Superlative

Osjorsk: Die tödlichste Stadt der Welt

Die Stadt Osjorsk gilt als Geburtsort der russischen Atombombe. Seit ihrer Entstehung kam es hier zu etlichen radioaktiven Unfällen, die Osjorsk zur verstrahltesten Stadt der Welt machten.

Osjorsk: Die tödlichste Stadt der Welt
Osjorsk: Die tödlichste Stadt der Welt Foto: iStock / zhongguo

Dennoch leben rund 80.000 Menschen in Osjorsk, die stolz sind auf ihre Heimat. Warum? Weil es ihnen im Gegensatz zum Rest der russischen Bevölkerung nie an etwas fehlte. Im Gegenteil: Sie lebten in einer abgeschotteten Welt voller Luxus.

Die russische Regierung wollte die Atomforschung in der 1946 um das bereits bestehende Kraftwerk Majak errichteten Planstadt geheim halten, weshalb in den ersten acht Jahren des Bestehens niemand die Stadt verlassen oder Kontakt zur Außenwelt haben durfte.

Osjorsk: Kaviar und Kultur als Beruhigungsmittel

Um die Forscher und Arbeiter sowie deren Familien ruhigzustellen, bot man ihnen exotische Delikatessen wie Bananen und Kaviar, ein gutes Schulangebot für den Nachwuchs und vielfältige Kulturangebote. Dazu gab es ironischerweise eine Top-Gesundheitsvorsorge.

"Sie haben auch besser verdient als der Durchschnitt", wird Sebastian Pflugbeil, seines Zeichens Vorsitzender der Gesellschaft für Strahlenschutz, in einem Bericht von Travelbook zitiert. Ob sich alle im Klaren darüber waren, was in Osjorsk passierte, ist unklar.

Osjorsk: Die tödlichste Stadt der Welt

Klar ist jedoch, dass das Majak-Kraftwerk insgesamt viermal so viel radioaktive Strahlung produziert hat wie die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Der größte Atomunfall ereignete sich am 29. September 1957, wobei sich sogar der Himmel über Osjorsk blau-lila färbte.

Der Vorfall wurde von der russischen Regierung unter den Teppich gekehrt – so wie alle anderen strahlungsbedingten Todesfälle, von denen es angeblich jede Menge gab. Bis heute darf Osjorsk nicht ohne die explizite Erlaubnis des russischen Geheimdienstes besucht werden.

Osjorsk: Verstrahlte Verklärung

Mittlerweile dürfen die Bewohner die Stadt jedoch verlassen, aber kaum jemand nimmt dieses Privileg in Anspruch. Viele Menschen fühlen sich einem Bericht des Guardian nach wie Privilegierte, die von allem das Beste für umme bekommen. Anderen fehlt schlichtweg das Geld.

"Menschen, die damals dort gearbeitet haben, verklären ihre Rolle oftmals, das ist ja in anderen Ländern auch nicht anders. Viele sind stolz auf Atomkraft, und dafür wird über eventuelle Schäden bereitwillig hinweggesehen", so Pflugbeil über die Motive der Osjorsker.

Das Majak-Kraftwerk geriet erst kürzlich wieder in die Schlagzeilen, weil es diversen Medienberichten zufolge für die radioaktive Ruthenium-Wolke, die Anfang Oktober 2017 über Europa auftauchte, verantwortlich zeichnete. Einen gefährlicheren Ort scheint es nicht zu geben.

Wir stehen auf Rekorde und suchen ständig nach den Größten und Längsten, aber auch Kleinsten und Kürzesten. Alle unsere Funde gibt es auf unserer Superlativ-Übersichtsseite.