Musik-Update

Schock für die Ohren: Spotify spielt Nazi-Musik

Er ist der größte Musik-Streamingdienst der Welt. Auf Abermillionen von Titeln können User zugreifen. Ja, bei Spotify gibt es Songs für jeden Geschmack. Leider.

Hand hält Smartphone, auf dem die Spotify-App läuft
Bei Spotify gibt's Musik für jeden Geschmack (Symbolbild) Foto: iStock / hocus-focus

Gestreamter Rassenhass

Schöne Bescherung: Da loggt man sich als Otto Normalhörer ein und streamt dann eben seine Lieblingsmusik, sei es nun Blümchen oder Napalm Death.

Aber ein Rapper mit dem – nomen est omen – bezeichnenden Namen Chris Ares, der von der vermeintlichen Auslöschung des deutschen Volkes durch sogenannte "Mischrassen" schwadroniert, gehört doch wohl bitte nicht ins Programm.

Doch, bei Spotify schon. Während Amazon und Deezer bereits reagiert und den "Künstler" mit seinem offen rassistischen Weltbild entfernt haben, behält ihn Spotify im Programm, selbst nach massiven Protesten seiner User auf Twitter.

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Protest der Community

Auch deren Ankündigung, ihren Vetrag zu kündigen, der den Anbietern des weltgrößten Musikstreamingdienstes immerhin 10 Euro pro Monat und Nase einbringt, scheint ihn nicht zum Einlenken zu bewegen.

Und so kann man sich bei Spotify weiterhin Songs wie "Machtwechsel", "Defend Europe" oder "Neuer Deutscher Standard" anhören. Auf eine Verlinkung verzichten wir an dieser Stelle und verweisen stattdessen auf die Männersache-Playlist, die jeden Freitag pünktlich zum Wochenende mit frischen Songs bestückt wird.

Kein harmloser Provokateur

Ares ist dabei nicht nur ein kleiner, gelangweilter Möchtegern-Provokateur, sondern seit 2016 vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz als Neo-Nazi eingestuft, wie die Bild berichtet.

2018 nahm er an einer AfD-Veranstaltung teil und attackierte dabei anwesende Journalisten, woraufhin er zwar eine Anzeige wegen Körperverletzung erhielt – zu einem Prozess kam es hingegen nicht.

So denkt Spotify darüber

Auf Nachfrage erklärt Spotify, man nähme diese Thematik sehr ernst, und entferne Songs, die zu Gewalt oder Rassenhass aufrufen, umgehend. Darüber hinaus richte man sich nach der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Was von dieser indiziert werde, fliege umgehend auch bei Spotify raus.

Auch Songs von Chris Ares waren schon dabei:

„In jüngster Vergangenheit hat Spotify bereits mehrfach auf Verstöße gegen die Content Policy reagiert und Inhalte entfernt – aktuelle Beispiele: "Honigwabe" oder "Rechtsausleger" (im Bereich Podcasts) oder die Single von Chris Ares 'BRDigung'.“
Spotify-Pressesprecher

Fazit

Bleibt die Frage, warum dann nicht gleich ganze Alben von offenkundig rechtsradikalen Interpreten entfernt werden können. Die Antwort hat Spotify bisher nicht gegeben.

Update: Spotify erklärt sich und handelt

Der Musik-Streamingdienst hat mittlerweile auf die Kritik reagiert und ein Statement veröffentlicht. Darin stellt er klar:

„Spotify verbietet Inhalte auf der Plattform, die ausdrücklich und hauptsächlich zu Hass oder Gewalt gegen eine Gruppe oder ein Individuum aufgrund von Merkmalen wie z.B. Religion, Geschlechtsidentität, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Nationalität, sexuelle Orientierung, oder Behinderung, aufrufen, dies befürworten oder dazu aufstacheln. Wenn wir Inhalte, die diesen Standard verletzen, identifizieren, werden sie von der Plattform entfernt.“
Spotify-Statement

Und auch erste Konsequenzen hat dies bereits nach sich gezogen:

„Der gesamte Katalog von Chris Ares wurde wegen Verstoßes gegen die Spotify Content Policy entfernt.“
Spotify-Statement