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Film-Update

Martin Scorseses "The Irishman"

Sie sind alt geworden: de Niro, Pacino, Pesci, Keitel und auch Scorsese. Aber für ein letztes Projekt haben sie sich noch einmal zusammengerafft. Entstanden ist ein Werk epischen Ausmaßes.

The Irishmann
Ab sofort im Kino, ab dem 27.11. auf Netflix: The Irishman Netflix

Ein letztes gemeinsames Projekt

Die beiden Männer wuchsen zusammen im New York der 50er und 60er auf und haben etliche Filme zusammen gedreht, von denen viele mittlerweile absolute Klassiker sind: "Taxi Driver", "Wie ein wilder Stier" oder "Good Fellas" sind allgemeines Kulturgut geworden.

Martin Scorsese und Robert de Niro haben zusammen zweifellos Filmgeschichte geschrieben. Aber die Zeiten ändern sich. Die großen Studios geben auch für dieses Dream-Team nicht mehr bedenkenlos gigantische Summen frei.


Al Pacino, Martin Scorsese und Robert de Niro
Was für eine Kombination: Al Pacino, Martin Scorsese und Robert de Niro Getty Images / Jeff Spicer

Die Konkurrenz der Streaming-Giganten und ihre neue Art, Filme und Serien zu präsentieren, ist in starke, wenn nicht gar überwältigende Konkurrenz zum klassischen Kino getreten.

Und so wirkt die Zusammenführung der in die Jahre gekommenen Ostküsten-Superstars unter der weise führenden Hand eines gleichaltrigen Regisseurs wie ein finales Aufbäumen, ein letztes "Seht her, so wird das gemacht!" Und vielleicht ist es das auch.

Ein Stück Zeitgeschichte, erzählt in epischer Breite

Allerdings verabschieden sich die Granden des New-York-Mafia-Kinos mit einem großen und starken Stück. Gerade, weil nicht alles in die Luft fliegt, weil es keinen großen Showdown gibt, bleibt viel Platz für die Entwicklung der Charaktere und der Story an sich.

Erzählt wird vor allem die Geschichte des legendären Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa, meisterhaft verkörpert von Al Pacino, der 1975 unter mysteriösen Umständen verschwand und nie wieder auftauchte.

Welche Figuren damit zu tun gehabt haben könnten und wie sich alles entwickelte, das erzählt der Film "The Irishman" auf einer Länge von dreieinhalb Stunden.

Das ist neu

Netflix als Geldgeber – das ist neu für Martin Scorsese, ebenso wie die vermehrte Nutzung von CGI. Beides ist mehr oder weniger aus der Not geboren.

Als Scorsese aus einem von Paramount Pictures bereits freigegebenen Projekt wieder ausstieg, weil er einfach nicht hundertprozentig davon überzeugt war, drehte ihm das Studio für sein Ersatzprojekt den Geldhahn zu.

Netflix stieg ein, stellte nur moderate Forderungen, garantierte eine gewisse Mindestlaufzeit in den Kinosälen, bevor es selbst übernimmt und ließ Scorsese – für ihn ganz wichtig – alle künstlerischen Freiheiten.

CGI wird moderat eingesetzt und fällt gar nicht auf. Das ist gut gemacht. Notwendig wurde diese Maßnahme, weil der Werdegang der Protagonisten über diverse Jahrzehnte erzählt wird, und so ist das eben: Keine Maske der Welt kann Robert de Niro, Al Pacino oder Joe Pesci heutzutage mehr 40 Jahre jünger schminken, das hätte wahrscheinlich richtiggehend grotesk gewirkt.

Die für diese Effekte notwendigen Geldsummen flossen ebenfalls aus der Netflix-Kasse. Zwar werden keine konkreten Zahlen genannt, aber Scorsese selbst spricht davon, dass sie erheblich waren.

So hat sich der Altmeister insgesamt nicht groß verbogen und trotzdem neue Elemente in sein Werk eingeführt. Er selbst sieht das übrigens sehr pragmatisch: "So ist das manchmal eben."

Das bleibt bewährt

Das in Scorseses Werken innewohnende epische Element kommt auch in "The Irishman" zum Tragen. Schon die erste Einstellung, eine langsame Kamerafahrt durch ein Altenheim, wirkt vertraut.

Zu diesem Stilmittel gesellt sich eine mit Bedacht ausgesuchte Filmmusik. In den 210 Minuten kommt eine Menge davon vor. Die Titel im Abspann wirken fast wie eine eigene, nicht enden wollende Rubrik.

Fazit

Wenn dieser Abspann rollt, wurde man gerade dreieinhalb Stunden lang großartig unterhalten, von Meistern des Fachs in eine andere, vergangene Epoche geholt und völlig vereinnahmt. Genau das macht gutes Kino aus.

"The Irishman" ist nicht "Good Fellas" oder "The Departed", obwohl ein gemeinsamer Geist, der durch all diese Werke weht, unverkennbar ist. Der Film ist, auch wenn das bei einem Altmeister wie Scorsese komisch klingt, eine Weiterentwicklung seines über Jahrzehnte aufgebauten, ganz persönlichen Stils.

Fans des Regisseurs und seiner Garde an Schauspieler-Legenden müssen das nicht fürchten. Im Gegenteil: Die geliebten, altbewährten Muster und Szenen, die so typisch sind für Scorsese, kommen auch in "The Irishman" vor. Es bleibt nur eben aufgrund der Länge des Films auch noch genug Zeit für so viel anderes Gutes.

Der Film ist daher zu empfehlen, auch für Neugierige, die bisher noch nicht viele Scorsese-Filme gesehen haben. Die Alteingesessenen werden ohnehin dabei sein und sie werden es nicht bereuen!

"The Irishman" läuft ab dem 14.11.2019 im Kino, auf Netflix startet der Film am 27.11.2019.

Männersache-Tipp

Nach diesen rein künstlerischen Erwägungen zum Abschluss noch etwas ganz Praktisches: Unbedingt darauf achten, dass eine Pause gemacht wird. Das kann man im Vorfeld bei den Kino-Bediensteten erfragen. Euer Körper, speziell das Sitzfleisch und die Blase, wird es euch danken!

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