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Medizin-Hammer: Forscher finden Ursache für Plötzlichen Kindstod

Plötzlicher Kindstod oder auch SIDS kostet auch in Deutschland jährlich noch fast 100 Babys das Leben. Forscher:innen fanden jetzt die Ursache.

Ursache für Plötzlichen Kindstod
Endlich sind ist die Ursache für SIDS bekannt Foto: iStock / Amax Photo

Die Anzahl der Fälle von Plötzlichem Kindstod oder SIDS ("Sudden Infant Death Syndrome") sind zwar seit den 1980er-Jahren von mehr als 1000 Neugeborenen pro Jahr auf 84 Fälle im Jahr 2020 gesunken, aber trotz Aufklärung und präventiver Maßnahmen lassen sich einzelne Fälle scheinbar nicht vermeiden.

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Alte Erkenntnisse in neuem Kontext

Aus der Anästhesiologie ist bekannt, dass es bei Patienten, denen eine essenzielles Enzym zum Abbau von Muskelrelaxantien fehlt, nach der Narkose zu Problemen kommen kann und eine nachträgliche Beatmung notwendig ist.

Da das Enzym namens Butyrylcholinesterase (BChE) fehlt oder nur in geringen Mengen vorhanden ist, werden die Medikamente nicht abgebaut und zerfallen erst mit der Zeit von selbst. Arzneimittel, die also nur eine kurzfristige Lähmung der Atemwege für eine Intubation zum Beispiel verursachen sollen, wirken so mehrere Stunden.

Neben dem Abbau von diesen Medikamenten ist das Enzym aber auch wichtiger Bestandteil der Kommunikation im Gehirn. Jetzt wurde bekannt, wie Butyrylcholinesterase auch bei SIDS eine Rolle spielt

SIDS durch Enzymmangel?

In der Studie von Harringtons Forschungsteam wurden Blutproben von 60 Babys, die an Plötzlichem Kindstod verstarben, mit denen von gesunden Babys verglichen.

Sie fanden heraus, dass bei den verstorbenen Neugeborenen ein wesentlich niedrigerer Wert an BChE im Blut vorlag, dass heißt Ursachenträger für SIDS ist ein angeborener Enzymmangel, welcher den Erregungsweg zwischen Schlaf und Atmung beeinflusst.

Diese Erkenntnis stimmt auch mit bisherigen Vermutungen über die Ursachen von SIDS überein. So wurde bereits gemutmaßt, dass als Grund eine Störung im Gehirn vorliegt, die das reflexartige Erwachen von Kindern bei Atemnot im Schlaf verhindert und den Tod herbeiführt.

Wie geht es mit der Erkenntnis weiter?

Sofortiger Erfolg der Studie ist vor allem die Erlösung von betroffenen Eltern, dass sie nichts falsch gemacht haben und den Tod ihres Kindes nicht hätten verhindern können. Genau diese Schuldfrage zermürbt Eltern nämlich oft noch ihr Leben lang.

Der nächste Schritt ist für die Forscher:innen ist nun die Entwicklung eines Tests, der durch die Verwendung von BChE als Biomarker in einem Screening das Risiko von SIDS ermitteln kann.

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