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News-Update

Vor dem Kollaps: Der Schwindel mit der Zahl der Intensivbetten

Es sind noch genug Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern frei. Warum dem Gesundheitssystem dennoch der Kollaps droht, erklären wir hier.

Corona-Patient, behandelndes Personal
Corona-Patient, behandelndes Personal Foto: Getty Images / Go Nakamura

Falsche Signale

Als der Schlingerkurs um die Maskenpflicht endete und sich die Experten einig waren, dass Gesichtsmasken ein probates Mittel sind, um die Verbreitung des Virus zu einzudämmen, kam gleichzeitig die Warnung, dass man sich nun aber bitte nicht in falscher Sicherheit wiegen solle.

Mit anderen Worten: Auch das Social Distancing musste parallel weiter geübt werden. Gleiches scheint sich jetzt mit einem anderen Faktor zu wiederholen: den Intensivbetten bzw. deren Zahl.

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Genug Betten, zu wenig Personal

Die Medien kolportieren täglich die Zahl der bundesweit noch freien Betten. Die klingt recht komfortabel, aber Mediziner warnen, dass auch dies eine falsche Sicherheit ist, in der wir uns wiegen.

Tatsächlich ist nicht genug Personal vorhanden, um Patienten, die durch ihre Erkrankung auf ein solches Intensivbett angewiesen sind, hinreichend zu betreuen.

Nicht-optimale Betreuung

Das Pflegepersonal ist diesbezüglich schon jetzt am Anschlag und ein weiterer Anstieg der Patientenzahlen, die intensivmedizinisch betreut werden müssen, ist absehbar und wird, mit Verzögerung von bis zu drei Wochen nach einer Corona-Infektion, auf die Intensivstationen deutscher Krankenhäuser zukommen.

So viel ist schon jetzt sicher. Das hat zur Folge, dass immer mehr Patienten von Personal betreut werden müssen, das nicht die notwendige Kompetenz besitzt. Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, gibt zu:

„Das ist natürlich nicht optimal, aber in einer solchen Ausnahmesituation zu rechtfertigen.“
Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft

Operationen verschieben

Christian Karagiannidis, Sprecher des DIVI-Intensivregisters, sieht es noch dramatischer. Für ihn ist die Lage nicht nur "nicht optimal", sondern schlichtweg katastrophal. Es gehe eine falsche Botschaft von der Zahl der freien Intensivbetten aus:

„Wir wiegen uns bei der Zahl der freien Intensivbetten in falscher Sicherheit.“
Christian Karagiannidis, Sprecher des DIVI-Intensivregisters

Andreas Westerfellhaus, Pflegebeauftragter der Bundesregierung, sieht nicht ganz so schwarz und sagt, dass die Lage momentan noch beherrschbar ist. Allerdings fordert auch er ein Maßnahmenbündel, wie beispielsweise das Verschieben nicht lebensnotwendiger Operationen, um so mehr Fachpersonal für Corona-Patienten zur Verfügung zu haben.

So sieht es in Europa aus

Die Lage ist also durchaus ernst in Deutschland. Noch deutlich schlimmer sieht es allerdings in anderen europäischen Staaten aus. In Polen verstarben jüngst COVID-19-Patienten im Krankenwagen, weil keine Beatmungsplätze mehr frei waren.

In Tschechien sind Feldlazarette in Messehallen und Stadien errichtet, Medizin-Studenten werden als Notreserve rekrutiert.

Für die griechische Bevölkerung (knapp elf Millionen Menschen) stehen insgesamt nur 252 Intensivbetten zur Verfügung. 151 davon sind bereits belegt.