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Nach "Mehr Überstunden"-Tweet: FDP-Chef Lindner kassiert Shitstorm

Am Wochenende forderte FDP-Chef Lindner "mehr Überstunden", um unseren Wohlstand zu sichern. Jetzt erntet der Bundesfinanzminister massive Kritik.

Christian Lindner
Christian Lindner Foto: IMAGO / Emmanuele Contini
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Bundesfinanzminister Christian Lindner reagiert auf die hohe Inflationsrate und die schwierige wirtschaftliche Lage mit einem Tweet, der sofort massive Kritik erntet.

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Am Wochenende schreibt der FDP-Vorsitzende auf Twitter zunächst, dass es mit ihm keinen Kriegssoli geben würde - also keinen finanziellen Solidaritätsbeitrag, um die Ukraine zu unterstützen. Zuvor hatte der Finanzminister von Baden-Württemberg einen solchen zur Diskussion gestellt.

Lindner fordert "mehr Überstunden"

Doch da hört sein Beitrag nicht auf. Lindner schreibt weiter:

"Wir sind in einer fragilen Lage. Was wir jetzt brauchen, sind mehr Wachstumsimpulse, mehr Gründungen, mehr Überstunden, um unseren Wohlstand zu sichern. Steuererhöhungen würden die Stärkung der Wirtschaftslage sabotieren."

Forderung löst Kritik aus

Ein Tweet, für den der Finanzminister stark kritisiert wurde - auch Arbeitgeber und Unternehmer schalteten sich ein. Marcel Fratzscher, Professor an der Humboldt-Universität in Berlin, schreibt: "Der Arbeitskräftemangel wird nicht durch mehr Überstunden gelöst, lieber @c_lindner. Wir sollten die große Stille Reserve im Arbeitsmarkt heben — viele (va Frauen) arbeiten nicht oder weniger, weil es sich finanziell zu wenig lohnt und zu hohe Hürden gesetzt werden (zB Kitas)."

Weiter heißt es:

"Eine Abschaffung von #Minijobs, Steuerreformen (inkl. beim #Ehegattensplitting) und Investitionen in ein besseres Bildungs- & Betreuungssystem sind dafür notwendig."

Eine Reaktion lautet: In Deutschland sagen wir nicht: 'Wir müssen jetzt bei rasant steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen und stagnierenden Löhnen untere und mittlere Einkommen zügig entlasten'. Wir sagen: 'Was wir jetzt brauchen sind mehr Überstunden' und ich denke, das ist typisch Deutsch.'

"Sonnenkindi" schreibt: "Menschen, die unbezahlte Überstunden machen und am Wochenende arbeiten, nennt man übrigens nicht "fleißig" sondern "naiv"."

Ein anderer User weist darauf hin, dass viele Überstunden fast immer schlechtes Management voraussetzen würden oder ein schlechtes Selbstwertgefühl bedeuteten.

Auch wird Lindners Tweet wie folgt kommentiert:

"Halb Europa testet erfolgreich die 4-Tage-Woche und Deutschland romantisiert über mehr Überstunden, um "unseren" Wohlstand zu sichern und für "uns" Steuererhöhungen zu verhindern. Wer macht denn die Überstunden und um wessen Wohlstand und Steuern geht es hier?"

Christian Lindner reagiert noch am gleichen Tag auf die Kritik, die sein Tweet auslöste - von der er sich offenbar nicht beeindrucken lässt.

"Twitter at its best. Aber ich stehe dazu: Wenn wir unseren Wohlstand sichern wollen, dann brauchen wir Gründergeist, unternehmerisches Risiko und auch Respekt vor Leistung wie eben #Überstunden. Steuererhöhungen und Staatsschulden bringen uns keine Zukunft. Blame me for it! CL"

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