wird geladen...
News-Update

Wegen Corona: Kiezkneipe seit 70 Jahren zum ersten Mal dicht

Das Coronavirus bricht mit altehrwürdigen Traditionen. Zum ersten Mal überhaupt seit 70 Jahren muss eine Hamburger Kultkneipe dichtmachen.

Der Elbschlosskeller auf St. Pauli
Der Elbschlosskeller auf St. Pauli imago images / Jürgen Ritter

Immer auf. Nie zu. Bis jetzt

Die Hamburger sind erschüttert, der Kiez ist fassungslos. Zum ersten Mal seit 70 Jahren muss die Kultkneipe Elbschlosskeller zusperren – das gab’s noch nie.

Auch weil die Kneipe ein beliebter Anlaufpunkt für Menschen ist, die, vorsichtig gesagt, nicht unbedingt den geradesten aller Lebensläufe aufweisen, war der Elbschlosskeller in den vergangenen 70 Jahren immer auf. Immer! 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Kein Schlüssel fürs Schloss

Das ist kein leeres Gerede, was man schon daran sieht, dass Wirt Daniel Schmidt (34) erst beim Abschließen auffällt, dass er gar keinen Schlüssel für die Tür besitzt. Der war die letzten Jahrzehnte einfach nicht notwendig.

So musste Schmidt nun aber schweren Herzens einen Schlosser kommen lassen, der ihm einen nietnagelneuen Schließzylinder einbaute. Vorher hat er noch die Zapfanlage abmontiert – alles Arbeitsschritte, die er noch vor kurzem niemals für möglich gehalten hätte.

Schmidt ist Wirt mit Leib und Seele und hat einen ganz besonderen Bezug zum Elbschlosskeller:

„Ich wurde hier drin gezeugt, habe meinen Sohn hier drin gezeugt, habe also eigentlich mein ganzes Leben hier verbracht...“
Daniel Schmidt

Finanzielle Auswirkungen enorm

Aber jetzt sieht auch er einer ungewissen Zukunft entgegen. Die Auflage der Stadt Hamburg lautet, ab sofort und bis mindestens zum 30. April die Pforten dichtzumachen, eine Tatsache, die selbst der krawallige G20-Gipfel 2017 nicht zu schaffen vermochte.

Wie er diese Zeit der maximalen Unsicherheit überstehen wird, weiß Schmidt noch nicht. Was er dagegen genau kennt, ist die Höhe seiner monatlichen Fixkosten. Zusammen mit zwei weiteren Kneipen belaufen sich die Betriebskosten inklusive Miete und Personalkosten für alle Kneipen zusammen auf stattliche 10.000 Euro.

Bund und Kommune sind gefragt

Ein Überleben wird ohne Hilfe von Bund und der Kommune Hamburg wohl nahezu aussichtslos sein. Dabei denkt Schmidt aber auch an seine Gäste, die "gescheiterten Existenzen", wie er sie nennt, die ihm ans Herz gewachsen sind, und von denen er jetzt nicht weiß, wo sie unterkommen werden.

Auch solche Geschichten schreibt Corona.

var premium1Fallback = mobile_premium1Fallback = '
';var premium2Fallback = mobile_premium2Fallback = '
';var premium3Fallback = mobile_premium3Fallback = '
';
var basic1Fallback = mobile_basic1Fallback = '
';var basic2Fallback = mobile_basic2Fallback = '
';var basic3Fallback = mobile_basic3Fallback = '
';