Nichts als Lügen

Die größten Lügen der Weltgeschichte

Gefälschte Dokumente, fingierte Bilder und verdrehte Überlieferungen manipulieren seit jeher den Lauf der Geschichte. Jetzt entlarven Historiker erstmals das gesamte Ausmaß der erfundenen Geschichtsschreibung.

Die größten Lügen der Geschichte
Die größten Lügen der Weltgeschichte Foto: Getty Images / Keystone

Die seltsame Flucht des Adolf Eichmann

Wer fälschte die Ausweise der Nazi-Verbrecher?

Er ist Hitlers willigster Vollstrecker. Adolf Eichmann leitet die Deportation von Millionen Juden in die KZs. Nach 1945 gehört er zu den meistgesuchten NS-Verbrechern. Doch obwohl jeder Besatzungssoldat, jeder Grenzposten weiß, wie er aussieht, gelingt es Eichmann, sich verborgen zu halten.

Der Grund: Der Nazi profitiert von einem perfekt organisierten Unterstützerring, der ihm hilft, sich zuerst in Deutschland und dann in Argentinien zu verstecken – alles dank perfekt gefälschter Ausweispapiere. Heute weiß man: Eichmann wird zunächst von SS-Seilschaften im Nachkriegsdeutschland mit Papieren versorgt.

Später besorgen ihm Sympathisanten im Vatikan den begehrten Flüchtlingsausweis des Roten Kreuzes. Angeblich unbemerkt von allen Geheimdiensten kann Eichmann nach Argentinien ausreisen und dort unbehelligt als Elektriker in einer Daimler-Benz-Niederlassung arbeiten.

Doch mittlerweile freigegebene CIA- und BND-Akten beweisen: Ab 1952 wissen die Regierungen der USA und Deutschlands von Eichmanns Aufenthaltsort. Auf Bitten von Bundeskanzler Konrad Adenauer erfolgt jedoch kein Zugriff. Adenauer fürchtet, dass Eichmann belastende Aussagen zur Nazi-Vergangenheit des Kanzleramts-Chefs Hans Globke machen könnte.

Erst als Eichmann einem US-Journalisten Interviews gibt, um sich von derVerantwortung für den Holocaust reinzuwaschen, wird er "zum Abschuss freigegeben": Mithilfe der CIA entführt ihn der israelische Geheimdienst Mossad 1960 nach Israel. Dort wird Adolf Eichmann 1962 hingerichtet.

Der größte Verleumdungsfeldzug der Geschichte

Wie zerstört man den mächtigsten Bund der Welt?

Der Feind, dem sich der französische König gegenübersieht, scheint übermächtig: Der Templerorden hat nach der Rückkehr von den Kreuzzügen unermessliche Reichtümer angehäuft; raffinierte Finanzgeschäfte ermöglichen es dem Orden, sich immer mehr Grundbesitz anzueignen; die Templer haben allerbeste Beziehungen überall auf dem Kontinent – der Adel Europas steht bei ihnen tief in der Kreide, selbst der Papst deckt ihr multinationales Finanzimperium.

König Philipp IV. weiß, dass nur die vollständige Zerschlagung des Ordens ihn an sein Ziel bringen kann: 100 Milliarden Euro wäre der damalige Templer-Besitz heute wert – mit diesem Geld will Philipp seinen bankrotten Staat sanieren. Und zugleich Rache üben an denen, die ihm einst die Aufnahme in den elitären Templer-Zirkel verweigerten.

Doch wie vorgehen gegen Zigtausende kampferprobte Templer? Philipp droht dem Papst – Ausschaltung der Templer und Beschlagnahmung ihrer Güter oder Spaltung der Kirche! Clemens V. gibt nach – und verrät so die treueste, loyalste und mächtigste Armee, die der Kirche jemals diente.

Erst kurz vor seinem Tod wird er ein Schriftstück verfassen, um sein Gewissen zu erleichtern – es wird für Jahrhunderte verschollen bleiben. Am Freitag, dem 13. Oktober 1307, aber werden Hunderte Templer verhaftet und den Inquisitionsgerichten vorgeführt.

Begleitet von der infamsten Verleumdungskampagne der Geschichte, lauten die wichtigsten Anklagepunkte: Ketzerei, Sodomie, Verleugnung Christi, Besudeln des Kreuzes, Götzen-Anbetung. All das steht im krassen Gegensatz zu den Grundsätzen des Templer-Ordens.

Doch mithilfe gefälschter Dokumente, gekaufter Zeugen, manipulierter Aussagen und unter Folter erpresster Geständnisse endet der Prozess mit dem Schuldspruch. Am 18. März 1314 wird Jacques de Molay, der letzte Großmeister des Ordens, auf dem Scheiterhaufen verbrannt – nicht ohne mit seinem letzten Atemzug Philipp und den Papst zu verfluchen.

Beide sterben innerhalb eines Jahres, doch das vernichtende Urteil gegen die Templer wird fast 700 Jahre Bestand haben. Erst 2007 veröffentlicht der Vatikan das Dokument, das derverräterische Papst Clemens vor seinem Tod verfasst. Es beweist eindeutig: Der Prozess gegen die Templer ist der Höhepunkt einer wahrhaft teuflischen Intrige.

Eine Falschaussage im Fall Hiroshima

Wie vertuscht man ein Kriegsverbrechen?

Am 6. August 1945 erhält US-Präsident Harry S. Truman ein Telegramm: "Operation erfolgte heute Morgen. Ergebnisse übertreffen unsere Erwartungen." Am 9. August erreicht Truman die zweite merkwürdig klingende Botschaft: "Doktor kam soeben zurück, höchst begeistert und zuversichtlich, dass der kleine Junge so kräftig ist wie sein kleiner Bruder."

Was Truman in freudige Stimmung versetzt, ist der grausamste Militärschlag des Zweiten Weltkriegs: der Abwurf von Atombomben auf die japanischen Großstädte Hiroshima und Nagasaki. Beide Metropolen werden dem Erdboden gleich gemacht. Rund 220.000 Menschen sterben sofort.

Die Spätfolgen der radioaktiven Strahlung fordern Hunderttausende weitere Opfer. Die USA schreiben Militärgeschichte. Aber sie sorgen sich darum, wie die Welt urteilen wird. Ein Grund muss her für diese Tat, ein guter Grund. Wenige Tage später kapituliert Japan und liefert die Vorlage für Truman.

Der feiert den Abwurf der Bomben als einen humanitären Sieg: "Die Atombomben haben unzählige Menschenleben gerettet, insbesondere US-amerikanische", sagt er. Im Herbst 1945 aber findet eine Untersuchungskommission unter Führung des Historikers J. K. Galbraith heraus, dass die Japaner vor dem Abwurf der Bomben kapitulieren wollten, die Fühler bereits ausgestreckt hatten.

Doch dieFriedensangebote wurden von den USA ignoriert. Warum? Mögliche Gründe gibt es viele. Tatsache ist, dass der Abwurf der Bomben von langer Hand geplant war. Truman selbst sagt in einer anderen Ansprache dieverräterischen Worte: "Nachdem wir die Bombe erfunden hatten, wollten wir sie auch einsetzen."

Es ist ein Experiment, um die Wirksamkeit einer Vernichtungswaffe zu testen. Und es ist eine Botschaft an die Sowjetunion: "Seht her, wir haben die Bombe – und wir sind skrupellos genug, sie einzusetzen …"

Die Imagepflege John F. Kennedys

Wie erschafft man eine politische Ikone?

Wäre Präsident John F. Kennedy nicht 1963 ermordet worden, wäre derVietnamkrieg (1960–75), die wohl verheerendste außenpolitische Niederlage der USA, schneller beendet worden – eine Behauptung, die nach dem Attentat von Dallas für Millionen Menschen weltweit zur Gewissheit wird.

Kennedy wusste sich in Szene zu setzen
Kennedy wusste sich in Szene zu setzen Foto: Getty Images / Keystone

Doch die Mär vom friedliebenden Präsidenten stimmt so nicht und ist eine historische Fälschung. Die Wahrheit: Kennedy hasste den Kommunismus und alles, was von ihm ausging. Er konnte nicht dulden, dass Vietnam in die Hände des kommunistischen Vietcong fällt:

"Wir haben überhaupt nichts davon, wenn wir sagen: Warum gehen wir nicht einfach nach Hause und überlassen die Welt denen, die unsere Feinde sind." Auch ein Interview, das nach dem Tod des Präsidenten mit seinem Bruder, dem Justizminister Robert Kennedy, geführt wurde, bestätigt, dass es Kennedys oberstes Ziel war, in Vietnam zu gewinnen, und das notfalls auch mit Bodentruppen.

Kennedy-Experte Seymour Hersh ist sich sicher: "Welche Absichten John F. Kennedy auch immer verfolgt haben mag: Vietnam war sein Krieg, auch nach seinem Tod." Und damit nicht genug: Auch die gescheiterte Invasion Kubas fällt in seine Amtszeit.

Tatsächlich halten viele Historiker Kennedy für einen gescheiterten Präsidenten – loben hingegen seine öffentliche Inszenierung. John F. Kennedy stellt sich bewusst als Gegenbild zu den ewig gestrigen Führern der Sowjetunion dar. Er trat als liberaler, junger Grenzüberschreiter auf – obwohl seine Ansichten eher konservativ waren.

Zu seiner Imagepflege gehörte auch der Auftritt mit Berühmtheiten aus Hollywood wie Marilyn Monroe. Eine Strategie, die insbesondere Barack Obama während seiner Amtszeit übernommen hat – der scheidende US-Präsident gilt als ganz großes Entertainment-Talent.

Der dreiste Coup Otto von Bismarcks

Wie fälscht man einen Kriegsgrund?

Diplomatie ist eine hohe Kunst – schon ein falsches Wort kann zur Katastrophe, zum Krieg führen. Genau den will Otto von Bismarck, Ministerpräsident von Preußen und Kanzler des Norddeutschen Bundes, im Jahr 1870. Er will den Erzfeind Frankreich in die Knie zwingen, um diezersplitterten deutschen Staaten zu einen.

Selbst angreifen aber kann er nicht – die Gefahr, dass andere europäische Großmächte sich dann auf die Seite Frankreichs schlagen, ist zu groß. Und: Nur bei einer Attacke von außen greifen Bündnisverträge, die Bismarck mit den süddeutschen Staaten geschlossen hat. Also wird er zum Fälscher.

Die Emser Depesche König Wilhelms I. an Bismarck ist eigentlich nur ein Bericht über seine Unterredung mit einem französischen Diplomaten. Wilhelm beschreibt in dem Telegramm, wie er es freundlich, aber bestimmt ablehnt, Frankreich zu versprechen, dass niemals ein Adliger aus dem Geschlecht der Preußen-Herrscher den Thron von Spanien besteigt.

Bismarck greift zur Feder – und lässt vom Originalwortlaut kaum etwas übrig. Noch am selben Tage wird die verfälschte Depesche veröffentlicht. Sie soll „den Eindruck des roten Tuches auf den gallischen Stier machen“, sagt Bismarck. Und das tut sie: Die Wortwahl, die Kürzungen lassen die Franzosen glauben, dass Frankreich von Wilhelm schwer beleidigt wurde.

Massenproteste sind die Folge. DieRegierung fürchtet, weggeputscht zu werden – und erklärt Preußen den Krieg. Bismarcks Plan geht auf: Frankreich steht als Aggressor da, die anderen Mächte halten sich heraus, Preußen gewinnt. Und so sorgt eine Fälschung dafür, dass 1871 Wilhelm zum Kaiser des geeinten Deutschen Reichs ausgerufen wird.

Diese Einigung – unter preußischer Führung – ist Bismarcks eigentliches Ziel. Kommentare des Kaisers zu des Kanzlers Eigenmächtigkeit: "Bismarck ist wichtiger für das Reich als ich" und "Es ist nicht leicht, unter diesem Kanzler Kaiser zu sein."

Maos Kampf gegen Chinas Geschichte

Die größte Fälschungsaktion aller Zeiten

Unter den Schlägen eines Vorschlaghammers zerbirst eines derbedeutendsten Kulturdenkmäler der Menschheit zu Staub. Es ist das Grab des Konfuzius, des chinesischen Religionsgründers. Ein gewaltiger Verlust – es ist, als wäre die letzte Ruhestätte Jesu oder des Propheten Mohammed geschändet worden.

Mao versuchte die Geschichte auszulöschen
Mao versuchte die Geschichte auszulöschen Foto: Getty Images / Keystone

Und doch ist dieser Zerstörungsakt nur eine Randnotiz in der größten Fälschungsaktion aller Zeiten. Nicht weniger als 4.000 Jahre Geschichte und eine ganze Kultur sollen ausgelöscht werden, alles Wissen um die Vergangenheit soll aus den Geschichtsbüchern und aus dem Gedächtnis der Menschen verschwinden.

Diese größenwahnsinnige Idee hat Mao Zedong, der chinesische Revolutionsführer. Seit 1948 formt er das uralte Kaiserreich zu einem kommunistischen Imperium. Kommunismus ist in Maos Kosmos nicht nur die Gegenwart und die Zukunft, er soll auch die einzige Vergangenheit sein. Kein Zurück mehr zu alten Traditionen und Ideen.

Maos Vision besteht darin, dass es nur wenige Generationen dauern würde, bis sich niemand mehr an eine Zeit vor dem Kommunismus erinnert. 1966 ruft er in China die sogenannte Kulturrevolution aus. Sein stärkster Verbündeter ist dieJugend, die bereits nichts anderes als den Kommunismus kennt.

Schüler zeigen ihre Lehrer an, Kinder denunzieren ihre Eltern. Intellektuelle, Künstler, Mönche, Professoren werden verhaftet und verschleppt, gefoltert und getötet, weil sie als Bewahrer des alten Wissens gelten. Bis zu sieben Millionen Chinesen werden während der zehn Jahre der Kulturrevolution ermordet, Millionen Kunst- und Bauwerke zerstört.

1976 stirbt Mao, und die Kulturrevolution wird für beendet erklärt. Doch bis heute ist das Erinnern an die Schrecken dieser Epoche verboten. Der Schaden, der damals angerichtet wurde, ist immens. Wer jetzt glaubt, die Zerstörung von Kulturgut ist ein barbarischer Akt des letzten Jahrtausends, muss nur vor Europas Haustür schauen, um sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Die Terroristen des Islamischen Staates (IS) zerstörten in Syrien und im Irak systematisch archäologische Schätze aus derAntike, weil sie die Vergangenheit auslöschen wollen – nur der radikale Islam soll noch Bedeutung haben.

War Che Guevara ein eiskalter Mörder?

Wie die Gräueltaten des Revolutionärs verschwiegen wurden

Der gebürtige Argentinier war auch ein eiskalter Killer
Der gebürtige Argentinier war auch ein eiskalter Killer Foto: Getty Images / Keystone

Befreier Kubas, Ikone des Unabhängigkeitskampfes, Held der Arbeiterklasse – der südamerikanische Guerillero Che Guevara gilt fast 50 Jahre nach seinem Tod Millionen Menschen noch immer als Ikone der kommunistischen Welt. Sein Konterfei prangt weltweit auf T-Shirts und Postern.

Was nur wenige wissen – und die Weltöffentlichkeit erst Jahrzehnte später durch freigegebene Akten erfährt: Das Bild des edlen Guerilleros ist falsch. Während der kubanischen Revolutionskämpfe drängt Guevara sich vor, um den ersten vermeintlichen Verräter zu erschießen.

Allein im ersten Halbjahr nach dem Sieg über Kubas Diktator Batista befiehlt Guevara 216 Hinrichtungen – und das ist nur die Zahl der namentlich bekannten Getöteten. Schnell klebt nicht mehr nur das Blut seiner Feinde, sondern auch das von unschuldigen Zivilisten an seinen Händen.

So legt der Revolutionär ein Netz aus Arbeitslagern an und interniert dort Zehntausende – lässt Hunderte politische Gegner ermorden. Sie haben keine Chance, sich zu verteidigen. "Gerichtsverhandlungen sind nicht nötig, wenn man einen Menschen erschießen will", sagte Guevara.

"Dies ist eine Revolution. Und ein Revolutionär muss eine kalte Tötungsmaschine werden, angetrieben von purem Hass." Seinem Verbündeten Fidel Castro wird klar: Von der Wandlung Che Guevaras darf die Welt nie erfahren, denn im Kampf gegen das kapitalistische System braucht Kuba – und der Kommunismus – Helden.

Dabei spielt Castro in die Hände, dass Che Guevara 1967 in Bolivien erschossen wird. Denn tote Helden leben länger. Erst vier Jahrzehnte später enthüllt der Kuba-Flüchtling Jacobo Machover in seinem Buch "Che Guevara – Die andere Seite" durch Mitschriften und Zeugnisse von Weggefährten die Gräueltaten des kommunistischen Hoffnungsträgers.

Dabei kommt auch heraus: Nachdem Che Guevara Kuba Richtung Bolivien verlassen hatte, ging das Morden seiner Geheimdienste weiter. Historiker gehen von bis zu 12.000 Toten aus.