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Crime-Update

Richard Ramírez: Der kalifornische Albtraum

Richard Ramírez war der Night Stalker: Er schlich sich nachts in die Schlafzimmer seiner Opfer, vergewaltigte, mordete und hinterließ satanistische Zeichen an den Wänden.

Richard Ramírez: Das Böse in Person
Richard Ramírez: Das Böse in Person. Foto: imago images / ZUMA Press

Richard Ramírez: Der kalifornische Albtraum

Richard Ramírez war ein Fanatiker. Ein Satanist. Ein Serienmörder, der wahllos und hyperbrutal zuschlug. Zwischen April 1984 und August 1985 tötete er mindestens 14 Opfer und versetzte die Menschen in und um Los Angeles in Angst und Schrecken.

Denn der Night Stalker, wie Richard Ramírez in den Medien genannt wurde, schien keinerlei Muster zu haben – was seine Taten umso grauenvoller machte. 

Wahllos und brutal: Richard Ramírez im Blutrausch

Beschäftigt man sich mit Serienmördern, versucht man immer zuerst ihren Modus Operandi aufzudecken: Nach welchem Muster gehen die Psychopathen vor? Welche Handlungen wiederholen sie immer und immer wieder?

Hat man diesen Code geknackt, so scheint es, ist es leichter, die Bestien zu verstehen. Ted Bundy oder auch Jeffrey Dahmer entwickelten früh einen Modus Operandi. Und selbst Jack the Ripper ging bei seinen Morden im London des Jahres 1888 nach einem Muster vor. 

Nicht so der Night Stalker. Richard Ramírez tötete vollkommen wahllos und nie nach der gleichen Methode. Sein jüngstes Opfer, das ihm erst 2009 nachgewiesen werden konnte, war gerade einmal neun Jahre alt.

Sein ältestes Opfer dagegen 79. Manche missbrauchte er sexuell, andere brachte er einfach nur um. 

Männer, Frauen, Kinder, Paare, Singles, Freunde, egal – dem Night Stalker schien es rein um den Akt des Tötens zu gehen. Und selbst dabei ging er nie gleich vor. Einigen Opfern schnitt er die Kehle durch, andere erschoss er aus nächster Nähe.

Manchmal prügelte er das Leben aus den Menschen heraus. 

Nicht einmal das Einbrechen in die Häuser seiner Opfer wurde zu seinem Muster. Die 30-jährige Tsai Lian Yu beispielsweise zerrte er am 17. März 1985 einfach aus ihrem Auto und erschoss sie. 

Im Gegensatz zu vielen seiner Serienmörder-Kollegen, die darauf achteten, keine Zeugen zu hinterlassen, schien Richard Ramírez seine Opfer nicht nur wahllos auszusuchen und anzugreifen: Es kümmerte ihn auch nicht, ob diese wirklich tot waren.

Immer wieder überlebten seine Opfer und konnten ihn nach den Angriffen beschreiben. Dem Killer schien das vollkommen egal zu sein, doch letztendlich führte es zu seiner Verhaftung. 

Das erste Opfer war nicht die Nummer eins

Offiziell begann die Mordserie von Richard Ramírez mit der 79-jährigen Jennie Vincow, die er am 28. Juni 1984 umbrachte. Er drang in ihr Haus ein, missbrauchte sie sexuell und erstach sie anschließend. 

Es verging ein knappes halbes Jahr, bevor der Night Stalker seinen Gewaltfantasien endgültig freien Lauf ließ und in einem regelrechten Rausch zahlreiche Menschen umbrachte – teilweise mehrere an einem Tag. 

Die folgenden Morde werden ihm zur Last gelegt:

17.03.1985: Dayle Okazaki (†34)
17.03.1985: Tsai Lian Yu (†30)
27.03.1985: Vincent Zazzara (†64)
27.03.1985: Maxine Zazzara (†44)    
14.05.1985: William Doi (†66)
02.07.1985: Mary Louise Cannon(†75)
07.07.1985: Joyce Lucille Nelson (†61)
20.07.1985: Maxon Kneiding (†68)
20.07.1985: Lela Kneiding (†66)
20.07.1985: Chainarong Khovananth (†32)
08.08.1985: Elyas Abowath (†31)
18.08.1985: Peter Pan (†66) 

2009 – 20 Jahre, nachdem Ramírez 1989 zum Tode verurteilt worden war – stellte sich heraus, dass Jennie Vincow gar nicht das erste Opfer des Night Stalkers gewesen ist. Bereits am 10.04.1984 hatte er die damals neunjährige Mei Leung in deren Elternhaus getötet.

Das konnte durch einen DNA-Abgleich bewiesen werden. 

Nichts anderes gelernt: Richard Ramírez' düstere Kindheit

Ein Blick in die Kindheit des Night Stalkers klärt viele offene Fragen. Ricardo Leyva Muñoz Ramírez kam am 29. Februar 1960 in El Paso, Texas zur Welt. Er hatte vier ältere Geschwister, zwei davon waren mit Geburtsfehlern zur Welt gekommen. 

Nach zwei erlittenen Kopfverletzungen hatte Ramírez als Schulkind mit epileptischen Anfällen zu kämpfen. Als Neunjähriger wurde er von einem Lehrer sexuell missbraucht

Im Alter von 12 Jahren stand Richard Ramírez dann unter dem wohl prägendsten und schlechtesten Einfluss seines bisherigen Lebens: Sein älterer Cousin hatte im Vietnamkrieg gedient und prahlte vor dem Teenager damit, vietnamesische Frauen gequält, verstümmelt und vergewaltigt zu haben – inklusive Beweisfotos! Er brachte dem Jungen außerdem bei, wie man mit einem Messer tötet. 

Schlussendlich wurde Richard Ramírez sogar Zeuge, wie sein Cousin seine Frau umbrachte

So setzte sich der Keim der Gewalt in ihm fest und trieb aus. Noch bevor Richard Ramírez 1976 von El Paso nach Los Angeles zog, versuchte er, eine Frau zu vergewaltigen. Der Fall wurde nie zur Anzeige gebracht.

Damals war Ramírez 16 Jahre alt. 

Der Star unter den Serienmördern: Richard Ramírez und die Frauen

Wie vor ihm schon Ted Bundy übte Richard Ramírez eine fatale Anziehungskraft vor allem auf Frauen aus. Das änderte sich auch nach seiner Verhaftung nicht. 

Sein oberflächlich betrachtet gutes Aussehen trug sicherlich einen Teil dazu bei. Der Night Stalker präsentierte sich mit langen dunklen Haaren im Gerichtssaal und schaffte es allein durch die Andeutung eines Lächelns sexy und nachdenklich zu wirken. 

Serienmörder oder Frauenheld? Foto: imago images / ZUMA Press

Obwohl er streng religiös erzogen worden war, verfiel Richard Ramírez schon als Teenager dem Satanismus. Vor Gericht erschien er mit einem gezeichneten Pentakel – ein invertiertes Pentagramm mit Kreis – in der Hand und rief "Heil Satan!" in den Raum.

Schon während seiner Mordserie hatte er immer wieder satanistische Zeichen an die Wände in den Häusern seiner Opfer geschmiert. 

Doch auch das wirkte nicht abschreckend auf die Frauen, die den Fall um den grausamen Massenmörder verfolgten. Nach seiner Verhaftung 1985 wurde der Amerikaner wie ein Popstar verehrt. Die damals 41-jährige Journalistin Doreen Lioy schrieb dem Mörder zahlreiche Briefe und gewann so sein Herz. 1988 verlobten sich beiden und schafften es 1996 sogar, im San Quentin State Prison zu heiraten. 

Doreen Lioy soll ihren Mann allerdings irgendwann verlassen haben – wann, das ist nicht bekannt. Auf sie folgte eine Frau, die in der Presse lediglich als Susan bekannt war. In einem Interview sagte sie 2010 über ihren zum Tode verurteilten Lebensgefährten: 

"Was mich zu ihm hinzog, war die Art und Weise, wie er mir zuhörte. Als ich ihm über mich und mein Leben erzählte, hörte er einfach nur zu, und ich fand das großartig. Er sieht gut aus, und ich liebe seine großen Hände. Der Nervenkitzel, in ein Gefängnis zu gehen, ließ meinen Traum wahr werden, einem der am meisten gefürchteten Männer Amerikas gegenüberzustehen."

Ob sie keine Angst vor ihm habe? "Er ist jetzt anders als in seinen jungen Jahren. Er ist lustig und gelassen, reißt viele Witze und ist sensibel für die Bedürfnisse jeder Frau, auch meine", betonte Susan vollkommen verblendet

Tod mit 53 Jahren: Richard Ramírez kommt der Todesstrafe zuvor

28 Jahre wartete Richard Ramírez auf die Vollstreckung der Todesstrafe in der Gaskammer. Er war nach seinem Blutrausch am 20. September 1989 des dreizehnfachen Mordes, des fünffachen versuchten Mordes, der elffachen Vergewaltigung und des vierzehnfachen Einbruchs für schuldig befunden worden. Er kommentierte den Schuldspruch vor Gericht entspannt mit: "See you in Disneyland!"

Die Vollstreckung der Todesstrafe zögerte Richard Ramírez durch zahlreiche Anträge auf Gnade immer wieder hinaus. Bevor er letztendlich hingerichtet werden konnte, starb der Night Stalker am 7. Juni 2013 im Alter von 53 Jahren im Marin General Hospital unweit von San Quentin an Leberversagen

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