Gesundheits-Update Erste Hilfe: 21 gefährliche Mythen

Welt der Wunder 27.08.2019

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 10.000 Menschen aufgrund von falscher oder unterlassener Hilfeleistung. Dafür maßgeblich mitverantwortlich sind Erste-Hilfe-Legenden, die sich oft seit Jahrzehnten jeder Richtigstellung widersetzen. Es wird Zeit, damit aufzuräumen.

Erste-Hilfe-Kurs
Teilnehmer eines Erste-Hilfe-Kurses Foto:  iStock / sturti
 

Erste Hilfe – Die größten Mythen

Es ist absurd. Obwohl Deutschland über eine medizinische Infrastruktur verfügt, von der die meisten Länder der Welt nur träumen können, sollte man mit Blick auf die statistische Überlebenschance hierzulande am besten keinen Herzinfarkt bekommen.

Denn auch der bestausgebildete Notarzt im modernsten Rettungswagen ist vollkommen nutzlos, wenn der Patient tot ist, bevor er ihn erreichen kann ...

Um das Problem zu verstehen, muss man sich folgende Zahlen vor Augen führen: Rund 10 Minuten dauert es in Deutschland im Schnitt, bis ein Rettungswagen nach einem Notruf am Ort des Geschehens eintrifft.

Was sich nach wenig anhört, kann sehr schnell zu einer Ewigkeit werden, wenn man weiß, dass man als Ersthelfer, statistisch gesehen, in zwei Drittel der Fälle zunächst alleine vor Ort ist – und man eigenverantwortlich retten muss.

Für viele Deutsche, von denen auch im 21. Jahrhundert 9 von 10 nicht wissen, wie man einen Puls bestimmt, ist das scheinbar zu viel Verantwortung – weswegen sich bei einem Notfall fast 70 Prozent der potenziellen Ersthelfer entscheiden, gar nicht einzugreifen.

Eine fatale Dynamik, wenn man bedenkt, dass selbst eine laienhafte Herzdruckmassage die Überlebenschance fast um das Dreifache erhöht.

Forscher der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin schätzen, dass jährlich 10 000 Menschen sterben, weil Erstretter Angst haben, etwas falsch zu machen.

 

Und mitverantwortlich für diese Verunsicherung sind seit Jahrzehnten verbreitete Erste-Hilfe-Mythen. Unsere Kollegen von Welt der Wunder stellen einige von ihnen auf den Prüfstand und erklären, wie man sich richtig verhält.

 

21 Erste-Hilfe-Mythen

01 Nach einem Motorradunfall darf der Helm des Unfallopfers nicht abgenommen werden

Das stimmt so nicht. Wenn ein verunfallter Motorradfahrer nicht ansprechbar ist, muss "der Helm unter dem Schutz der Halswirbelsäule abgenommen werden. Der Kopf darf nicht zur Seite fallen", erklärt Notarzt Jan Breckwoldt.

Um ruckartige Bewegungen zu vermeiden, stabilisiert man (am besten zu zweit) Kopf und Hals mit den Handflächen.

Entfernen Sie vorher alle Tücher und abtrennbaren Polster im Helm. Zudem gilt: Wenn ein Unfallopfer den Helm nicht selbstständig abgenommen hat, weist das darauf hin, dass es geschockt ist – und ein Kollaps droht.

INFO: www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/verkehrsunfall/helm-abnehmen/

Motorradunfall
Helm abnehmen oder nicht?  Foto: iStock / huettenhoelscher

02 Einen Verletzten sollte man immer hinlegen

Falsch! Immer wieder kommt es vor, dass Verletzte von Ersthelfern mehr oder weniger gezwungen werden, sich hinzulegen. Das ist nicht immer richtig.

Es gilt: Wenn der Hilfebedürftige bei Bewusstsein ist, sollten alle Maßnahmen mit ihm abgesprochen werden.

Besonders bei Herzinfarkten oder Lungenödem (Flüssigkeit in der Lunge) kann das Hinlegen eines Patienten den Zustand verschlechtern.

03 Bei Vergiftungen löst man Erbrechen aus

Es ist ein gefährlicher Mythos, der sich seit Jahrzehnten hartnäckig jeder Aufklärung widersetzt. Notfallmediziner raten aber dringend davon ab, das Gift "zu entfernen", in dem man den Körper dazu bringt, es wieder hochzuwürgen.

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Der Grund: Giftige Substanzen (vor allem ätzende) können in Kombination mit dem ohnehin sauren Mageninhalt die Speiseröhre erheblich verletzen. Noch größer ist aber die Gefahr der sogenannte Aspiration – also des Einatmens von Erbrochenem.

Generell gilt beim Verschlucken von giftigen Substanzen: Kontaktieren Sie den Giftnotruf. Sind Vergiftungssymptome (z. B. Bewusstlosigkeit, Erbrechen) bereits vorhanden, muss der Rettungsdienst (112) informiert werden.

Halten Sie Informationen zur giftigen Substanz bereit (z. B. Produktname). Ersthilfemaßnahme: Die Verabreichung von ein bis zwei Gläsern stillem Wasser, Saft oder Tee verdünnt das Gift im Körper.

Milch eignet sich dagegen nicht zum Verdünnen.

INFO: www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/vergiftungen-und-hilfe-bei-erbrechen/

Brandverletzung
Brandverletzungen richtig behandeln  Foto: iStock / ozgurkeser

04 Verbrennungen sollte man mit Eis oder kaltem Wasser kühlen

Noch immer wird in vielen Erste-Hilfe-Kursen bei Verbrennung zur sogenannten Kaltwasseranwendung geraten. Doch das ist falsch.

"Heute weiß man, dass die Kühlung keine adäquate Maßnahme ist, weil sie mehr Schaden verursacht, als sie nützt", erklärt Unfallmediziner Professor Peter Sefrin. Hintergrund ist die Gefahr einer Unterkühlung, da die Wärmeregulation des Körpers beeinträchtigt ist.

Grundsätzlich ist deswegen zu beachten: Nur kleinflächige Brandwunden dürfen zur Schmerzlinderung mit Wasser gekühlt werden – allerdings nicht mit kaltem, sondern lediglich mit lauwarmen Wasser.

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Eine Brandwunde gilt als kleinflächig solange sie nicht größer ist als die Handfläche des Verletzten. Bei Kleinkindern oder Verbrennungen am Kopf und Rumpf sollte auf eine Kühlung generell verzichtet werden.

05 Ein Verletzter darf am Unfallort auf keinen Fall bewegt werden.

Dieser Mythos geht vor allem auf die Annahme zurück, dass ein Unfallopfer schwere Verletzungen haben könnte, die von einem Laien nicht erkannt werden – und durch einen Transport verschlimmert werden können (z. B. eine Wirbelfraktur).

Doch liegt der Unfallort in einer Gefahrenzone (z. B. auf einer Autobahn), ist aus Selbstschutzgründen das oberste Gebot, sich und die verletzte Person schnellstmöglich aus dem Gefahrenbereich zu befördern.

Anderenfalls kann es zu Folgeunfällen kommen, die den Zustand des Opfers verschlechtern, Ersthelfer verletzen oder unbeteiligte Dritte in Gefahr bringen.

 

06 Knochenbrüche müssen sofort geschient werden, damit sie gut verheilen können

Die Faustregel, dass ein Bruch schneller und besser verheilt, je eher er gerichtet und geschient wird, ist ein gefährlicher Irrtum. Oft führt er dazu, dass Laien mit zum Teil sehr abenteuerlichen Hilfsmitteln einen Bruch "stabilisieren".

In Wahrheit ist es als Ersthilfe vollkommen ausreichend, das gebrochene Körperteil ruhigzustellen. Das Richten und Schienen sollte man dagegen einem Profi überlassen, da ansonsten ein hohes Risiko für Langzeitschäden besteht.

Außerdem sind bei vielen Brüchen nicht nur Knochen verletzt – sondern auch Nerven oder Gefäße. INFO: www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/knochenbruch/knochenbrueche/

Herzdruckmassage
Herzdruckmassage   Foto: iStock / Pixel_away

07 Eine Herzdruckmassage darf niemals unterbrochen werden

Ist ein Verletzter bewusstlos oder lässt sich keine Atmung feststellen, sollte man mit der Herzdruckmassage beginnen. Dazu setzt man eine Hand auf die Mitte des Brustbeins, legt die andere darauf und drückt dann etwa 100-Mal pro Minute fünf Zentimeter nach unten.

Die Herzdruckmassage muss durchgeführt werden, bis ein Notarzt bereit ist (!), die Rettungsmaßnahme zu übernehmen (keinesfalls schon abbrechen, wenn z. B. ein Krankenwagen eintrifft oder sich ein Arzt nähert) oder der Verletzte wieder ansprechbar ist.

Die sich daran anschließende Behauptung, dass eine Herzdruckmassage niemals unterbrochen werden darf, ist nichtzutreffend. Studien zeigen, dass eine Herzdruckmassage im Schnitt aufgrund der großen Anstrengung für den Hilfeleistenden nach zwei Minuten stark an Qualität verliert.

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Sind mehrere Erstretter vor Ort, empfiehlt sich deshalb, regelmäßig durchzuwechseln. Ist man alleine, sollte eine Unterbrechung, um Kraft zu schöpfen, so kurz wie möglich gehalten werden, da die Herzdruckmassage dazu dient, den Restsauerstoff im Blut zirkulieren zu lassen – und es bereits nach einer Pause von 180 Sekunden zu einer Unterversorgung im Gehirn kommen kann.

08 Einen Defibrillator nicht benutzen, wenn man nicht sicher ist, ob das Herz noch schlägt

Defibrillatoren (AED), die an öffentlichen Orten zur Ersthilfe bei Herzrhythmusstörungen zur Verfügung stehen, richten sich gezielt an Laien – und können auch ohne ärztliche Diagnose eingesetzt werden.

Anders gesagt: Diese Geräte geben per Sprachfunktion einfache Anweisungen, was zu tun ist. Außerdem stellen sie selbstständig fest, ob ein Herz noch schlägt oder stillsteht – und entscheiden entsprechend, ob ein Stromschlag nötig ist.

Defibrillator
So wird ein Defibrillator richtig benutzt.  Foto: iStock / muratseyit

Generell gilt aber: Im Zweifel ist es wichtiger, mit der Herzdruckmassage zu beginnen, als einen Defibrillator zu suchen oder zu holen. Einen AED darf man zudem niemals im Wasser oder in einer Pfütze stehend einsetzen.

Und berühren Sie den Patienten nicht, während der Defibrillator arbeitet – nicht nur, um einen Stromschlag zu verhindern, sondern auch, um die Messung der Herzfunktion nicht zu beeinträchtigen.

09 Bei einem Schwächeanfall sollte viel Wasser verabreicht werden

Viele Laien sind der Meinung, dass man Menschen, die einen Schwächeanfall erleiden, Wasser einflößen sollte. Mediziner raten davon entschieden ab. Stattdessen soll man die betroffene Person bei Bewusstlosigkeit einfach in eine stabile Seitenlage bringen.

 

10 Wenn ein Verband durchgeblutet ist, sollte man ihn wechseln

Der Verband ist gerade erst um die frische Wunde gewickelt, und schon sieht man, dass das Blut durchsickert. Was macht man jetzt? Oft hört man, dass man einen durchgebluteten Verband wechseln sollte.

Doch in Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Es gibt zwei entscheidende Gründe, warum der Verband drauf bleiben sollte. Zum einen wird bei einem Verbandswechsel die Wunde noch einmal freigelegt und die Infektionsgefahr dadurch deutlich erhöht.

Zum anderen stört man damit den Heilungsprozess der Wunde. Stattdessen ist es ratsam, einfach einen zweiten Verband über den durchgebluteten ersten zu wickeln.

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11 Das Heimlichmannöver wendet man auch bei Babys und Kleinkindern an

Sich zu verschlucken, ist nicht nur eine unangenehme Erfahrung, sondern kann unter Umständen sogar lebensbedrohlich werden. Denn nicht immer lässt sich ein Fremdkörper, der die Atemwege blockiert, auch selbstständig entfernen.

In solchen Fällen kann das sogenannte Heimlich-Manöver, bei dem man die Person, die sich verschluckt hat, von hinten umfasst und ruckartig Druck auf die Magengegend ausübt, Leben retten.

Doch nicht selten wenden panische Eltern den Heimlich-Griff auch bei Säuglingen und Kleinkindern in Erstickungsnot an. Das Problem: Für kleine Kinder ist dieser Druck zu groß, schwere Verletzungen können die Folge sein.

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Deshalb empfehlen Rettungsmediziner gerade für Säuglinge eine schonendere und trotzdem effektive Methode. Hat das Kind sich verschluckt und kann sich selber nicht des Fremdkörpers entledigen, legt man das Kind bäuchlings auf seinen Unterarm, mit der Hand stützt man den Kiefer, ohne den Mund zu verdecken oder den Hals zu berühren.

 Dabei ragt der Kopf über die Hand hinaus, der Arm wird leicht schräg nach unten gehalten, nicht waagerecht. Dann gibt man dem Baby einige feste Schläge mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter, um den Fremdkörper zu lösen.

12 Wer falsch hilft, macht sich strafbar

Erste Hilfe ist eine heikle Angelegenheit. Viele Menschen, die in die Situation geraten, reanimieren zu müssen, stellen sich unweigerlich die Frage: Mache ich das richtig? Was passiert, wenn ich bei dem Versuch, ein Menschenleben zu retten, die betroffene Person verletze?

 

Kann man angeklagt werden, weil man bei der Herzdruckmassage einer Person die Rippen bricht? Immer wieder kommt es vor, dass Menschen die Erste Hilfe unterlassen, weil sie Angst vor den Konsequenzen haben, sollten sie falsch handeln.

Dabei gilt: Wer nach bestem Wissen und Gewissen Erste Hilfe leistet, hat nichts zu befürchten. Tatsächlich ist in Deutschland jeder Ersthelfer gesetzlich gegen mögliche Körperschäden versichert.

Nur wer die wiederzubelebende Person mutwillig verletzt oder grob fahrlässig handelt, muss mit Konsequenzen rechnen.

Darüber hinaus ist jeder dazu verpflichtet, nach seinen Möglichkeiten im Notfall Erste Hilfe zu leisten. Wer dem nicht nachkommt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr rechnen.

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13 Das Urinieren auf eine Quallenverletzung lindert den Schmerz

Die Nesseln mancher Quallenarten können nicht nur starke Schmerzen, sondern auch Verbrennungen erzeugen. Oft wird deshalb empfohlen, die Verbrennungen mit Urin zu behandeln.

Forscher der University of Hawai‘i at Manoa fanden heraus, dass Urin tatsächlich die Schmerzen nur verschlimmert. Das effektivste Mittel sei stattdessen handelsüblicher Essig (keine Essigessenz).

Mit diesem sollte die betroffene Stelle großflächig abgespült werden, ehe man sie mit 45 Grad Celsius heißen Wärmepackungen etwa 45 Minuten lang abdeckt. So wird das Gift der Qualle deaktiviert.

14 Der Puls muss bei einer Reanimation regelmäßig kontrolliert werden

Lebt er noch? Diese Frage stellen sich viele Menschen und glauben, bei einer Reanimation regelmäßig den Herzschlag des Bewusstlosen überprüfen zu müssen.

 

Doch das kostet wertvolle Zeit und gelingt den allermeisten Menschen nicht. Deshalb gilt: Erste Hilfe geht vor, den Rest übernehmen die Sanitäter.

15 Eine stark blutende Wunde muss man abbinden

Wie stoppt man eine Wunde, die nicht zu bluten aufhören will? Lange Zeit hielt sich der Glaube, dass man eine schwere Wunde abbinden muss, um die Blutung zu stoppen. Das Problem: Dabei unterbricht man den Blutkreislauf in dem betroffenen Körperteil und riskiert, dass es abstirbt.

Ein Druckverband mit einer nicht ausgerollten Mullbinde als Polster kann hingegen die Blutung stoppen, ohne die Blutzufuhr zu unterbinden. Wichtig: Den Verband fest über dem Polster auf der Wunde verknoten.

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16 Wenn ich eine Unfallstelle erreiche, setze ich zuerst den Notruf ab

Ersthelfer bei einem Verkehrsunfall zu sein, kann überfordernd sein. Viele Menschen setzen deshalb in dieser Situation als Erstes den Notruf ab. Dabei vergessen sie den wichtigsten Faktor: die eigene Sicherheit.

Deshalb gilt: als Allererstes die Unfallstelle absichern. Dann kann man den Notruf tätigen, sich schnell Hilfe von Mitmenschen aus der unmittelbaren Umgebung holen und anschließend Erste Hilfe leisten.

17 Nach einem Schlangenbiss sollte man das Gift aussaugen

Der Mythos hält sich hartnäckig: Wenn jemand von einer giftigen Schlange gebissen wurde, soll man die Bissstelle einschneiden und aussaugen. Doch bringt das wirklich etwas?

 

Tatsächlich ist der Gegenteil der Fall. Durch die tiefere Wunde sind Komplikationen oft die Folge. Stattdessen soll man das betroffene Körperteil einfach ruhigstellen und einen Arzt oder Krankenwagen rufen.

18 Epileptikern sollte man bei einem Anfall den Mund aufklemmen

Ein epileptischer Anfall ist eine angsteinflößende Erfahrung – für den Betroffenen selbst sowie für die Menschen um ihn herum. Doch wie hilft man einer Person, die sich verkrampft am Boden windet?

Hartnäckig hält sich der Glaube, dass ein Epileptiker sich bei einem Anfall die Zunge verletzen und man deshalb den Mund mit einem Löffel aufklemmen muss. In Wirklichkeit ist das jedoch für den Epileptiker sehr gefährlich.

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Da die Kiefermuskulatur sich wie der gesamte restliche Körper auch verkrampft, ist es äußerst schwierig, einen Löffel zwischen die Zähne des Betroffenen zu bekommen. Bei dem Versuch werden Epileptikern nicht selten Zähne herausgebrochen.

Trotzdem kann man der betroffenen Person helfen. Alle Gegenstände, an denen sie sich verletzen könnte, müssen aus dem Weg geräumt werden, dann kann man den Notruf absetzen. In der Nachschlafphase nach dem Anfall sollte man die Person in die stabile Seitenlage bringen.

19 Bei starkem Nasenbluten ist es ratsam, das oder die blutenden Nasenlöcher mit einem weichen Stopfen zu verschließen

Die Nase fängt an zu bluten – und was nun? Ein bewährtes Hausmittel ist es, die Nasenlöcher mit einem Stopfen aus Watte oder einem Taschentuch zu verschließen, um die Blutung zu stoppen, und den Kopf in den Nacken legen. Davon rät der Mediziner Dr. Winfried Goertzen jedoch ab:

Nasenbluten
Nasenbluten  Foto: iStock / powerofforever

"Dadurch läuft das Blut in den Rachen und durch die Speiseröhre in den Magen. Das kann zu Erbrechen führen, das Blut kann sogar in die Atemwege gelangen."

Deshalb ist es ratsam, den Kopf nach vorne zu beugen, um das Blut abfließen zu lassen. Und anstelle eines Stopfens sei es viel effektiver, einfach die Nasenflügel zusammenzudrücken.

20 Man kann einen Luftröhrenschnitt mit dem Kugelschreiber machen

"Das gehört eher in die Welt von James Bond", erklärt Notfallmediziner Thomas Henke. Studien haben gezeigt, dass man mit einem Kugelschreiber ohnehin nicht die Haut durchbohren kann – jedenfalls nicht, ohne erheblichen Kollateralschaden anzurichten.

Von dieser Maßnahme sollte man also Abstand nehmen. Als Tubus (Beatmungshilfe) kann die Kugelschreiberhülse im Notfall dagegen tatsächlich verwendet werden.

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Allerdings ist dafür ein fachgerechter Schnitt in der Luftröhre notwendig – und den setzen selbst erfahrene Mediziner nur sehr selten in absoluten Notfällen.

21 Fieber kann man durch Einreiben der Haut mit Alkohol senken

Alkohol ist ein Hausmittel, dass bei vielem helfen soll. Bei Menschen mit Fieber soll beispielsweise das Einreiben der Haut mit Hochprozentigem die Körpertemperatur senken. Gerade viele Eltern greifen bei ihren Kindern auf diese Methode zurück.

Dabei ist Alkohol auf der Haut nicht nur ineffektiv, sondern kann gerade bei kleinen Kindern gefährlich werden. Der schnell verdampfende Alkohol erhitzt im Endeffekt nicht nur den Körper, sondern dringt auch in den Blutkreislauf ein. Eine Alkoholvergiftung kann die Folge sein.

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