News-Update Wallraff-Doku: Horror-Zustände in Psychiatrien aufgedeckt

Männersache 19.03.2019

Günther Wallraffs Team deckte in der neusten "Team Wallraff"-Folge "Hinter geschlossenen Türen" auf RTL diverse Mängel in einer Frankfurter Psychiatrie sowie in einer Jugendhilfe auf. Doch die Reportage hat einen Haken...

Günter Wallraff
Günter Wallraff Foto:  Getty Images / Sascha Schuermann
Inhalt
  1. Psychiatrien in Deutschland: "Psychiatrische Steinzeit"
  2. Medikamente statt Therapie
  3. Walffraff-Folge: Das ist der Haken

Ein Jahr recherchierte "Team Wallraff", das Team um den Investigativ-Journalisten Günther Wallraff, undercover in verschiedenen Psychiatrien und Jugendeinrichtungen in Deutschland.

Die Folge "Hinter geschlossenen Türen" lief bereits auf RTL. Die versteckte Kamera will aufdecken, was sonst verschleiert bleibt. Und die Reporter finden leider so einige Missstände.

Vorab sei gesagt: In einigen Psychiatrien in Deutschland sind die Zustände sehr gut, wie die Reporter herausgefunden haben.

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Psychiatrien in Deutschland: "Psychiatrische Steinzeit"

Ein Beispiel: Eine als "Praktikantin Petra" getarnte und in eine Psychiatrie eingeschleuste Reporterin auf einer Akut-Station einer Psychiatrie in Frankfurt zeigt, wie eine Arztvisite auf dem Flur nur 16 Sekunden dauert ("Naja, Sie sind ja depressiv, ne?

Müssen wir jetzt gucken, dass wir Ihre Medikation einstellen, dass Sie hier irgendwann wieder rauskommen. Auf Wiedersehen.") Patienten werden laut Film ruhiggestellt. Ein Facharzt bezeichnet die Zustände als "psychiatrische Steinzeit".

Eine andere Szene zeigt eine depressive, "fix und fertige" Patientin. Petra fragt nach, ob diese unbedingt mit einer sehr wahnhaften Frau ein Zimmer teilen müsse.

Die Antwort des Personals: "Vielleicht ist es mal eine kleine Lehre für sie und sie überlegt sich beim nächsten Mal, ob es wirklich notwendig ist, suizidale Äußerungen zu machen."

Was man als Zuschauer noch sieht: Eine auch nach drei Stunden nicht beseitigte Urinlache sowie angeblich tagelange Fixierung von Kranken.

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Therapien oder Beschäftigungsprogramme gibt es in dieser Psychiatrie nicht, zudem sind die Zweibettzimmer oft mit drei Patienten belegt.

 

Medikamente statt Therapie

In einer Stuttgarter Psychiatrie findet „Team Wallraff“-Reporter Thorsten, der als Pflegepraktikant Daniel undercover eingeschleust wurde heraus, dass hier vor allem Senioren behandelt werden - weil diese mehr Geld bringen, als psychische kranke Menschen.

In einer Berliner Psychiatrie findet das Team heraus, dass es hier seit sechs Wochen keinen Psychologen gibt und die Patienten medikamentiert, anstatt therapiert werden. 

Zu den Strafmaßnahmen einer Jugendhilfeeinrichtung zählt Essensentzug oder ein Deeskalationsraum, in dem die jungen Leute teilweise über mehrere Tage gesperrt würden, wenn sie "was angestellt" haben. 

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Walffraff-Folge: Das ist der Haken

Die Reportagen von Wallraff sorgen für mehr Transparenz und das ist auch gut so. Doch wie der Spiegel nun entdeckte, ist eine Szene sehr auffällig gewesen: In der Jugendeinrichtung versucht eine 13-Jährige aus einem Fenster zu flüchten.

Im Hintergrund ist dort zunächst Schnee auf einem Parkplatz zu sehen - in der nächsten Szene fehlt dieser. Es bleibt die Frage offen, wie konstruiert hier vorgegangen wurde - und wo die Transparenz bleibt.

Fakt ist: Die Missstände sind alarmierend. Der in der Doku gezeigte Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Jann Schlimme, fordert: "Einen regelmäßigen Psychiatriereport im Auftrag der Bundesregierung und Transparenz über das, was in geschlossenen Psychiatrien vor sich geht."

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