Geheimakten der Geschichte

Wo werden Russlands Giftwaffen entwickelt?

Der heimtückische Giftmord am bulgarischen Bürgerrechtler Georgi Markow bewegte die Welt. Die Untersuchungen des britischen Geheimdienstes führten zu einer wahren Giftküche mitten in Moskau.

Radioaktivität
Wo werden Russlands Giftwaffen entwickelt? Foto: iStock / fmajor

Russische Giftwaffen: Der Tod von Georgi Markow

London, 7. September 1978: Der bulgarische Bürgerrechtler Georgi Markow steht an einer Bushaltestelle auf der Waterloo Bridge – als er plötzlich einen stechenden Schmerz in seiner Wade spürt. Ein Mann hat ihn scheinbar versehentlich mit der Spitze eines Regenschirmes gestochen. Kurz darauf bekommt Markow Fieber und stirbt. Was niemand ahnt: Der Fall führt zur Entdeckung des vielleicht geheimsten Labors der Erde.

Nach dem Tod von Markow zeigt sich schnell, dass es sich um einen Anschlag handelt. Ein Pathologe findet in Markows Wade eine 1,52 Millimeter große Kugel aus einer Platin-Iridium-Legierung. Die Kugel war mit einem Gift gefüllt, das über zwei Öffnungen in Markows Körper entwich.

Auch das Gift können die Ermittler bestimmen: modifiziertes Rizin – ein Biotoxin, für das es kein Gegenmittel gibt. Doch wer steckt hinter dem Regenschirm-Attentat? Die Spur führt nach Bulgarien, wo Staatschef Todor Schiwkow den systemkritischen Markow als Intimfeind betrachtete. Schiwkow hat am 7. September Geburtstag.

Die Giftküche des russischen Geheimdienstes

Das Attentat mitten in London wird zur Staatsaffäre. Zwar muss Scotland Yard die Ermittlungen einstellen – britische Geheimdienste verfolgen die Spuren allerdings weiter. Und die führen direkt nach Moskau – genauer gesagt in ein unscheinbares Gebäude in der Nähe der russischen Geheimdienstzentrale Lubjanka.

Dort befindet sich ein streng geheimes Labor. Das Ziel der Einrichtung: die Entwicklung von Reagenzien, die sich zur unauffälligen Ausschaltung von politischen Feinden eignen. "Laboratorium Nr. 12" ist die Giftküche des russischen Geheimdienstes. Zahlreiche Giftmorde und Anschläge mit speziell modifizierten synthetischen Giften oder Biotoxinen gehen von dem Labor aus – bis heute.