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Film-Update

"Rambo: Last Blood": Trauriger Abschied einer Action-Ikone

Sylvester Stallone kehrt in "Rambo: Last Blood" zum letzten Mal in seine Paraderolle des John Rambo zurück. Dabei hinterlässt er nicht nur eine kilometerlange Blutspur, sondern auch eine gefährliche und äußerst fragwürdige Momentaufnahme des zeitgenössischen Amerikas.

Sylvester Stallone in Rambo: Last Blood
Sylvester Stallone in "Rambo: Last Blood" Universum Film

Ein Produkt seiner Zeit

Filme sind immer Produkte ihrer Zeit. Ob sie es wollen oder nicht. Ob im guten oder schlechten Sinne. Die "Rambo"-Filme bilden dabei keine Ausnahme. Sylvester Stallones Darstellung des traumatisierten Vietnamkriegsveterans in "Rambo" (1982) war ein sozialkritischer Kommentar auf den Umgang mit heimgekehrten US-Soldaten. Dieser reflektiere Unterton ging bereits in "Rambo 2" (1985), aber allerspätestens in "Rambo 3" (1988) zugunsten von pathetisch patriotischem Kitsch komplett unter.

Trotz seiner Rolle als karikaturhafte Manifestation des US-Imperialismus (oder vielleicht genau deswegen) wurde das testosterongeladene Muskelpaket zu einer Ikone des modernen Actionkinos. Weil er eben auch so gut in die 1980er-Jahre passte, in die Ronald-Reagan-Ära, in der Männlichkeit durch physische Kraft, absolute Furchtlosigkeit und zielsichere Entschlossenheit definiert wurde. Ein amerikanischer Held, der für sein Land lebt und tötet.

Der unmögliche Weg zur Erlösung

Dass Rambo als Individuum, als das er im ersten Film eingeführt wurde, im Laufe der Serie immer weiter in den Hintergrund gedrängt wurde, um einer größeren Sache zu dienen, hat der Qualität der Figur und Filme nicht gutgetan.

In "John Rambo" (2008), dem vierten Teil der Reihe, ist er immer noch gebrochen und kommt von seiner Vergangenheit nicht los. Doch statt nach einer persönlichen Katharsis zu suchen, begibt er sich erneut in einen brutalen Krieg.

Als Individuum bleibt er verloren und befindet sich in einem Teufelskreis, aus dem ihm, so scheint es, nichts und niemand befreien kann.

In "Rambo: Last Blood" hat Rambo eine "Tochter". Es ist nicht sein eigenes Kind, aber sie ist wie eine Tochter für ihn. Er ist ihr Vaterersatz. Sie ist jung, klug und unschuldig. Eine Motivation für Rambo, ein besserer Mensch zu sein.

Sie ist der Grund, weshalb er seinen Hass und seine Wut unterdrückt. Denn, so seine Überzeugung, Menschen werden nicht besser mit dem Alter, sie ändern sich nicht, sondern werden sogar noch schlechter.

Rambo verschließt sich selber schon zu Beginn des Films den Weg zur (vom Zuschauer gewünschten) Katharsis.

Und dennoch versucht er es. Setzt sich als Freiwilliger bei Rettungsaktionen ein. Versucht, ein geregeltes Leben auf seiner Ranch zu führen und ein besserer Mensch zu werden. Doch als seine "Tochter" sich eigenhändig nach Mexiko aufmacht, um ihren leiblichen Vater zu suchen, und dabei von Menschenhändlern entführt und zur Prostitution gezwungen wird, gerät er erneut in eine Welt von Gewalt und Tod.

Wieder werden Hass und Rache zu seiner Motivation. Gewalt ist dabei der einzige Weg, der ihn seinem Ziel näher bringt. Doch am Ende seines blutigen Weges wartet keine Erlösung, dies ist dem Zuseher bereits nach der Hälfte des Films klar. Und es ist genau diese frühe Erkenntnis, die den Zuschauer unbefriedigt zurücklässt, wohlwissend, dass es Rambos finaler Auftritt ist.

Rambo: Allein zu Haus

Die dramaturgischen Schwächen, die der Ikone Rambo kein befriedigendes Ende erlauben, mal beiseitegestellt. Die eigentliche Schwachstelle, und damit schließt sich der Kreis, ist die politische Konnotation, die im Film mitschwingt und ihm in den aktuell äußerst komplizierten Zeiten einen gefährlichen Beigeschmack verleiht - wobei diese Konnotation grundsätzlich in jeder Zeit unangebracht wäre.

Die "Rambo"-Filme waren Stereotypen nie abgewandt, so radikal aber wie hier, war es noch nie. Die Darstellung der Mexikaner ist klischeehaft, beinah schon rassistisch. Skrupellose und kaltblütige Kartellmitglieder, eine korrupte mexikanische Polizei - und selbst Freunde entpuppen sich als profitorientierte Opportunisten.

Sie sind es, die das erste Blut vergießen, Rambo reagiert lediglich. Im Finale sieht er sich gezwungen, seine Farm in "Kevin: Allein zu Haus"-Manier auszustatten, um sich vor dem gewaltbereiten Kartell, das durch geheime Tunnel ins Land kommt, zu schützen.

Gewalt wird mit Gegengewalt bekämpft. Einen anderen Weg hat es für Rambo nie gegeben.

Filme sind immer Produkte ihre Zeit. Ob sie es wollen oder nicht. Ob im guten oder schlechten Sinne. Das gilt auch für "Rambo: Last Blood". Ein Film, der mehr als einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

"Rambo: Last Blood" läuft ab dem 19. September 2019 in den deutschen Kinos.

Trailer:

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