Abgas-Skandal

VW-Diesel werden stillgelegt! VW, Audi, Skoda & Seat betroffen

VW-Diesel-Fahrer aufgepasst: Was die EU-Kommission bereits vor einigen Tagen angekündigt hat, setzt das KBA jetzt durch. Sie drohen die vom Abgas-Skandal betroffenen Diesel-Pkw, die nicht umgerüstet sind, stillzulegen – und zwar schneller als gedacht.

Das BKA will alle vom Abgas-Skandal betroffenen Autos stillegen
Kraftfahrt Bundesamt: Die Behörde will alle vom Abgas-Skandal betroffenen VW-PKW stillegen Foto: AutoZeitung
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Bei einigen Fahrzeugen könnte die Betriebserlaubnis bereits ab dem 28. August 2017 erlöschen.

Ab diesem Tag wird das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) alle Fahrzeugdaten der nicht nachgebesserten Skandal-Diesel der Marken VW, Audi, Skoda und Seat an die Zulassungsstellen übermitteln.

Das kündigt das KBA in einem Schreiben an die Fahrzeugbesitzer an. Die Zulassungsbehörden werden das Fahrzeug dann gemäß § 5 Abs. 1 Fahrzeug-Zulassungsverordnung stilllegen.

VW Amarok erstes Opfer

Zuerst betroffen sind Fahrzeughalter, die zu Beginn der Umrüstaktion einer Einladung zur Teilnahme bis dato nicht nachgekommen sind, also vorerst Besitzer eines VW Amarok.

Hier war der Rückruf im Januar 2016 gestartet. VW-Kunden haben nach der Benachrichtigung über die Umrüstung 18 Monate Zeit, um ihren Pkw nachbessern zu lassen.

Nach Ablauf dieser Frist soll die Stilllegung erfolgen. Dabei droht den Besitzern nicht nur der Entzug der Zulassung, sondern auch noch Kosten, denn auf die Außerbetriebsetzung des Fahrzeuges werden Gebühren erhoben.

Alle Besitzer eines Diesel-Pkws, die ihren Diesel bisher nicht umgerüstet haben, sollten sich daher sputen und an der Rückrufaktion ihres Herstellers teilnehmen.

Gebrauchtwagenkäufer aufgepasst

Für die Besitzer der nachbesserungsbedürftigen Autos bedeutet diese Maßnahme, dass sie auf jeden Fall gezwungen sind ihr Fahrzeug nachzurüsten, sofern sie keine Stilllegung riskieren wollen.

Gebrauchtwagenkäufer sollten jetzt ebenfalls sehr aufmerksam sein und sich absichern, dass die Nachrüstung bei ihrem Auto erfolgt ist.

Laut Volkswagen wurden von rund 2.8 Millionen betroffenen Fahrzeugen in Deutschland bereits 1.82 Millionen mit dem Software-Update ausgestattet.

Erste Besitzer klagen bereits

Nach der Ankündigung des KBA, nicht umgerüstete Diesel-Fahrzeuge stillzulegen, rollt schon die erste Klage beim Verwaltungsgericht Freiburg an.

Im Rahmen eines Eilverfahrens wurde von der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft, die im Abgasskandel bereits 35.000 Kunden vertritt, am 25. Juli 2017 eine einstweilige Anordnung gegen die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das KBA, beantragt.

Weiter versuchen die Anwälte zu erwirken, dass es dem KBA untersagt wird, die Fahrzeug-Daten an die zuständigen Zulassungsstellen weiter zu geben.

Das aktuelle Verfahren läuft im Namen des Besitzers eines VW Amarok, der sich aktuell noch in einem Rechtsstreit mit VW befindet.

Es könnte ein Präzedenzfall für alle VW-Besitzer sein, die aktuelle noch gegen den Konzern klagen (z.B. auf Schadenersatz).

Das manipulierte Auto wäre durch das Zwangs-Update als Beweismittel schlicht unbrauchbar. Die Kläger hätten vor Gericht keinen Erfolg mehr.

Der im Verfahren federführende Rechtsanwalt Ralph Sauer unterstellt dem KBA den vom Diesel-Skandal Geschädigten die Zeit für das Gerichtsverfahren nicht geben zu wollen.

Weiter prangert er an:

"Das KBA spielt wieder einmal ein falsches Spiel auf Seiten der Industrie und stellt sich eindeutig gegen die Interessen der Geschädigten.

Es ist unerträglich, wie schamlos das Kraftfahrt-Bundesamt erneut alles dafür tut, um die Geschädigten in die zweifelhaften Softwareupdates zu zwingen.

Das Ziel scheint es zu sein, den letzten Widerstand der Geschädigten gegen die Industrie zu brechen und die Prozesschancen von VW gegen die Geschädigten zu verbessern, indem man die Beweismittel vernichtet. Dies kann so nicht hingenommen werden".

EU-Komission drängt auf Stillegung

Möglicherweise ist die Maßnahme des KBA eine Reaktion auf eine Forderung der EU-Kommission.

Denn die Stilllegung nicht umgerüsteter Skandal-Diesel brachte EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska bereits am 21. Juli 2017 ins Gespräch:

Sie wollte erwirken, alle vom Abgasskandal betroffenen Diesel-Fahrzeuge noch bis 2018 stillzulegen. Europaweit wären Millionen von Autos von dieser Maßnahme betroffen.

Der einzige Ausweg, um der Stillegung zu entgehen, sollte die Nachrüstung des Diesels noch vor Ablauf des Jahres sein. Das KBA will die Nachrüstung nun möglichst schnell erzielen.

Schon Ende August könnten die ersten Außerbetriebsetzungen folgen.

Bisher hatten sich auch Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe für eine Stillegung betroffener Diesel eingesetzt, die Klagen kamen aber noch zu keinem Ergebnis.

Auch bei Daimler und BMW gab es jüngst schwere Vorwürfe wegen zu hoher Abgasemissionen bei Dieseln der Abgasnorm Euro 5. 

Schlimmstenfalls könnte auf diese Wendung eine generelle Stillegung der Euro 5-Diesel folgen.

Ein Fahrverbot für Diesel-Pkw findet die EU-Kommissarin jedoch nicht zielführend aufgrund der Gefahr eines "rasant kollabierenden Diesel-Markts".

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