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Welt der Wunder

Was wäre, wenn Hitler gewonnen hätte?

Wie sähe die Welt aus und wie würden wir alle heute leben, wenn Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte? Mehr als 86 Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wagt wdw zusammen mit renommierten Historikern ein erschreckendes kontrafaktisches Geschichtsexperiment …

Was wäre, wenn Hitler gewonnen hätte?
Was wäre, wenn Hitler gewonnen hätte? Getty Images / Topical Press Agency

Auf den Spuren des "Arischen Pilgerwegs"

Der "Arische Pilgerweg" zu Hitlers Sarkophag führt mitten durch den Münchner Theodorspark. Es ist das Jahr 2019, und wir befinden uns auf den berühmtesten zwei Kilometern des Großgermanischen Reiches. Bedächtig setzen wir unsere Füße auf die dunklen Granitplatten, von denen hier mit deutscher Präzision mehr als 200 000 verlegt wurden. Begrenzt wird der 50 Meter breite Pracht-Boulevard von niemals erlöschenden Fackeln, haushohen Hitler-Eichen und 900 Heldenstatuen von deutschen Märtyrern, die im Großen Krieg ihr Leben gelassen haben.

Nach etwa 20 Minuten erreichen wir die 240 Meter lange und 120 Meter breite "Halle der Partei", an deren Ende – nur über eine mit vergoldeten Runen verzierte, fünfsäulige Steinbrücke erreichbar – das von einer schlichten Kuppel bedeckte Grabmal des Führers liegt. Schon 1948, wenige Wochen nach Hitlers Tod, wurde das fünf Jahre zuvor von Hermann Giesler gebaute Parteigebäude in ein Museum zu Ehren des Führers umgewandelt. Innerhalb der im Stil eines großen Tonnen-Gewölbes gebauten Halle setzt sich der gehauene Pilgerweg fort.

Wir schreiten vorbei an kostbaren Exponaten – der 1945 in Ägypten gefundenen Bundeslade oder dem angeblich von Heinrich Himmler persönlich in Spanien aufgespürten Heiligen Gral. Wir erreichen das Ende der Gewölbehalle und betreten über die Brücke das Mausoleum. Entgegen der quadratischen Außenform ist der Innenraum rund und auf Wunsch des Führers kleiner als sein Vorbild in Rom: das Pantheon. Über uns, im Zentrum der Kuppel, öffnet sich ein großer Lichteinlass, durch den Sonnenstrahlen fallen – und den schlichten Sarkophag aus feinem Marmor in der Mitte des Raumes in ein gleißendes Weiß tauchen.

Wir nähern uns noch einige Schritte, dann endet der simulierte Rundgang abrupt. Direkt im Anschluss an die täglich gesendeten Völkischen Kulturempfehlungen verbindet sich die "Elektronische Bilder-Tafel" (EBT) über das seit einigen Jahren auch an öffentlichen Orten frei zugängliche "Volks-Netz" mit der "Deutschen Reichsuhr" – und schreibt 50 "Odinspunkte" gut. Jeder Punkt mehr auf dem eigenen Konto hilft, um im Volksstatus aufzusteigen und beispielsweise bessere Chancen auf eine Beförderung oder günstigere Kredite zu erhalten …

Gibt es eine andere Geschichte?

Ist das, was wir gerade gelesen haben, nichts als reine Spekulation? Tatsächlich ist diese Szene Teil einer wissenschaftlichen Geschichtsbetrachtung. "Kontrafaktisch" nennen Historiker diese Form der Forschung – "entgegen den Tatsachen". Denn um Entscheidungen in der Geschichte beurteilen zu können, müssen die Forscher auch immer die Konsequenzen berücksichtigen, die sich NICHT ergeben haben. Hier zeigt sich die Problematik dieser Forschung, denn sie eröffnet Hunderte Möglichkeiten, wie die Geschichte hätte verlaufen können – und es werden immer mehr, je weiter man sich vom Ursprung entfernt.

Daher haben Historiker klare Regeln aufgestellt: Jedes mögliche Szenario muss mit Quellen belegt werden. Und die Nazis haben aus ihren Plänen kein Geheimnis gemacht – Hitler hat in seinem Manifest "Mein Kampf" seine Visionen klar beschrieben. Zahlreiche Dokumente verschiedener Nazi-Behörden legen dar, wie sie die neue Welt formen wollten. Und auch die Verhörprotokolle der Nürnberger Prozesse geben Informationen. Gemeinsam mit Experten skizziert "Welt der Wunder" also nicht ein mögliches Szenario, sondern das nach Quellenlage wahrscheinlichste.

Wichtig ist: Jede kontrafaktische Geschichtsschreibung braucht Wendepunkte, an denen die Geschichte ihren Lauf ändert und die Menschheit am Scheideweg steht. Der eine Weg führt zur uns bekannten Geschichte mit Millionen Kriegstoten und ermordeten Zivilisten. Der andere Weg aber ist womöglich noch viel schlimmer …

Wendepunkt 1: Wie Hitler die USA eroberte, ohne einen Schuss abzugeben

Sommer 1936: Es ist die wohl tragischste Fehlentscheidung der jüngeren Weltgeschichte – der US-Militärattaché in Berlin bittet Charles Lindbergh, den weltbekannten Piloten und ersten Menschen, der den Atlantik allein überflogen hat, nach Berlin zu kommen. Der Flugpionier soll sich mit dem ehemaligen Fliegerass und Reichskommissar für den Luftverkehr, Hermann Göring, anfreunden, um an Koordinaten von Militärflughäfen und Informationen über Rüstungsvorhaben der deutschen Luftwaffe zu kommen. Doch statt die Nazis auszuspionieren, entwickelt Lindbergh schnell Sympathien für seine Gastgeber. Er ist "imponiert vom Geist in Deutschland", Hitler bezeichnet er als gescheiten Mann mit "Persönlichkeit und Weitblick". Während eines Herrenabends, bei dem Lindbergh den Flugzeugbauer Willy E. Messerschmitt kennenlernt, überreicht ihm Göring auf "Befehl des Führers" sogar den "Deutschen Adlerorden mit Stern".

Nachdem Lindbergh im April 1939 in die USA zurückkehrt, beginnt er öffentlich für eine pro-deutsche Sicht zu werben. Zwei Wochen nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hält er am 15. September 1939 eine wegweisende Rede, die von allen großen Radionetzen landesweit ausgestrahlt wird – und in der er Präsident Roosevelt vorwirft, die USA in einen Krieg gegen Deutschland zu treiben. Kurz darauf gründet Lindbergh zusammen mit dem schwerreichen Autohersteller und Hitlersympathisanten Henry Ford das "America First Committee" (AFC). Mithilfe einer millionenschweren "Friedens-Kampagne" treibt die nationalistische Organisation die Regierung vor sich her – und verhindert so die militärische Einmischung in den Zweiten Weltkrieg, die materielle und finanzielle Unterstützung der Alliierten in Europa sowie die Aufrüstung des US-Militärs.

Ende 1939 unterstützt die große Mehrheit der US-Bürger die isolationistische Position des "America First Committee" – und Lindbergh geht als Präsidentschaftskandidat der Republikaner für die Wahl im September 1940 ins Rennen. Lindbergh, der vor allem um die Stimmen der einfachen weißen Wähler wirbt und dabei vor einem „Deep-State“ warnt, der sich aus der jüdischen Politik- und Wirtschaftselite des Landes zusammensetzt, prägt mit Blick auf den Vorwurf, er habe Verbindungen zum Nazi-Regime in Deutschland, den Begriff der "Fake-News". Lindbergh wirbt mit dem Slogan "Vote for Lindbergh or vote for war" ("Wählt Lindbergh oder wählt den Krieg“) – und ist damit extrem erfolgreich. Flankiert von einer rassistischen Kampagne gegen die einsetzende Gleichberechtigungsbewegung von Afroamerikanern, gewinnt er die Wahl und wird 33. Präsident der USA. Am 17. November 1940 unterschreiben US-Präsident Charles Lindbergh und der Deutsche Botschafter in den USA einen Nichtangriffspakt.

Wendepunkt 2: Der erste Schritt zur Weltmacht

Europas Schicksal entscheidet sich am 24. Mai 1940 in der kleinen französischen Hafenstadt Dünkirchen. Die alliierten Truppen sind eingekesselt. Die deutschen Panzertruppen rücken immer weiter vor, die Luftwaffe lässt einen Bombenregen auf Briten, Franzosen und Belgier niederprasseln. Durch den schnellen Vormarsch der Wehrmacht bleibt den Alliierten keine Zeit, eine Verteidigungslinie aufzubauen. Der britische Premierminister Winston Churchill befiehlt die Evakuierung der British Expeditionary Force – doch es ist zu spät: Der Hafen ist längst in deutscher Hand.

Von den 1,2 Millionen eingekesselten alliierten Soldaten kommen rund 200 000 ums Leben, der Rest gerät in Kriegsgefangenschaft. Hitler persönlich verfügt, dass die britischen Soldaten gut behandelt werden. Gleichzeitig lässt er sie im Sinne seiner völkischen Ideologie indoktrinieren, um sie später als Botschafter einer deutsch-britischen Verständigung zurück nach England zu schicken. Dünkirchen markiert für die Nazis den Wendepunkt im Kampf um Europa. Frankreich kapituliert am 22. Juni 1940, und Großbritannien nimmt Hitlers Friedensangebot am 19. Juli an, nachdem das Parlament Churchill abgesetzt hat. Nun wendet sich Hitler dem Osten zu.

Wendepunkt 3: Der Zug nach Osten

Wie geplant, kann Hitler im Mai 1941 der Angriff auf die Sowjetunion beginnen. Die Wehrmacht kommt schnell voran. Im August steht sie vor Moskau, doch der russische Diktator Josef Stalin denkt nicht an Kapitulation. Weiter im Osten hat er neue Rüstungsindustrien errichten lassen – unerreichbar für deutsche Bomber. Aber Hitler hat noch einen Trumpf, den er jetzt ausspielt. Japan, das 1939 in der "Schlacht am Chalchin Gol" gegen die Rote Armee seine 6. Armee und damit den Anspruch auf die Mandschurei verloren hatte, unterzeichnete zwar noch am 13. April 1941 den "Japanisch-Sowjetischen Neutralitätspakt" – trat aber gleichzeitig in Geheimverhandlungen mit dem über den "Dreimächtepakt" verbündeten Nazi-Deutschland.

Dabei konnte Hitler Kaiser Hirohito von einem geplanten Angriff auf die USA abbringen – und Japan von einer Invasion Russlands überzeugen. Stalin, der nach dem Pakt mit Japan große Teile seiner Fernostarmee an die Westfront verlegt hat, um den Vormarsch der Wehrmacht zu stoppen, hat den japanischen Verbänden nichts entgegenzusetzen. Die Sowjetunion sieht sich nun im eigenen Land einem Zweifrontenkrieg gegenüber – und ist daher bereits im September 1941 gezwungen zu kapitulieren.

Gut ein Jahr später wird Stalin in einem Erdloch bei Jekaterinburg entdeckt und hingerichtet. Damit endet faktisch der deutsch-sowjetische Krieg, das gewaltige Reich wird zwischen Deutschland und Japan aufgeteilt. Für Hitlers Traum vom Lebensraum Ost werden weite Landstriche entvölkert – Millionen Ukrainer, Weißrussen, Polen und Russen werden ermordet. Nachdem Hitler schon vor dem Krieg angekündigt hatte, dass "die Krim von allen Fremden geräumt und deutsch besiedelt werden muss", beginnt im Frühjahr die Operation "Dori" – die Ansiedlung von Südtirolern auf der Krim. "Das Ziel im Osten war die Etablierung eines deutschen Herrenvolks und versklavter 'Untermenschen'", so der Historiker Götz Aly.

Wendepunkt 4: Das Germanische Kolonialreich Zentralafrika

In den folgenden zwei Jahren bringen die Nazis große Teile Asiens unter ihre Kontrolle. Aber auch Europa wird neu geordnet: Die Schweiz wird erobert und aufgeteilt – die deutschsprachigen Kantone werden dem "Dritten Reich" einverleibt. Anschließend unterwirft Hitler Spanien; Portugals Kapitulation erfolgt fast zeitgleich. Noch ehe die UdSSR vollständig bezwungen ist, nehmen die Nazis den afrikanischen Kontinent ins Visier.

Im Herbst 1942 stoßen sie dort auf keinen nennenswerten Widerstand. Während Nord- und Westafrika Italien zugesprochen werden, setzen die Nationalsozialisten in Zentral- und Südafrika weiße, faschistische Regierungen ein – und formen das sogenannte "Germanische Kolonialreich Zentralafrika". Die in den deutschen Kolonialzonen lebenden Afrikaner werden durch das 1944 verabschiedete "Deutsche Kolonialgesetz" entrechtet und müssen unter sklavenartigen Bedingungen Arbeitsdienste verrichten. Schon 1946 verschärft sich die Situation, als die Kolonien durch das "Gesetz zur Sicherung Kolonialer Ressourcen" faktisch zu einem riesigen, weißen Fleck auf der Weltkarte erklärt werden. Der Grund: Selbst für deutsche Vollbürger ist das Betreten der Kolonien mit dem neuen Gesetz ohne Genehmigung strengstens untersagt.

Tatsächlich gelangen vor dem Hintergrund einer strengen Nachrichtensperre nur selten Informationen vom afrikanischen Kontinent nach Europa. Die meisten Europäer wissen nur, dass viele ihrer Lebensmittel und Ressourcen von dort stammen. Über Gerüchte von furchtbaren Gräueltaten, Vernichtungs- und Arbeitslagern sowie Millionen Hungertoten spricht man nur hinter vorgehaltener Hand. Zudem gehört die Deportation nach Afrika zu den gefürchtetsten gerichtlichen Strafen, die ausschließlich bei "Tatbeständen gegen das deutsche Volkswohl" ausgesprochen werden.

Wendepunkt 5: Das neue Europa

Nachdem die USA und die Sowjetunion ausgeschaltet wurden, muss nur noch ein funktionierendes Herrschaftssystem etabliert werden, um alle eroberten Nationen dauerhaft kontrollieren zu können. Hitler will aufräumen mit dem "Kleinstaatengerümpel", daher werden einige Länder dem Großgermanischen Reich einverleibt – darunter Belgien, die Niederlande, Dänemark, Norwegen sowie große Teile Schwedens. Mit den anderen Ländern schließen die Nazis eine europäische Wirtschaftsgemeinschaft aus formell alliierten, aber nicht gleichberechtigten Satellitenstaaten: Die Vereinigung Europäischer Vaterländer (VEV) wird gegründet und als Rahmenorganisation für Wohlstand und Sicherheit etabliert, ihr Sitz ist in Brüssel.

Nach Kriegsende werden in sämtlichen Mitgliedsstaaten rechtsnationale Marionettenregierungen installiert, denen eine gewisse Teilsouveränität zugebilligt wird. Auch die südosteuropäischen Völker sollen halbautonom am Rande des Reichs leben, kontrolliert von der "Reichsfestung Belgrad" – so verhindern die Nazis, alle Länder besetzen zu müssen. Die jeweilige Währung der Satellitenstaaten wird an die Reichsmark gekoppelt, alle internationalen Finanztransfers laufen über Germania, das frühere Berlin. Damit stellen die Nazis sicher, dass immer genügend Gelder ins Reich fließen.

Der auch als "Völker-Thing" bekannte Zusammenschluss stößt schnell staatenübergreifend auf breite Zustimmung – auch weil die Nazis stets nur von Europa und nicht von einer deutschen Großraumwirtschaft sprechen. Ein weiterer Grund für die hohe Zufriedenheit: Der Bevölkerung geht es wirtschaftlich gut, es herrscht nicht nur ein hohes Maß an Sicherheit – durch das rigorose Durchgreifen der Gestapo ist die Kriminalitäsrate verschwindend gering – alle Bürger sind auch gut versorgt. Dass dieser Lebensstandard nur durch die Ausbeutung anderer "Untermenschenländer" oder die Enteignung "nichtarischer" Bürger, die nach und nach verschwinden, ermöglicht wird, stört kaum jemanden. Im Gegenteil: Die Nazis werden von der Mehrheit der Europäer als Befreier gesehen – auch weil sie den jeweiligen Ländern ihre kulturellen Eigenheiten zugestehen. Franzosen, Briten und Italiener werden gar dazu angehalten, nach ihren jeweiligen völkischen Bräuchen und Gepflogenheiten zu leben – einzige Bedingung: Das Blut muss rein gehalten werden. Schon 1933 sagt Hitler in einer Rede: "Die geistige Mentalität des vergangenen Jahrhunderts, aus der heraus man glaubte, vielleicht aus Franzosen Deutsche machen zu können, ist uns genauso fremd, wie wir uns gegen jeden umgekehrten Versuch wenden."

Der innere Zusammenhalt in den Ländern des VEV wird darüber hinaus dadurch gestärkt, dass von den Nazis konstant das Gefühl einer dauerhaften Bedrohung von außen geschürt wird. So hat das Großgermanische Reich bald nach Ende des Großen Krieges den "Kampf gegen den Terror" ausgerufen – neuer Hauptfeind ist eine Allianz aus Islamisten, Zionisten, Protestanten und Katholiken, die für das Recht freier Religionsausübung kämpft. Hintergrund: Hitler trug sich schon früh mit dem Gedanken, die Kirche abzuschaffen. "Statt des christlichen sollte ein nationalsozialistischer Katechismus religiöser Leitfaden werden und die Bibel ablösen", erklärt der Historiker Ralph Giordano.

Noch schlimmer trifft es die Anhänger des jüdischen Glaubens: Nicht nur, dass auch die letzten Überlebenden des Holocaust systematisch verfolgt und ermordet werden – durch den Sieg der Nazis gibt es auch keinen zionistischen Staat Israel, sondern einen palästinensischen mit dem Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, an der Spitze. Da auch Palästina für die Nazis nichts weiter als ein Vasall ist, an dessen Bodenschätzen man sich nach Belieben bedienen kann, regt sich auch hier bald Widerstand: Islamistische und zionistische Terrorzellen formieren sich, die an den Randgebieten des Großgermanischen Reiches immer wieder Anschläge verüben …

Wendepunkt 6: Zwischen den Jahren

Die SS ist in der Zwischenzeit zu einem gewaltigen Wirtschaftsimperium im Großgermanischen Reich aufgestiegen. Erst nach und nach erlaubt die NSDAP in den anderen Ländern die Gründung eigener Unternehmen. Als 1958 Geologen der "Kontinentalen Öl-Aktiengesellschaft" in der niederländischen Provinz Groningen zufällig eines der größten Erdgasfelder der Welt entdecken, führt das zum sogenannten "Bohr-Rausch". Innerhalb weniger Monate lassen die Nazis überall in Europa Bohrungen vornehmen – und stoßen dabei auf gigantische Ölvorkommen in der Nordsee. 60 Prozent der Reserven lagern unter den Gewässern Norwegens, das nach dem Anschluss zum Großgermanischen Reichs gehört. Ab den 1960er-Jahren kontrollieren die Nazis rund 90 Prozent der weltweiten Ölvorkommen – und damit den wichtigsten Rohstoff der Erde.

Mit den USA schließt das Großgermanische Reich nach dem Großen Krieg ein Wirtschaftsabkommen. Der im Jahr 1944 nach einer Gesetzesänderung auf Lebenszeit gewählte Präsident Charles Lindbergh erreicht durch diesen Schachzug, dass die Nazis die Teilsouveränität der USA respektieren. Anders als in Europa wird die jüdische Bevölkerung in den Vereinigten Staaten nicht ermordet, sondern zusammen mit den meisten Latinos und Afroamerikanern in den Süden deportiert, um dort unter miserablen Bedingungen Arbeitsdienste zu verrichten.

Gleichzeitig werden die Beziehungen mit Japan immer schlechter. Man spricht von einem "Kalten Krieg". Da aber beide Supermächte im Besitz von Atomwaffen sind, bleibt es beim Status quo – nicht zuletzt auch deshalb, weil mit den Jahren beide Nationen große wirtschaftliche Probleme bekommen. Die Sicherung der Einflussgebiete kostet jährlich Hunderte Milliarden Reichsmark. Es ist ein Teufelskreis: Je mehr die Nazis die anderen Ländern auspressen, desto höher werden die Besatzungskosten, um Aufstände zu verhindern …

Wendepunkt 7: 2019 - Das "Ende"

Trotz der wirtschaftlichen Probleme erlebt das Großgermanische Reich Jahrzehnte der Macht- und Friedenssicherung – auch weil die Nazis schon frühzeitig die Entwicklung moderner Überwachungstechnologien forcieren. Beispielhaft dafür steht die von Hollerith, der deutschen Tochterfirma des US-Giganten IBM, entwickelte Lochkartensortiertechnik. Mit diesem bahnbrechenden Speichermedium, das als Vorläufer der Computer gilt, gelingt es den Nazis in den 40er-Jahren die sich ständig verändernden Häftlingszahlen in den Konzentrationslagern zu überwachen und so den Holocaust zu organisieren.

Auch der Großteil der Bevölkerung lässt sich auf dieses System der totalen Kontrolle ein – und das bis weit ins Jahr 2019. Mittlerweile gibt es Gesichtsscans, Reichsuhren und Intelligente Volksheime, die jede Abweichung vom System beobachten, dokumentieren und sanktionieren, und dennoch sind die Bürger des Reichs bereit, ihre Bürger- und Freiheitsrechte aufzugeben – wenn sie im Gegenzug durch das Sammeln von Punkten die Chance erhalten, im Volksstatus aufzusteigen und Wohlstand zu erlangen.

Und dennoch: So wie es für Historiker außer Frage steht, dass im Falle eines Sieges der Nazis noch weitere Millionen Menschen ermordet und unterdrückt worden wären, so klar ist für sie auch, dass das "Dritte Reich" früher oder später zusammengebrochen wäre – sei es durch die sich verschlechternde Lage einer zentral gelenkten Wirtschaft, durch religiöse Bewegungen wie den Islamismus oder eine Generation junger, mutiger Menschen, die ohne Angst vor Repressionen auf die Straße geht, um gegen die schamlose Ausbeutung der Natur und die massive Freisetzung von CO2 durch die Industrie zu demonstrieren.

Laut einer aktuellen US-Studie reicht es, wenn eine Minderheit von 10 Prozent der Bevölkerung an eine Meinung glaubt und sie verbreitet, damit sich diese auch beim Rest der Gesellschaft durchsetzt und quasi ein Kartenhaus zum Einsturz bringt. So ergeht es letztlich auch den Nazis. Nachdem sie jahrzehntelang keine Kritik zugelassen haben, Studien unterdrückt und Wissenschaftler deportiert wurden, treffen die Naturkatastrophen infolge der Klimaerwärmung sie mit einer Wucht, auf die sie nicht vorbereitet sind. Im ganzen Reich brechen bald Unruhen aus, in allen großen Städten brennen Hakenkreuzflaggen. Die Säulen des nationalsozialistischen Großreichs bröckeln – sein Verfall ist nicht mehr aufzuhalten …

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