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"Unsere Couch war die Front" – Bundesregierung veröffentlicht Corona-Video

Die Bundesregierung veröffentlicht einen Werbespot, der junge Menschen dafür feiert, dass sie in der Corona-Zeit nichts machen und damit die Ausbreitung des Virus eindämmen. Es regt sich heftige Kritik.

Zusammen gegen Corona, Spot der Bundesregierung
Der Werbespot der Bundesregierung: "Zusammen gegen Corona" Foto: YouTube / Bundesregierung

Die deutsche Bundesregierung veröffentlichte am Samstag, den 14. November 2020, einen Werbespot, in dem junge Menschen als Helden dargestellt werden, weil sie während der "zweiten Welle" im Winter 2020 nichts weiter tun, als zu Hause zu sitzen.

Das Plädoyer für Solidarität kommt aber nicht bei allen gut an, insbesondere nicht bei jungen Menschen.

#besondereHelden

Unter dem Hashtag #besondereHelden ging der besagte Spot online. Darin erinnert sich ein Senior an den Winter 2020, als die "zweite Welle kam". Er sei Student gewesen in Chemnitz, studierte Maschinenbau, war damals 22 Jahre alt.

Dramatische Musik ist aus dem Off zu hören, während er sich weiter erinnert: "Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles, woran wir glaubten, und das Schicksal unseres Landes lag plötzlich in unseren Händen." Einzige Möglichkeit, um sich dieser Bedrohung zu stellen: nichts tun. Wie die Waschbären faul auf dem Sofa liegen. Tag und Nacht.

"Die Couch war unsere Front", heißt es weiter. "Und die Geduld unsere Waffen.

Das war unser Schicksal, so wurden wir zu Helden. Damals, im Corona-Winter 2020."

Kritische Stimmen

Das Video der Bundesregierung findet ein sehr geteiltes Echo. Auf YouTube gesellen sich zu 18.825 Likes mit 15.513 fast genauso viele negative Stimmen (Stand 17. November 2020). Und auch in den Kommentaren findet sich Spott und Unverständnis.

"So respektlos gegenüber den ganzen Menschen, die momentan unter Existenzzweifeln leiden, die ihre Jobs verloren haben oder kurz vor dem Ruin sind", regt sich ein User in den YouTube-Kommentaren auf. "Wie kann man es als Heldentat darstellen, wenn man faul ist?"

Auch auf Twitter regen sich kritische Stimmen, die von Respektlosigkeit der Regierung gegenüber Studierenden sprechen.

Dennoch finden sich auch zustimmende Meinungen, z. B. von Menschen, die unmittelbar tagtäglich mit COVID-19 zu tun haben und die Auswirkungen der Krankheit mit eigenen Augen beobachten.

Twitter-Userin @SussanneTrentin arbeitet "mit Coronainfizierten als Krankenschwester auf einer neurochirurgischen Station" und wünscht niemandem eine Corona-Infektion: