Tor zur Hölle

Tod und Finsternis: Die Cenoten in Yucatán, Mexiko

Kaiser, Pharaonen, Priester - seit Menschengedenken widmen sich Kulturen auf der ganzen Welt der Suche nach einer Pforte zum sagenhaften Reich der Toten, ob tief unter Wasser oder in unterirdischen Tunneln. Ganze Religionen gründen sich auf diese Idee. Erst jetzt kommen Archäologen ihren Geheimnissen auf die Spur.

Eine Cenote in Mexiko
Eine Cenote in Mexiko Foto: iStock / Roberto Michel

Lichtstrahlen auf der Suche nach Spuren der Vergangenheit huschen über Felsvorsprünge, Tropfsteingebilde und Totenschädel. Hier unten sind Uli Kunz und sein Taucherteam dem Reich der Toten ganz nah: Der Biologe erforscht das wohl größte Unterwasserhöhlensystem der Welt - die Cenoten auf Mexikos Halbinsel Yucatán.

Einst bewohnt, wurden sie vor rund 10.000 Jahren überflutet. Noch immer finden sich hier zahlreiche Relikte aus der Steinzeit: menschliche Skelette, Feuerstellen und Werkzeuge. Als die Maya Jahrtausende später auf die Höhlen stießen, waren sie überzeugt, die Eingänge der von ihrem Regengott bewohnten Unterwelt gefunden zu haben. Archäologen entdeckten in der Tiefe menschliche Schädel, Keramiken und Messer. Offenbar suchten Priester die Cenoten auf, um in Dürrezeiten Menschenopfer darzubringen und so den Segen der Götter zu erlangen.

Doch die Höhlen verraten mehr: Forscher erhoffen sich von ihnen Antworten auf die Frage, wann die ersten Menschen amerikanischen Boden betraten. Der jüngste Fund eines 13.000 Jahre alten Mädchenskeletts spricht dafür, dass der Kontinent schon früh von einer einzelnen Gruppe aus Nordasien besiedelt wurde. Damit könnte die Siedlungsgeschichte Amerikas schon bald neu geschrieben werden.

Das Problem: Nur Taucher mit Spezialausbildung können sich in dem Unterwasserlabyrinth zurechtfinden. Denn in den meisten Cenoten herrscht totale Finsternis, oft geht es Hunderte Meter hinab. Ein schneller Aufstieg? - ausgeschlossen. "Wer seinen Luftvorrat falsch berechnet, ist so gut wie tot", warnt Kunz. So erweisen sich die Cenoten heute noch für viele Taucher als Tor zur Hölle.