Ungelöste Mordfälle

Mord an König Karl XII. lässt Wissenschaftler rätseln

"Seid unbesorgt“, sagt Karl XII., der König von Schweden, zu seinen Truppen – und bricht tödlich getroffen zusammen. Eine drückende Stille erfüllt die Nacht.

Statue von Karl XII. in Stockholm, Schweden
Statue von Karl XII. in Stockholm, Schweden Foto: iStock / AYImages

Aus den Schläfen des Königs läuft Blut, auf beiden Seiten klafft ein großes Loch, eine Kugel hat den Schädel durchschlagen. Mit diesem Schuss endet vor 300 Jahren der Große Nordische Krieg. 18 Jahre lang hat sich der schwedische König Karl gegen eine überlegene Allianz aus Russland, Sachsen-Polen und Dänemark-Norwegen gewehrt, scheinbar aussichtslose Schlachten gewonnen und seinen Gegnern Waffenstillstände abgerungen.

Sein halbes Leben lang führt er die Truppen selbst in die Schlacht, immer an vorderster Front. Er gilt als unverwundbar. Die Legende besagt, dass nur ein Gegenstand aus dem Besitz des Königs selbst ihn töten könne. Am 11. Dezember 1718 bei Karls Belagerung der norwegischen Festung Fredriksten scheint diese Legende widerlegt. Mit dem Tod des 36-Jährigen geht die Großmacht Schweden unter. Offiziell wurde er von seinen Feinden erschossen, doch die Wunde passt zu keinem gängigen Geschoss der damaligen Zeit. Was also tötete den König – und wer war der Mörder?

Der ungeklärte Mord an König Karl XII.

Stammte er gar aus den eigenen Reihen? Karl war zwar ein genialer Feldherr, doch auch ein rücksichtsloser Stratege, der Friedensangebote ausschlug und Schweden in den wirtschaftlichen Ruin trieb. Waren seine Soldaten des Krieges müde und meuterten? 1917 wird die einbalsamierte Leiche Karls exhumiert und geröntgt. Die Überraschung: Es werden keinerlei Spuren von Blei entdeckt, obwohl die Geschosse der damaligen Zeit daraus bestehen. Der Tod des Schwedenkönigs bleibt geheimnisvoll.

1994 wird der Cold Case neu untersucht: Rolf Uppström von der Universität Uppsala stößt auf die Legende um die Unverwundbarkeit des Königs und auf das Dokument eines Offiziers in Karls Armee, der am Tatort einen abgeplatteten Messingknopf fand – der jetzt in einem Museum in Varberg ausgestellt ist. Der Knopf ist so verformt, dass er mit hoher Geschwindigkeit auf ein festes Ziel aufgetroffen sein muss. Auf den ersten Blick passt die Größe des Knopfes auch zum Durchmesser der Ein- und Austrittswunde am Kopf des Schwedenkönigs.

Eine Analyse seiner Oberfläche sorgt vor wenigen Jahren für eine weitere Überraschung: Der Knopf stammt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von König Karls Jacke! Der Mörder muss den Knopf von der Uniform gestohlen und als Kugel benutzt haben. Das hieße aber auch, dass der abergläubische Mörder aus den eigenen Reihen stammte – und Zugang zur Kleidung des Königs hatte. Ein Diener? Ein Vertrauter? Ein Verwandter? Nur eine abermalige Exhumierung könnte den Fall voranbringen – doch alle Anträge dafür werden von der schwedischen Regierung abgelehnt.