Tor zur Hölle

Terrakotta-Armee: Auch im Jenseits lauern tödliche Gefahren

Kaiser, Pharaonen, Priester - seit Menschengedenken widmen sich Kulturen auf der ganzen Welt der Suche nach einer Pforte zum sagenhaften Reich der Toten, ob tief unter Wasser oder in unterirdischen Tunneln. Ganze Religionen gründen sich auf diese Idee. Erst jetzt kommen Archäologen ihren Geheimnissen auf die Spur.

Die Terrakotta-Armee in China
Die Terrakotta-Armee in China Foto: iStock / Goddard_Photography

Der Schweiß rinnt Yang Zhifa in Strömen herunter, während er mit seiner Spitzhacke die steinharte Erde bearbeitet. Seit Wochen macht eine Dürre den Menschen in der Provinz Shaanxi zu schaffen. Auf der Suche nach einer Wasserader stößt der Bauer plötzlich auf Widerstand. Fieberhaft gräbt er weiter, doch es ist kein Wasserkrug, der da zum Vorschein kommt, sondern die Schulter einer Tonfigur.

Was Yang nicht ahnt: Er hat soeben eine der größten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts gemacht: die sagenhafte Terrakotta-Armee des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi.

Historikern zufolge ordnet der Herrscher bereits kurz nach seiner Thronbesteigung im Jahr 221 vor Christus den Bau seines Mausoleums an - als 13-Jähriger. 700.000 Zwangsarbeiter müssen 30 Jahre lang Gräben ausheben und Hügel anlegen. Am Ende erstreckt sich die Anlage über 90 Quadratkilometer und ist damit so groß wie Manhattan. Wozu der ganze Aufwand?

Qin Shihuangdi will sein gesamtes Reich mit in die Unterwelt nehmen und wird daher mit Modellpalästen, Pferden, Streitwagen und Tonfiguren beerdigt. "Die ideale Regierung unter der Erde", erklärt der Ausgrabungsleiter Duan Qingbo. Aus Furcht vor den Gefahren, die im Totenreich lauern, lässt der Kaiser sich zudem von einer 7.300 Mann starken Streitmacht aus lebensgroßen Terrakotta-Kriegern eskortieren.

"Er wollte auch im Jenseits eine Armee, um seinen Geist und sein Grab vor allen Soldaten zu schützen, die er getötet hatte", meint der Historiker Robin Yates.

Noch immer sind weite Teile der Anlage nicht ausgegraben, auch das Grab wurde bis heute nicht geöffnet, denn ohne geeignete Konservierungsmethode können die kostbaren Schätze an der frischen Luft zu Staub zerfallen.

Der Kaiser wollte auch im Jenseits eine Armee, um seinen Geist und sein Grab zu schützen.