Interview

Im T3 Syncro durch Afrika: René Bauer über die "Lektionen eines Mistviehs"

René Bauer und seine Freundin Andrea Kaucka reisen seit Jahren mit einem VW T3 Syncro quer durch Afrika. Im Interview erzählt er, was ihn das gelehrt hat.

VW T3 Syncro
Der VW T3 Syncro von Rene Bauer Foto: René Bauer

Ein Pärchen und ein VW T3 Syncro - darum geht's im Buch "Unaufhaltsam - Lektionen eines Mistviehs" von René Bauer und Andrea Kaucka. Die beiden reisen seit etlichen Jahren mit dem Wagen durch Afrika, wobei sie unzählige spannende Abenteuer und knifflige Situationen erleb(t)en.

Im Interview erzählt uns René Bauer, was ihn und seine Freundin an Afrika so fasziniert, warum sie sich für einen T3 Syncro entschieden haben und - natürlich - welche Lektionen das "Mistvieh" sie gelehrt hat.

Los geht's!

Afrika: Freiheit, wilde Tiere & Entdeckergeist

Männersache: Was reizt euch an Afrika als Reiseziel?

René Bauer: "Es war zu Anfang nur eine Schnapsidee, mit dem eigenen Auto von Europa aus bis ganz nach Südafrika zu fahren, einmal quer über den Kontinent. Vorher wussten wir über Afrika nicht viel. Nur, dass es dort wilde Tiere, Dschungel, Wüsten und bunte Völkerstämme gibt - genauso wie Hungersnöte, Dürren und teils blutige Konflikte.

Inzwischen bedeutet uns Afrika viel mehr, der Kontinent ist Teil unseres Lebens geworden. Afrika bedeutet für uns Freiheit, Abenteuer, wilde Tiere und das Gefühl, sich wie ein Entdecker zu fühlen. Stellt euch den erdigen Duft der Savanne vor, das Brüllen des Löwen, das gemütliche Knistern eines Lagerfeuers irgendwo mitten im Nirgendwo und die funkelnden Sterne über unseren Köpfen. Und selbst die Adrenalinschübe, die man hat, wenn nachts Löwen, Hyänen oder Elefanten um das Zelt schleichen, gehören dazu.

Von der kulturellen Seite her sind es die bunten, chaotischen Märkte, das Dröhnen der Trommeln oder die neugierigen, lächelnden Gesichter, die wir auf unseren Reisen treffen. In Afrika tickt einfach die Zeit ganz anders als hier in Europa. Und selbst, als wir im Sudan als angebliche 'CIA-Spione' verhaftet oder in Mosambik von Rebellen mit Kalaschnikows umzingelt wurden, hat dies unserer 'Liebe zu Afrika' nie einen Abbruch getan."

Männersache: Wieso habt ihr euch für einen VW T3 Syncro als Unterkunft und Fortbewegungsmittel entschieden?

René Bauer: "Auf unserer ersten Reise quer durch Afrika fuhren wir einen alten Nissan Patrol, für uns gehört einfach ein ordentlicher 4x4 zu Afrika. Der kommt ganz gut mit schlechten Schotterpisten, Schlamm, Sand und Flussquerungen klar. Der T3 kam 2015 in unser Leben, wir hatten uns irgendwie gefunden. Ein paar Freunde von uns wollten mit uns auf Reisen in Afrika gehen und wir suchten nach einem Minibus, der auch einen Allradantrieb hat. In diesem Segment gibt es nicht so viel Auswahl.

Mein Auge fiel auf einen T3 ... und was für ein Stück deutscher Ingenieurskunst ein T3 doch ist - er sieht aus wie ein Schuhkarton, er fährt wie ein Schuhkarton, wenn etwas repariert werden muss, dann braucht man theoretisch zehn ausgekugelte Finger, um an die ganzen Schrauben und Muttern zu kommen, die in den Untiefen des Vans versteckt sind - und das Ganze erfunden und designt von einem zwielichtigen, verrückten Designer, der wahrscheinlich auf Steroiden und Kokain war.

Und trotzdem ist er eine Ikone der Autowelt, trotzdem zieht sein kantiges Design magisch an, trotzdem ist er aus dem Stoff gemacht, der einen träumen lässt und trotzdem hat er es geschafft, einer ziemlich großen, internationalen Gruppe von Autoliebhabern (meist Männern) sämtliche Gehälter aus der Tasche zu ziehen. Mich würde einmal interessieren, wie hoch die Scheidungsrate bei den Eheleuten ist, die einen T3 besitzen.

Was mich aber noch mehr verwundert, ist der Fakt, dass der T3 wie eine Frauenhandtasche ist! Genau das gleiche Prinzip. Er ist von innen größer als von außen. Ihr könnt euch ja sicherlich vorstellen, wie das mit einer Handtasche so läuft: Unscheinbar von außen, wenn man sie einmal aufmacht, dann findet man komplette, neue Sonnensysteme in ihr. Das ist für uns und unsere Passagiere ganz brauchbar und angenehm. Da muss ich den Designer (und Schrägstrich "Quantenphysiker") nun wieder loben."

Fotogalerie: Bilder von René Bauers Reisen mit dem VW T3 Syncro

René Bauer und Andrea Kaucka
(1/10) René Bauer
René Bauer und Andrea Kaucka
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René Bauer im VW T3 Syncro
(3/10) René Bauer
Der VW T3 Syncro von René Bauer und Andrea Kaucka
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Der VW T3 Syncro von René Bauer und Andrea Kaucka
(5/10) René Bauer
Der VW T3 Syncro von René Bauer und Andrea Kaucka
(6/10) René Bauer
René Bauer unter seinem VW T3 Syncro
(7/10) René Bauer
René Bauer im VW T3 Syncro
(8/10) René Bauer
René Bauer an seinem VW T3 Syncro
(9/10) René Bauer
Der VW T3 Syncro von René Bauer und Andrea Kaucka
(10/10) René Bauer

Fluch & Segen des "Abenteuer Syncro"

Männersache: Welches war der Moment, der dazu führte, dass ihr den Wagen "Mistvieh" getauft habt?

René Bauer: "Da muss ich schmunzeln. Es gab da so einige Momente und Situationen, die mich davon überzeugten, dass dieser T3 ein Eigenleben führt und wahrscheinlich manche Sachen auch voll absichtlich macht. Ihr, die alte Autos fahrt, kennt das sicher - ich rede von einer 'Hassliebe'.

Manchmal geht das Herz richtig auf, wenn man den Wagen so stehen sieht, dann wieder möchte man ihn am liebsten mit Benzin übergießen und anzünden. Stellt euch einfach vor, man fährt so ruhig und gemütlich vor sich hin, dann gibt es irgendwo einen Knall und schon steckt man in der Misere. Oder man fährt einen Berg hinunter und stellt mit großen Augen fest, dass die Bremsen versagen.

Einer der Schlüsselmomente war u. a. eine Flussquerung in Simbabwe, wo wir mitten im Nationalpark in einem Fluss stecken blieben und ich auf die harte Tour herausfand, dass der Allradantrieb nicht funktionierte. Das Ende vom Lied? Wir mussten den Anhänger, den wir dabei hatten, im Fluss parken und uns mit Ach und Krach im Sonnenuntergang an Land ziehen.

In jeder dieser Situationen bekommt der T3 einen Tritt in den Reifen und wird wüst beschimpft. Naja, und irgendwann blieb das Wort 'Mistvieh' hängen."

Männersache: Welches war der schönste Moment mit dem T3 Syncro?

René Bauer: "In den letzten 14 Jahren haben wir so viele atemberaubende und schöne Momente erlebt, da muss ich wirklich in mich gehen und mich erinnern. Es gibt im Grunde genommen nicht nur einen einzigen, 'schönsten' Moment, sondern eher eine Reihe von fantastischen Erlebnissen mit dem T3.

Stellt euch vor, ihr braust mit dem Wagen durch die weißen, unendlichen Salzpfannen in Botswana, das Fenster offen, der Wind zerzauselt die Haare - das ist Freiheit pur. Oder ihr sitzt in einem trockenen Flussbett irgendwo im Norden Namibias, auf der Suche nach Wüstenelefanten. Die kommen dann aus dem Busch und auf einmal schaukelt der Bus, weil sich einer von denen am Ersatzreifen hinten kratzt.

Ein weiterer Moment wäre auch, als wir uns in Sambia durch den Lower Zambezi Nationalpark mit Bus und Hänger durch die zerrütteten Bergpässe bis zu einem anderen Parkeingang durchquälten und uns dort die Ranger anschauten, als wären wir Außerirdische: Angeblich wäre dort noch NIE jemand mit einem Minibus herausgefahren und überhaupt wäre der Weg doch gar nicht für Autos geöffnet. Solche Momente sind die, in denen man das Leben so richtig genießt und schätzt.

Ich muss aber auch dazusagen, dass es uns Spaß macht, Probleme zu lösen. Wenn das 'Mistvieh' wieder einmal irgendwo störrisch seinen Dienst versagt, dann müssen wir anfangen und einen Plan machen, wie wir weiterkommen, wie wir uns wieder einmal aus dem Schlamassel befreien. Das gibt mir Energie, so komisch es klingt, und wenn wir es schaffen, dann ein stolzes Gefühl des Erfolgs. Das gehört alles zum 'Abenteuer Syncro'."

Raus aus der Komfortzone!

Männersache: Was möchtest du deinen Lesern mit dem Buch auf den Weg geben?

René Bauer: "Das Buch hat den ursprünglichen Titel 'Ein T3 auf Abwegen', allerdings habe ich an der zweiten Edition gearbeitet und fand dieses besser: 'Unaufhaltsam - Lektionen eines Mistviehs'. Und darum geht es mir, auch für die Leser: um die Lektionen.

Das wahre Leben spielt sich da ab, wo man die eigene Komfortzone verlässt und sich ins Abenteuer stürzt. Dazu braucht man Mut, Motivation und einen festen Glauben, dass man alles meistern kann. Ich bin kein Mechaniker, bis zu unserem ersten Afrikatrip wusste ich von Autos rein gar nichts und hatte mehr oder weniger zwei linke Hände.

Wir lernten beide viel auf unseren Reisen, gerade, wenn es darum geht, zu improvisieren und den Kopf nie in den Sand zu stecken. Ich erzähle in meinem Buch von den vielen Problemen, die wir mit diesem Fahrzeug hatten, aber es sollte eher eine Motivation sein: Es geht immer weiter, man sollte aktiv sein und sein eigenes Schicksal in die Hand nehmen. Niemand lebt unser Leben für uns, wir leben es selbst und sind für unsere Taten und unser Handeln verantwortlich.

Andrea und ich wollten nie ein normales 'Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr'-Leben führen, sondern immer unseren eigenen Wünschen, Träumen und Zielen nachgehen. Das haben wir bisher knallhart durchgezogen. Es war oftmals alles andere als leicht, aber wir haben es uns ja selbst ausgesucht. Und wenn man etwas richtig will und sich wünscht, dann bekommt man es auch. Das ist eigentlich der Grundtenor des Buches, gepaart mit etwas Ironie, manchmal Sarkasmus und unseren spannenden Abenteuern irgendwo in Afrika.

Was ich ebenfalls den Lesern mit auf den Weg geben möchte, ist, dass der T3 ein tolles Auto ist, eine Ikone der Autowelt, und selbst wenn ich ihn als etwas störrisch darstelle, so ist es doch ein Auto, das mir sehr ans Herz gewachsen ist und das ich für seine Eigenschaften, gerade in unserem 'afrikanischen Metier', sehr, sehr schätzen gelernt habe. Er ist ein Fass ohne Boden, eben ein 'Mistvieh', aber ich habe von diesem Bus viel gelernt."

Männersache: Plant ihr einen besonderen Abschied, sollte der Wagen irgendwann mal seinen Geist aufgeben?

René Bauer: "Was meinst du '... sollte der Wagen irgendwann mal seinen Geist aufgeben'? Das kann ich mir nicht vorstellen. Da müsste schon ein großer Unfall kommen oder ich schubse ihn irgendwann wirklich mal über eine Klippe und fertig, wenn er mich wieder ärgert. :)

Ich glaube, ich würde Tränen vergießen, aber mehr denke ich über einen Abschied nicht nach, denn ich plane keinen Abschied! Mit dem Nissan Patrol ist es genauso - nach 14 Jahren steht der immer noch in Afrika (derzeit in Sambia). Wir wollten ihn verkaufen, aber es ging nicht. Nostalgie und unsere gemeinsam erlebten Abenteuer lassen das einfach nicht zu. Ich weiß, Autos sind nur materielle Gegenstände, und doch haben sie für mich irgendwo eine Seele, einen Charakter."

Männersache: Wo kann man eure Abenteuer mitverfolgen?

René Bauer: "Da gibt es mehrere Wege. Zum einen könntet ihr live dabei sein und mitkommen, denn inzwischen nehmen wir auch Leute im T3 mit auf Touren. Wir haben uns da eine günstige Möglichkeit überlegt, die findet ihr auf enjoyafricatravel.com, zum anderen haben wir mehrere Kanäle auch in den sozialen Netzwerken bei Facebook und Instagram.

Andrea und ich schreiben regelmäßig Artikel in deutschen, tschechischen und englischen Zeitschriften und wenn sich das mit der Corona-Pandemie wieder beruhigt, dann gehen auch für uns wieder die Diavorträge (Multivisionsshows) los. Das E-Buch 'Unaufhaltsam - Lektionen eines Mistviehs' gibt es auf Amazon* oder anderen deutschen E-Buchanbietern, die Druckausgabe gibt es entweder bei mir direkt mit Widmung oder aber auch in verschiedenen deutschen Buchläden."

Männersache: Vielen Dank für das Interview!

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