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Von Alaska bis Chile: Jacky & Konsti über das Vanlife-Abenteuer ihres Lebens

Ein Paar, ein Van, ein Traum: Jacky & Konsti geben im Interview spannende Einblicke in ihre aktuelle Weltreise mit "Moses". Lass dich inspirieren!

Jacky & Konsti
Jacky & Konsti Foto: Jacky & Konsti

Mit dem Van von Alaska bis Chile? Alright, let's do it! Jacky & Konsti setzen aktuell in die Tat um, wovon das Paar aus Süddeutschland schon lange träumt. Mit ihrem liebevoll ausgebauten Van "Moses" befinden sich die beiden auf einer Weltreise, die insgesamt rund ein Jahr dauern soll. Wahrscheinlich verlängern die beiden aber noch mal.

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Wie läuft es bislang? Wie haben sich Jacky & Konsti auf das Vanlife-Abenteuer ihres Lebens vorbereitet? Wie wirkt sich die Reise auf ihre Beziehung aus? All das und vieles mehr verraten sie im Interview mit Männersache!

Mit viel Bauchgefühl ins Vanlife-Abenteuer

Jacky & Konsti
Mit dem Van von Alaska bis Chile: Jacky & Konsti leben ihren Traum Foto: Jacky & Konsti

MNRS: Wo erwischen wir euch gerade?

Jacky & Konsti: "Wir sind gerade in Baja California in Mexiko. Wenn ihr jetzt an viel Sonne, türkises Meer, Kakteen und unfassbar leckere Tacos denkt, liegt ihr ziemlich richtig. Wir haben uns in Kalifornien zwei Surfbretter gekauft, sie aufs Dach von unserem Van 'Moses' geschnallt und so fahren wir aktuell auf sehr einsamen Straßen und Schotterpisten an der Pazifikküste gen Süden. Das Einzige, das uns zu unserem Glück aktuell fehlt, ist eine Klimaanlage oder ein Ventilator, weil das Thermometer nachts selten unter 30 Grad fällt.

Danach geht's für uns weiter aufs Festland Mexikos und dann nach Südamerika. Bitte fragt aber nicht nach dem genauen Plan, denn den haben wir nicht. Die erste Lektion, die uns unsere Reise gelehrt hat, ist, dass Pläne auf einer Weltreise mit Van nicht funktionieren. Als wir das letzte Mal einen konkreten Plan und Termin hatten, standen wir im Yukon, im tiefsten Herzen Kanadas, ohne Signal in einer mehrtägigen Straßensperrung und haben gewartet, bis die Waldbrände abflauten. Mit jedem Monat lernen wir, uns besser einfach treiben zu lassen, nicht an Plänen oder unseren Vorstellungen festzuhalten und uns überraschen zu lassen."

MNRS: Warum die Panamericana?

Jacky & Konsti: "Da müssen wir schmunzeln, weil wir uns diese Frage momentan an jedem Checkpoint in Mexiko stellen, wenn uns mal wieder Militärs mit Maschinengewehren im Anschlag aufrichtig freundlich fragen, ob wir Waffen oder Drogen dabeihaben.

Aber im Ernst: Die Panamericana war für uns immer der ultimative Roadtrip, eines der letzten großen Abenteuer unserer Zeit und der Inbegriff von ganz großer Freiheit.

Vielleicht ist es im wahrsten Sinne des Wortes eine 'Männersache', aber ein Roadtrip von knapp 50.000 Kilometern auf einer der längsten Fernstraßen der Welt in einem alten Auto war für mich (Konsti) immer der absolute Traum. Die Kombination aus der rauen Schönheit Alaskas, schwindelerregenden Andenpässen in Südamerika und den palmengesäumten Surfstränden Mittelamerikas sind außerdem einfach unschlagbar.

Das Glänzen in meinen Augen war offensichtlich so stark, dass ich Jacky davon überzeugen konnte, dass das eine gute Idee ist."

MNRS: Wie macht ihr das mit dem Schlafen?

Jacky & Konsti: "Also in der Zeit, die wir bisher unterwegs waren, haben wir ganze fünfmal auf Campingplätzen übernachtet. Wir stehen meistens 'wild' und um ehrlich zu sein, sind das die schönsten Plätze. Das Tollste an der Reise im eigenen Van ist, dass wir völlig frei sind und morgens noch nicht wissen, wo wir abends sein werden und stehen. Wir können einfach fahren, bis wir keine Lust mehr haben oder einen wunderschönen Platz für unseren Van finden.

Uns fällt z. B. sofort dieser eine Platz im Frühling in Alaska zu Beginn unserer Reise ein. Wir standen mit unserem Van mutterseelenallein an einem riesigen Fluss, auf dem die schmelzenden Eisschollen aus dem Norden an uns vorbeitrieben. Während wir in der Abendsonne unsere Stühle auspackten und unser Abendessen kochten, kamen nacheinander Wölfe, Bisons und Schwarzbären an unserem Van vorbei. Zugegeben: Klingt etwas kitschig, war aber definitiv eines der atemberaubendsten Erlebnisse unserer bisherigen Reise. Daher sind wir gern bereit, den Komfort von etablierten Campingplätzen gegen solche Gänsehautmomente einzutauschen."

MNRS: Habt ihr keine Angst?

Jacky & Konsti: "Um coole Schlafplätze zu finden, nutzen wir die üblichen Apps (Park4Night & iOverlander) oder einfach Empfehlungen, die wir von Locals bekommen.

Wir lesen uns die Erfahrungsberichte zu den einzelnen Stellplätzen immer im Vorfeld durch und hören ganz stark auf unser Bauchgefühl. Sollten wir uns unwohl fühlen oder ein komisches Gefühl haben, fahren wir weiter. Das hat bis auf einmal in Los Angeles auch ganz gut geklappt (Raubüberfall direkt an der Tankstelle, an der wir standen)."

Panamericana: Inbegriff von ganz großer Freiheit

Jacky & Konsti
Unterwegs auf der Panamericana Foto: Jacky & Konsti

MNRS: Wie seid ihr an die Planung herangegangen?

Jacky & Konsti: "Ganz ehrlich, wir haben viel weniger geplant, als man denken würde. Das Tolle an der Panamericana-Route von Alaska nach Chile ist, dass man Visa nicht im Voraus beantragen muss. Die wichtigsten Aspekte der Planung waren, das passende Fahrzeug für die Reise zu finden, eine Verschiffung aus Deutschland nach Kanada zu organisieren und essenzielle Themen wie eine Auslandskrankenversicherung sowie notwendige Impfungen. Wir haben unsere Wohnung gekündigt, teilweise unsere Jobs, einen Großteil unserer Habseligkeiten verkauft und den Rest eingelagert."

MNRS: Wie viel Arbeit war es, den Van umzubauen?

Jacky & Konsti: "Moses ist ein 17 Jahre alter Fiat Ducato, der bereits zum Wohnmobil ausgebaut war, als wir ihn gekauft haben. Da wir aufgrund unserer Jobs nur begrenzt Zeit für den Umbau und keine Erfahrung mit dem Ausbau von Fahrzeugen hatten, war es für uns wichtig, die schwierigsten Aufgaben wie Isolierung, Wasseranschlüsse, Toilette, Standheizung etc. nicht selbst übernehmen zu müssen. Wir konnten uns vielmehr darauf konzentrieren, den Van nach unseren Vorstellungen zu verschönern und einige neue Funktionalitäten einzubauen.

Während des Umbaus hat sich in unserer Nachbarschaft eine kleine Community an Leuten entwickelt, die unser Projekt spannend fanden und immer wieder vorbeikamen, um uns mit Werkzeug oder Know-how zu helfen. Es wurde recht schnell zum Running Gag, dass wir uns mit der Deko beschäftigen, bevor wir uns mit essenziellen Themen wie der Autobatterie befassen."

MNRS: Wie schafft ihr es auf so engem Raum und bei so viel Zeit miteinander, euch nicht die Köpfe einzuschlagen - oder schlagt ihr euch die Köpfe ein?

Jacky & Konsti: "Durch Corona und die gemeinsame Zeit zu Hause waren wir vermutlich schon ganz gut auf 24/7 auf engem Raum vorbereitet. Wir hören die Frage sehr häufig, haben aber noch immer keine wirklich gute Antwort darauf. Es hört sich komisch an, aber wir empfinden das Leben in Moses nicht als engen Raum. Wir erleben jeden Tag so viel, sind viel draußen in der Natur oder in faszinierenden Städten, sodass uns die Decke gar nicht auf den Kopf fallen kann."

MNRS: Was vermisst ihr neben Familie und Freunden am meisten an zu Hause, was überhaupt nicht? Gibt es etwas, von dem ihr euch dauerhaft verabschiedet habt?

Jacky & Konsti: "Das ist zwar ein Klischee, aber ganz klar Brezel, gutes Brot und Käsespätzle!

Ansonsten ist es gar nicht das stationäre Leben, das uns fehlt, sondern es sind eher Dinge, die man zuvor als selbstverständlich wahrgenommen hat - z. B. das Gesundheitssystem. Konsti hatte in Popoyo, einem wunderschön einsamen Surferstädtchen an der Küste Nicaraguas, einen Sturz mit unserem kleinen Motorrad. Was in Deutschland einige unproblematische Schürfwunden gewesen wären, wurde für uns in Nicaragua ein ziemlich großes Problem.

Wir hatten keinen Arzt, der die Wunden ordentlich reinigen konnte, keine Mittel zur Wunddesinfektion und nicht mal Pflaster konnten wir auftreiben. In Verbindung mit dem feuchten Klima infizierten sich die Wunden und anstatt Surfwellen bekam ich (Konsti) eine einwöchige Antibiotikakur mit zahllosen Spritzen in die Pobacke.

Verabschiedet haben wir uns - wie vorhin schon erwähnt - von dem Wunsch, alles durchzuplanen. Die Romantik unserer Reise besteht für uns genau aus der Tatsache, dass wir uns jeden Tag auf neue Situationen einstellen müssen und sich neue Möglichkeiten ergeben und wir nicht wissen, wo wir morgen oder auch nur heute Abend sein werden. In diesem Zuge haben wir festgestellt, dass es uns mittlerweile extrem schwerfällt, uns auf Termine oder einen Zeitplan festzulegen."

Neue Wertschätzung für vermeintliche Selbstverständlichkeiten

Moses von innen
"Moses" von innen Foto: Jacky & Konsti

MNRS: Was waren eure bisherigen Highlights?

Jacky & Konsti: "Es fällt uns unglaublich schwer, hier einzelne Dinge hervorzuheben. Aber wir sind uns einig, dass die Fahrt durch Alaska für uns eine wahnsinnige Erfahrung war. Wenn du aus Kanada den Alaska Highway Richtung Norden fährst, fühlst du mit jedem Kilometer, dass du auf dem Weg in die absolute Abgeschiedenheit und Natur bist.

Irgendwann fällt dir nach mehreren Stunden Fahrt durch endlose Nadelwälder und vorbei an gewaltigen Gletschern auf, dass es Stunden her ist, dass du ein Zeichen menschlicher Zivilisation gesehen hast und du fängst an zu verstehen, was es für die Menschen bedeutet, hier zu leben.

Die kleinen Fischerdörfer wie Valdez in Alaska erwachen im Sommer zum Leben, nachdem sie im Winter teils monatelang ohne Verbindung zur Außenwelt im Winterschlaf lagen (wegen Lawinen etc.). Uns haben die Menschen dort erzählt, dass deshalb im Sommer gejagt und gefischt und das Fleisch für den Winter konserviert wird. Es macht uns superglücklich, diese Einblicke in ein so anderes Leben erhalten zu haben und sind definitiv demütig, wenn wir daran denken, wie komfortabel unser Leben in Deutschland ist.

Ansonsten haben wir in Kauai (Hawaii) mit dem wahren Aloha-Feeling und den satten grünen Hängen, die in glasklares Meer fallen, unsere Trauminsel gefunden. Wir haben uns in die verträumte, neblige Küste Oregons verliebt, in denen wir das ländliche Amerika fanden, in dem die Welt noch in Ordnung ist. Wir durften mit Moses durch die atemberaubenden Rocky Mountains Kanadas vorbei an absurd blauen Bergseen fahren, ferner durch die majestätischen Redwood-Bäume Kaliforniens und die nicht weniger beeindruckenden Kakteenwälder Baja Californias."

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MNRS: Gab es Situationen, die besonders herausfordernd waren? Wie seid ihr damit umgegangen?

Jacky & Konsti: "Einige! Mitten in Alaska hat es uns aufgrund der Schlaglöcher die Spur verstellt und das Profil unserer Reifen daraufhin im wahrsten Sinne des Wortes wegradiert. Wir waren mitten im Nirgendwo mit einer einzigen Werkstatt, die mit ihren zerbrochenen Scheiben und einem Kerl samt Waffe nicht wirklich einladend wirkte. Aber auch hier müssen wir mit allen Klischees aufräumen: Der Kerl war auf seine Art und Weise der netteste Mechaniker und hat uns unfassbar viel für wenig Geld geholfen.

Das prägendste Ereignis waren aber zwei direkt hintereinander auftretende Hurrikans in Baja California. Als es losging, waren wir ausgerechnet in Mulegé, einem süßen Dorf mit Fluss und Bergen im Hintergrund. Doch genau diese schöne Lage wurde für uns zum Problem.

Mitten in der Nacht regnete es so stark, dass wir von den Besitzern des Campingplatzes geweckt wurden. Innerhalb weniger Minuten war der Fluss so stark gestiegen, dass er den ganzen Platz flutete und wir Hals über Kopf auf einen naheliegenden Berg fahren mussten. Es war beängstigend zu sehen, welche Wassermassen die sonst wüstenhaften Berghänge hinabströmten und sich neue reißende Flüsse bildeten, die alles mit sich ins Tal rissen. Am nächsten Tag war das gesamte Dorf mit Schlamm bedeckt und ganze Straßen waren weggespült.

Obwohl viele Straßen nicht mehr befahrbar waren, haben wir alles daran gesetzt, Mulegé unmittelbar zu verlassen und weiter nach Süden zu fahren, bevor der zweite Hurrikan den Ort trifft. Wären wir geblieben, hätten wir miterleben müssen, wie der zweite Hurrikan Mulegé brusthoch überschwemmt und den Ort zerstört.

Alles in allem war das wohl das erste Mal, dass wir auf unserer Reise wirklich Angst hatten."

Jacky & Konsti: "Hallo Welt"

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Jacky & Konsti: "Wir erleben so viel, dass wir nicht alles gleich verarbeiten können" Foto: Jacky & Konsti

MNRS: Was wollt ihr mit eurem Instagram-Profil erreichen?

Jacky & Konsti: "Zum einen sehen wir unser Profil als persönliches digitales Fotobuch. Wir erleben so viel, dass wir nicht alles gleich verarbeiten können - das nächste Abenteuer lässt nie lange auf sich warten. Von daher schauen wir tatsächlich selbst gern mal in unsere Länder-Highlights rein, um uns durch unsere Fotos und kleinen Videosequenzen an all die Eindrücke, Gerüche und Geschmäcker zurückzuerinnern.

Wir haben die zwei Worte 'Hallo Welt' zum Motto unserer Reise gemacht. Diese Worte sollen uns daran erinnern, bei unseren Reisen Menschen, Kulturen und der Natur mit offenen Armen und ganz viel Neugier zu begegnen.

Und im besten Fall wollen wir mit unseren 'Hallo Welt Momenten' auf unserem Instagram-Account helfen, uns alle ein bisschen daran zu erinnern, dass wir auf einem faszinierenden Planeten leben, der voll ist von herzlichen und liebevollen Menschen und ihren tollen Geschichten.

Zum anderen versuchen wir, all das Wissen, das wir gern im Vorfeld gehabt hätten und das uns die Reise oder den Umbau des Vans deutlich erleichtert hätte, zu hinterlegen und zu teilen. So haben wir beispielsweise die Infos, die man für den Grenzübertritt von den USA nach Mexiko benötigt, in einem separaten Ordner auf Instagram zusammengefasst.

Aber auch nützliche Dinge, die wir im Van nicht missen wollen, haben wir in einer Liste auf Amazon* zusammengestellt."

Konsti: "Jacky sagt immer: 'Solang ich nur einem/einer Reisenden damit geholfen habe, ist mein Soll erfüllt!'"

MNRS: Vielen Dank für das Interview und die spannenden Einblicke in euer Vanlife-Abenteuer!

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