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Rudolf Pleil: Grenzgänger, Frauenmörder, Totmacher

Rudolf Pleil wollte als selbsternannter "Totmacher" in die Geschichte deutscher Serienmörder eingehen und verfasste "Mein Kampf": 127 handgeschriebenen Seiten, die seine grausamen Taten dokumentieren.

Rudolf Pleil: Grenzgänger, Frauenmörder, Totmacher
Der Totmacher Rudolf Pleil verfasste "Mein Kampf" Foto: imago images / ZUMA/Keystone

Rudolf Pleil: Totmacher um jeden Preis

Als Rudolf Pleil im April 1947 wegen Mordes an einem Hamburger Kaufmann im Harzstädtchen Zorge verhaftet wird, hat die Polizei keine Ahnung, wer da in der Zelle sitzt:

Es ist der selbsternannte Totmacher, der zwischen März 1946 und April 1947 mit zwei Helfern mindestens zwölf Frauen getötet, vergewaltigt und ausgeraubt hat.

Ihr Tatort war das Grenzgebiet im Harz, wo Menschen vom sowjetisch besetzten Osten in den britisch besetzten Westen fliehen wollten. Als Grenzgänger bot Rudolf Pleil seine Hilfe an, brachte seinen Schützlingen aber den Tod.

Kriegsjahre: Rudolf Pleils Kindheit

Rudolf Pleil kam am 7. Juli 1924 in Kühberg bei Bärenstein im Erzgebirge zur Welt und lernte schon früh die dunkle Seite des Lebens kennen. Sein Vater war Kommunist und auf der Flucht vor den Nazis. Rudolf half schon mit neun Jahren beim Grenzschmuggel und wurde mehrfach verhaftet.

Mit 13 hatte er um ersten Sex mit einer Prostituierten, mit 15 verließ er sein Zuhause, während des Zweiten Weltkriegs ging er zur Kriegsmarine und saß wegen Diebstahls ein Jahr im Gefängnis.

Was in Rudolf Pleil den Wunsch weckte, Frauen zu töten, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Fest steht nur: Der Drang danach, als weltbekannter Totmacher zu gelten, was so stark, dass Pleil sich selbst ans Messer lieferte.

"Mein Kampf": Das Vermächtnis des Rudolf Pfeil

Rudolf Pleil schreibt Mein Kampf und lässt sich dabei über die Schulter schauen
Rudolf Pleil schreibt "Mein Kampf" und lässt sich dabei über die Schulter schauen Foto: imago images / ZUMA/Keystone

Der Raubmord am Hamburger Kaufmann Hermann Bennen konnte Pleil schnell nachgewiesen werden: Augenzeugen hatten ihn mit seinem Opfer gesehen. Außerdem konnte die Axt, mit der Pleil Bennen zerstückelt hatte, als seine eigene identifiziert werden. Zwölf Jahre Haft lautet das Urteil gegen Rudolf Plein.

Was nach seiner Verurteilung geschah, ist kurios. Aus der Gefängniszelle heraus bewarb sich Pleil als Henker. Um sein Können als Mörder zu untermauern, enthüllte er, zwei Frauenleichen in einen Brunnen bei Vienenburg im Landkreis Goslar geworfen zu haben – sie seien Beweis genug für seine Fertigkeiten, befand der selbsternannte Totmacher in seinem Schreiben.

Tatsächlich wurden die beiden Leichen in dem Brunnen entdeckt und Rudolf Pleil erzählte seine ganze Geschichte. Gemeinsam mit seinen beiden Komplizen Karl Hoffmann und Konrad Schüßler, die wie er als Fluchthelfer arbeiteten, erschlug er ingesamt zwölf Frauen, die mit seiner Hilfe vom Osten in den Westen fliehen wollten. Pleil missbrauchte seine Opfer im Anschluss, während Hoffmann und Schüßler sie ausraubten.

Widerwärtig detailreich hatte der Totmacher außerdem Tagebuch über seine Taten geführt: drei Schulhefte voll, ingesamt 127 Seiten. Er nannte sein Werk "Mein Kampf" – wie Hitlers Propagandaschrift.

Der Totmacher und sein Führer

Wie schon Adolf Hitler 1945 beging Rudolf Pleil Selbstmord: Im Februar 1958 erhängte sich der Serienmörder im Gefängnis von Celle – acht Jahre nachdem er zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.

Wie viele Frauen der Totmacher im Grenzgebiet des Harz' wirklich getötet hat, ist bis heute ungeklärt: Zwölf Verbrechen konnten ihm nachgewiesen werden, Rudolf Pleil prahlte allerdings damit, 40 Morde begangen zu haben. 

Seine beiden Komplizen wurden Anfang der 70er Jahre begnadigt.