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Film-Update

Zoë Bell: Die härteste Frau der Welt

In unzähligen Filmen doubelte sie die größten Stars von Hollywood Welt der Wunder erklärt, was es bedeutet, die erfolgreichste Stunt-Frau aller Zeiten zu sein.

Zoë Bell
Zoë Bell - Hollywoods härteste Stuntfrau Foto: Getty Images / Jonathan Leibson

Ein Gebot sichert das Überleben

Eine Frau stürzt sich von einer Mauer im 23. Stock 60 Meter in die Tiefe – zwar gesichert, aber mit extrem hoher Geschwindigkeit. Dabei soll sie sich mehrfach spektakulär überschlagen – und rechtzeitig fertig sein, ehe ihr Körper knapp über dem Boden gebremst wird.

Keine andere Stunt-Frau schafft den spektakulären Sturz schneller als die ehemalige Bodenturnerin Zoë Bell: Mit perfekten Salti beschleunigt die Neuseeländerin binnen Zehntelsekunden auf 120 km/h. "Das Training für diese Art von Stunts ist genau dasselbe wie das Training für einen Boxkampf", erklärt sie.

"Man muss fünf Kilometer am Tag laufen und am Schluss mit Sprüngen seine Sprungkraft trainieren. Du brauchst gute, straffe Muskeln, darfst aber nicht zu viel Muskelfleisch entwickeln, weil Muskeln sehr zäh, hart und fest werden und dann leicht reißen."

Das oberste Gebot aber ist Konzentration: "Lass den Job niemals zur Routine werden, sonst bist du tot, ehe du bis eins zählen kannst."

1300 Prozent mehr Adrenalin

Ein 1970er Dodge Challenger rast mit 135 km/h über kalifornische Feldwege, wird permanent gerammt von einem anderen Wagen. Auf der Kühlerhaube liegt Zoë Bell, die sich an ihren wild schlingernden Untersatz klammert – alles ohne Tricks und doppelten Boden.

Unmittelbar nach dieser Szene für Quentin Tarantinos Film "Death Proof" messen Ärzte bei ihr eine Steigerung des Stresshormons Adrenalin von über 1300 Prozent. "Bei einem untrainierten Menschen würde das direkt zu einem tödlichen Schock führen", erklärt der amerikanische Stressforscher Bill McCubbin.

Aber dank eines antrainierten niedrigen Ruhepulses geben ihr selbst solche Stunts nur einen zusätzlichen Kick, statt sie ins Jenseits zu befördern. Und dennoch: Kaum etwas ist riskanter als Auto-Stunts.

Ob Frontalaufprall, Überschlag oder 360-Grad-Drehmanöver – die Verletzungsliste der Profis bei solchen Manövern reicht vom Lungenriss bis zum Exitus.

Ein Atemzug trennt sie vom Jenseits

Immer wieder wird Zoë Bell als lebende Fackel in Szene gesetzt – einer der härtesten und gefährlichsten Jobs der Branche.

Die Brennpaste wird auf ihrem Körper verteilt und angesteckt. Als 500 Grad heißes Flammenmeer fliegt sie dann meterweit durch die Luft oder stürzt durch Fensterscheiben aus dem dritten Stock – geschützt nur durch spezielle Unterwäsche und kühlendes Water-Gel im Gesicht.

Sie weiß: Jetzt auf keinen Fall atmen! Ein Moment der Unachtsamkeit, ein unbedachter Atemzug, und die Flammen verbrennen ihr die Atemwege – ein qualvoller Tod. 500 Grad, nur wenige Millimeter von ihrer Haut entfernt. Angst?

"Klar hab’ ich Angst. Wenn du die nicht mehr verspürst, solltest du den Job an den Nagel hängen. Angst zeigt, dass deine Überlebensinstinkte noch funktionieren. Du musst dir der Gefahren bewusst sein, um sie zu bewältigen."

Eine besondere Intelligenz

Bei Dreharbeiten in China gibt der Boden unter ihren Füßen unmittelbar über einem Abgrund plötzlich nach. Sie stürzt mehrere Meter rückwärts in die Tiefe. Normalerweise führt solch ein Sturz zum Bruch der Wirbelsäule, direkt in den Rollstuhl oder in den Tod.

Aber Zoë schafft geistesgegenwärtig einen glatten Überschlag und landet auf den Beinen. Seitdem hat sie in der Branche den Spitznamen "die Katze".

"Diese Frau überlebt Stürze, bei denen andere sich sämtliche Knochen brechen würden", schwärmt Regisseur Quentin Tarantino. Ihr Geheimnis ist tägliches Training.

"Wenn der Knochen belastet wird, aktiviert das jene Zellen, die Knochensubstanz auf- und umbauen", erklärt der Sportmediziner Martin Halle von der TU München. Folge: Die Knochen werden robuster.

Das Training ermöglicht Zoë Bell außerdem, in Extremsituationen genau jene Muskeln anzuspannen, die den Knochen vor Verletzungen schützen.

"Sie hat sich eine Muskelintelligenz angeeignet, die jede Faser ihres Körpers gezielt steuert und Stürze abschwächt", erklärt der US-Muskelexperte John Berardi.

Wenn Zoë selbst an 16-Stunden-Drehtagen noch trainiert, programmiert sie ihre Knochen gewissermaßen dauerhaft auf "unkaputtbar". Jedenfalls fast immer …

Mehrere Rippenbrüche, 0 Alternativen

Zoë Bell ist eine von sehr wenigen Frauen im Stunt-Geschäft. Kein Wunder – der Job ist für Frauen auch ungleich gefährlicher als für Männer.

Der schlimmste Stunt? Da muss die Stunt-Frau nicht lang überlegen: "Action-Szenen nur mit einem Bikini bekleidet doubeln." Während Männer häufig eine Ganzkörper-Schutzausrüstung tragen, müssen Stunt-Frauen fast immer auf sämtliche Schutzprotektoren verzichten.

Denn in Actionfilmen ist meist viel nackte Haut gefragt – ein ständiger Tanz mit dem Tod. Einmal muss sie – leicht bekleidet – rückwärts springen, als würde sie von einer Druckwelle zurückgeschleudert.

Sie kommt falsch auf, reißt sich die Bänder am Handgelenk und bricht sich mehrere Rippen. Röntgenbilder zeigen, dass die Rippen sowohl die Lunge als auch das Herz und die Hauptschlagader (Aorta) nur knapp verfehlt haben.

"Das war hauchdünn", sagt Zoë Bell. Aber deshalb aufhören? "Auf keinen Fall. Stunt-Leute verletzen sich ständig, die meisten viel häufiger als ich. Eine Alternative zum besten Job der Welt gibt es für mich nicht."