Knigge lässt grüßen Religiöser Verhaltenskodex an der Universität Hamburg

19.10.2017
Religiöser Verhaltenskodex an der Universität Hamburg
© jvdc/getty images

Die Universität Hamburg ist die erste Hochschule in Deutschland, die ein Regelwerk für die Religionsausübung auf dem Campus eingeführt hat.

In den letzten Jahren ist es an der Universität immer wieder zu Konfrontationen zwischen Anhängern verschiedener religiöser Glaubensrichtungen und Nichtgläubigen gekommen. Dieter Lenzen, der Präsident der Hochschule, und Kollegen haben nun einen eigenen Knigge zur Religionsausübung vorgestellt, der solchen Ärger regulieren soll.

Die Kommission, darunter Lenzen, eine Philosophieprofessorin, ein Professor für Rechtswissenschaft und andere haben sich bei ihrem Kodex an den Vorgaben des Grundgesetzes orientiert. "Der wissenschaftliche Auftrag der Universität ist zu respektieren. Die Ausübung religiöser Freiheit endet dort, wo dieser beeinträchtigt oder gefährdet ist", heißt es in den Verhaltensregeln.

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Es wurde zudem ein Zehn-Punkte-Plan ausgearbeitet, der beispielsweise religiöse Feste auf dem Gelände der Uni verbietet. Auch laut gesprochene Gebete und rituelle Fußwaschungen sind untersagt. Vollverschleierung ist grundsätzlich nicht verboten. Allerdings dürfen Kopftücher und Schleier die "wissenschaftliche Kommunikation" nicht verhindern. Bei Prüfungen muss die Studentin noch identifizierbar sein, sonst darf sie die Prüfung nicht ablegen.

Dieser Kodex behindere keineswegs die Religionsfreiheit der Universitätsangehörigen, sondern solle die wechselseitige Rücksichtnahme aller Beteiligten fördern, so der Uni-Präsident Lenzen. "[Religionsfreiheit] umfasse nicht nur die Freiheit, einen Glauben zu haben und diesen auszuüben, sondern auch die Freiheit, keinen Glauben zu haben", heißt es weiter im Kodex.

Auch andere Hochschulen haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

Die Technische Universität Dortmund hat im Januar vergangenen Jahres ihren "Raum der Stille geschlossen, nachdem muslimische Studenten eine Wand aufstellten, um Frauen und Männer zu trennen. Die Technische Universität Berlin schaffte im März dieses Jahres ihre Gebetsräume für Muslime ab. Auch an der Hamburger Uni gibt es einen "Raum der Stille", in dem ebenfalls ein Vorhang gehängt wurde, um Frauen und Männer zu trennen. Eine nicht hinnehmbare Maßnahme und Diskriminierung gegenüber Frauen, so Dieter Lenzen. Der Vorhang wurde inzwischen entfernt.

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