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Griechen, Nazis, Modehäuser

Peek & Cloppenburg erntet Protest wegen angeblicher Nazi-Werbung

Es ist nur ein kleiner Spruch und er steht unschuldig zwischen mehreren nett für die Werbung drapierten Hemden. Inklusive Krawatte. Sieht gut aus. Also warum wird hier schon wieder so ein großes Fass aufgemacht?

Peek & Cloppenburg-Logo
Peek & Cloppenburg-Logo Foto: iStock/tupungato

Es liegt an der historischen Belastung des gewählten Werbe-Slogans:  "Jedem das Seine"

Für alle, die jetzt rätseln, was so verfänglich an den drei Worten sein soll – der Spruch prangte auch über dem Eingangstor des KZ Buchenwald, wo die Nazis 56.000 Menschen ermordeten.

Nachdem besagter Werbeprospekt an die Öffentlichkeit gelangte, ließ heftiger Protest nicht lange auf sich warten.

Die Linke im Sächsischen Landtag ist erbost. Besonders der Abgeordnete André Schollbach. Er findet die Werbe-Aktion "geschmacklos und geschichtsvergessen".

Und natürlich steht der Spruch bei den Nazis für ein menschenverachtendes System, in seiner Bekanntheit vielleicht nur noch übertroffen vom Spruch des KZ Auschwitz "Arbeit macht frei".

Allerdings müsste Schollbach in seinem Geifer dann auch gleich alle Baretts der Feldjäger der Bundeswehr einstampfen, denn diese ziert das lateinische Motto "Suum cuique". Was nichts anderes bedeutet als "Jedem das Seine".

Foto: (c) iStock/wrangle/Peek & Cloppenburg (Collage Männersache)

Der Spruch geht zurück auf Platons Werk „Politeia“ und begleitet die dort ausgeführte Definition zur Gerechtigkeit.

Die eigentliche Frage ist also doch wohl folgende: Wer hat die Deutungshoheit über diesen Spruch? Die, die ihn zuerst benutzt und populär gemacht haben?

Oder eine Bande bestialischer Schlächter, die ihn kurzfristig für ihre schrecklichen Zwecke missbrauchten, bevor sie von der Weltgeschichte wieder beseitigt wurden?

Eins steht jedenfalls fest: Wer suchet, der findet. Soll heißen, wer sich in das Thema Nazi-Sprech verbissen hat und unbedingt etwas finden will, der wird auch immer wieder fündig.

Vielleicht fasst sich Herr Schollbach einfach mal an die eigene, geschichtsvergessene Nase und gesteht sich ein, dass er von römischer Antike im Allgemeinen und griechischer Philosophie im Besonderen rein gar nichts weiß.

Im gleichen Atemzug sichert dann die Werbeagentur von Peek & Cloppenburg zu, etwas gründlicher zu recherchieren und sich bei der nächsten Kampagne für gänzlich unbelastete Umschreibungen zu entscheiden.

Dann atmen wir alle zusammen einmal tief durch und beenden diesen Sturm im Wasserglas.

Alles wird gut.