Führungsetage der Vatikan-Bank. Und ihre wichtigsten Berater und Finanzmanager: Mafia-Mann Michele Sindona und sein Nachfolger Roberto Calvi, der sogenannte "Bankier Gottes".

Es ist eine unheilige Dreieinigkeit: Vatikanbank, CIA und die Mafia beeinflussen in der Loge die Politik eines Staates. Als P2 1981 auffliegt, erfährt die Öffentlichkeit zum ersten Mal, dass eine Geheimloge sie regiert. P2 wird verboten. Die Vatikanbank muss hingegen keine Konsequenzen fürchten – sie hat ja sogar einen rebellischen Papst überlebt.

Papst Johannes Paul I. war nur 33 Tage lang im Amt

Akt V: Tötete die Bank des Vatikan Papst Johannes Paul I.?

Sie hat die Tür einen Spalt weit geöffnet und späht in das Schlafzimmer des Papstes. Im Zimmer brennt Licht, doch nichts rührt sich. Seit 19 Jahren ist Schwester Vincenza die Haushälterin von Johannes Paul I., und noch nie hat er verschlafen. Als sie hineingeht, findet sie ihn im Bett. Sein Gesicht ist seltsam verzerrt, die starren Finger umklammern ein Blatt Papier. Sofort wird Schwester Vincenza klar: Der Papst ist tot.

Noch vor dem Arzt trifft Jean-Marie Villot ein. Er ist der Kardinalstaatssekretär, zweitmächtigster Mann im Vatikan – und er wurde zwölf Stunden zuvor wegen seiner Mitgliedschaft in der Freimaurer-Loge P2 zusammen mit der gesamten Führungsetage der Vatikanbank vom Papst entlassen.

Kaum trifft Villot ein, verschwinden die Papiere, die Johannes Paul I. umklammert hielt. Außerdem die Flasche mit dem Blutdruckmittel auf seinem Nachtspind und sein Testament. Wurde der Papst in der Nacht vom 28. auf den 29. September 1978 vergiftet – nur 33 Tage, nachdem er sein Amt angetreten hatte?

Tatsächlich spricht einiges dafür. Ende der 1970er-Jahre ist die Vatikanbank der Goldesel von Freimaurern und sizilianischer Mafia. Johannes Paul I. dagegen ist als entschiedener Gegner des Geldinstituts bekannt. Er weiß um die schmutzigen Geschäfte, die die Bankiers Michele Sindona und Roberto Calvi unter dem Deckmantel der Kirche abwickeln – und als Papst will er das beenden.

Ein Fehler, den er mit dem Leben bezahlt? Fakt ist: Villot macht seine Entlassung rückgängig, verhindert die Auflösung der Vatikanbank und vertuscht den mutmaßlichen Mord am Papst, indem er die Obduktion verbietet. Als er nach dem Grund gefragt wird, verweist er auf das Kirchenrecht. Doch auch das ist eine Lüge.

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