Fünf Trillionen Karat

Forscher entdecken 10 Billiarden Tonnen Diamanten im Erdmantel

Folgender Dialog hat sich gerade vor meinem geistigen Auge abgespielt und könnte, richtig umgesetzt, ein absurder Sketch der Monty-Python-Truppe sein.

Geschliffener Diamant
Geschliffener Diamant Foto: iStock / mevans
Auf Pinterest merken

Neulich in Antwerpen.

Person X: "Guten Tag, ich möchte ein Diamantenvorkommen melden."

De Beers*-Agent: "Das ist schön. Da sind sie bei uns genau richtig. Wir produzieren jedes Jahr etwa 9,5 Tonnen Edelsteine."

Person X: "Tja, naja, mein Fund ist eine etwas andere Hausnummer."

De Beers-Agent (leicht irritiert): "Ah, ja. Um welches Volumen geht es denn in Ihrem Fall?"

Person X: "Zehn Billiarden Tonnen."

Schweigen.

Was wie ein schlechter Scherz klingt, dürfte jedoch tatsächlich real sein. Forscher haben kürzlich durch die Analyse seismischer Wellen errechnet, dass in den Kerngebieten der Kontinente, den sogenannten Kratonen, extrem große Vorkommen an Diamanten lagern müssen.

Wie umgekehrte Berge reichen sie hunderte Kilometer in  den Erdmantel hinein. Es sind die ältesten und unbeweglichsten Gesteinsschichten des Planeten. Vom tiefsten Abschnitt, der Wurzel, wird ausgegangen, dass er mit bis zu zwei Prozent Diamanten durchsetzt ist.

Das wären besagte zehn Billiarden Tonnen. Die hätten dann, just for fun, zusammengerechnet etwa fünf Trillionen Karat. Reicht für den Anfang.

Ulrich Faul vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) resümiert: "Das beweist, dass Diamanten nicht so exotisch sind, wie bisher angenommen, sondern ziemlich gewöhnlich - zumindest auf einer geologischen Skala."

Dennoch dürfte eine Art Karat-Goldrausch mit Sicherheit ausbleiben. Das wertvolle Mineral liegt nämlich in einer Tiefe von etwa 240 Kilometer, also viel zu tief für die technischen Möglichkeiten des Diamant-liebenden Homo sapiens.

Schade eigentlich.

* Weltgrößter Diamantenproduzent und -händler