Seine Ursprünge Was ist Gin? Von Botanicals bis Braukunst

23.10.2017
Was ist Gin? Von Botanicals bis Braukunst
© istock / LUNAMARINA

Gin hat sich zum Trendgetränk entwickelt. Immer mehr Liebhaber entdecken die aromatische Spirituose für sich – und zwar nicht nur im Gin Tonic oder Martini. Aber was ist Gin eigentlich?

Gin ist so etwas wie der gute Wein unter den Spirituosen. Kenner schwärmen von den komplexen Aromen und dem ganz besonderen Charakter ihres Lieblingstropfens. Dafür sorgen die mehr als 100 Zutaten, die bei der Herstellung von Gin schnell zusammenkommen können. Kein Wunder also, dass es ähnlich wie beim Wein auch hier richtige Gin Tastings gibt, bei denen Interessierte viele verschiedene Sorten probieren können.

Neben dem typischen Geschmack von Wacholderbeeren und Koriander(samen) verleihen diverse andere Gewürze und Aromastoffe – die sogenannten "Botanicals" – dem Gin Geschmack. Je nach Marke können das Muskat, Ingwer oder Orangenschalen, aber auch Zimtrinde, Kakaobohnen oder Gurke sein. Manche Sorten kommen mit einer Handvoll Botanicals aus. Andere kombinieren gleich mehrere Dutzend Aromastoffe, um einen einzigartigen Geschmack zu erschaffen.

 

Was ist Gin? Das steckt drin

Welche Getränke sich "Gin" nennen dürfen, hat die Europäische Union in einer Verordnung klar definiert. Was ist Gin, wenn es um die Zutaten geht? Das hier:

  • Gin ist eine Spirituose mit Wacholdergeschmack, die durch Aromatisieren von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs mit Wacholderbeeren (Juniperus communis L.) gewonnen wird.
  • Der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5 % vol.
  • Bei der Herstellung dürfen nur natürliche und/oder naturidentische Aromastoffe und/oder Aromaextrakte verwendet werden, wobei der Wacholdergeschmack vorherrschend bleiben muss.

Mit dem wenig appetitlichen Ausdruck "Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs" (auch "Agraralkohol" genannt) ist übrigens hochprozentiger Alkohol gemeint, der aus landwirtschaftlich erzeugten Rohstoffen gebrannt wird. Beim Gin sind das meist Getreide oder Melasse. Agraralkohol bildet auch die Basis für viele andere Spirituosen. In Zukunft kannst du auf die Frage "was ist Gin" also eine ziemlich clevere Antwort geben.

Gin = Gin?

Mitnichten. Denn die Frage "was ist Gin" ist komplex. Unter dem Überbegriff wird zwischen verschiedenen Gin-Sorten unterschieden. Bei "normalem" Gin handelt es sich meist um destillierten (distilled) Gin. Dabei wird der Alkohol während der Destillation erhitzt und der Dampf über die Botanicals geleitet. Dabei lösen sich die feinen Aromastoffe und gehen in den Alkoholdampf über. Die Aromastoffe können auch vorab zu dem Alkohol gegeben und mit diesem destilliert werden (Mazeration). Wird den Essenzen oder Aromastoffen einfach Alkohol beigemischt, darf das Getränk nicht "destillierter Gin" genannt werden. Ein bekannter destillierter Gin ist etwa Hendrick's Gin.

London Gin ist quasi die Premiumversion des destillierten Gins. Einem Liter darf maximal 0,1 Gramm Zucker beigemischt werden. Hersteller greifen bei minderwertigeren Erzeugnissen nämlich gern auf Süßungsmittel zurück, um den Geschmack zu verbessern. Farbstoffe sind ebenfalls verboten. London Gin darf nur Alkohol, Pflanzenstoffe und Wasser enthalten. Die Bezeichnung London Gin kann durch den Begriff "dry" (trocken, also nicht süß) ergänzt werden.

Der bekannteste Vertreter des London Gins ist Gordon's Gin, der weltweit meistverkaufte Wacholderschnaps, der bereits seit 1769 in London hergestellt wird. Erst seit 1987 gibt es hingegen Bombay Sapphire mit der auffälligen hellblauen Flasche. Jenseits des Supermarkts warten jedoch die wirklich spannenden Gin-Erlebnisse. Viele kleine Destillerien haben sich mittlerweile auf die Trendspirituose spezialisiert. Der vielleicht bekannteste deutsche Gin ist Monkey 47, der auch als "Schwarzwald Dry Gin" bezeichnet wird. 47 bezieht sich auf die Zahl der verwendeten Botanicals.

 

Weitere Gin-Sorten

Im Gegensatz zu Champagner oder Parmaschinken ist London Gin keine geschützte Ursprungsbezeichnung. Er darf also überall auf der Welt produziert werden. Ganz anders beim Plymouth Gin. Der muss tatsächlich aus der südenglischen Hafenstadt stammen. Mittlerweile gibt es nur noch eine Destillerie, die den Plymouth Gin herstellt. Gin ist übrigens nicht zu verwechseln mit Sloe Gin. Dabei handelt es sich um einen Likör, der aus Schlehen gewonnen wird.

Der Wacholderschnaps wird normalerweise gleich nach der Herstellung abgefüllt und verkauft. Rerserve Gin hingegen wird bis zu mehrere Jahre lang in Eichenholzfässern gelagert, um dem Geschmack mehr Tiefe zu verleihen. Der niederländische beziehungsweise belgische Genever (auch "Jenever" genannt) gilt als Vorläufer und Namensgeber des Gins. "Genever" leitet sich vom französischen Wort für Wacholder ab. Old Tom Gin ist ein leicht gesüßter Gin.

 

Was ist Gin? So trinkst du ihn

Richtig guten Gin möchte man auch schmecken. Für den unverfälschten Genuss kannst du Gin gern auch mal pur nippen. Kenner empfehlen eine Trinktemperatur von etwa 15 Grad. Leicht gekühlt kommen die feinen Nuancen am besten zum Tragen. Eiswürfel sind für Experten tabu.

Der Klassiker in Sachen Longdrink ist natürlich weiterhin der Gin Tonic. Der ist mittlerweile oft aber meilenweit von den früheren Longdrinks entfernt, in denen der Gin in einem Meer aus Schweppes allenfalls eine weit entfernte Wacholdernote beigesteuert hat. Tonic Water, also eine chininhaltige Limonade, hat im Zuge der Gin-Renaissance ebenfalls an Komplexität gewonnen. Der Geschmack fällt sehr unterschiedlich aus, die Kombination mit dem genau passenden Gin ist eine Herausforderung, die Liebhaber und gute Barkeeper nur allzu gerne annehmen.

Gerade beim Gin sind extravagante Garnituren sehr angesagt, die die spezielle Note des Getränks unterstreichen sollen. Besonders beliebt sind Rosmarinzweige, Spiralen aus Zitronenschale, Gurkenscheiben oder gar ganze Chilischoten. Diese Extras machen viel her, sind beim Trinken allerdings eher hinderlich und beeinträchtigen zudem stark den Geschmack des Gins.

Daneben gibt es eine ganze Reihe anderer Gin-Cocktails:

  • Martini (mit Wermut)
  • Gin Fizz (mit Zitronensaft, Zuckersirup und Sodawasser – ohne Eis!)
  • Gin Basil Smash (mit Zitronensaft, Zuckersirup und frischem Basilikum)
  • Gimlet (mit Lime Juice Cordial, einem gesüßten Limettensaftzusatz)
  • Aviation (mit Maraschino-Likör, Veilchenlikör und Zitronensaft)
  • Tom Collins (mit Zitronensaft, Zuckersirup und Sodawasser)
  • Negroni (mit Wermut und Campari)
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