wird geladen...
Corona-Update

Lockdown-Papier: Streeck kritisiert Maßnahmen

Der Virologe Hendrik Streeck und sein Kollege Jonas Schmidt-Chanasit kritisieren in einem Positionspapier die Corona-Strategie der Bundesregierung.

Hendrik Streeck
Kritisiert die Corona-Strategie der Bundesregierung: Hendrik Streeck Foto: imago images / teutopress

Kritik an offizieller Corona-Strategie

Am selben Tag, als Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder den Teil-Lockdown für November 2020 beschlossen, stellten die beiden Virologen Hendrik Streeck von der Universitätsklinik Bonn und Jonas Schmidt-Chanasit vom Tropeninstitut in Hamburg ein Positionspapier vor, das sie gemeinsam mit Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) aufgesetzt hatten.

Darin wird die aktuelle Strategie der Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie kritisiert. Den erneuten Lockdown halten die Autoren des Papiers beispielsweise für eine falsche Reaktion auf die gestiegenen Neuinfektionszahlen. Ihrer Ansicht nach würden die beschlossenen Maßnahmen zwar kurzfristig Wirkung erzielen, aber wie man in Spanien und Frankreich sehe, verpuffe dieser Effekt schnell wieder.

Zustimmen & weiterlesen
Um diese Story zu erzählen, hat unsere Redaktion ein Video ausgewählt, das an dieser Stelle den Artikel ergänzt.

Für das Abspielen des Videos nutzen wir den JW Player der Firma Longtail Ad Solutions, Inc.. Weitere Informationen zum JW Player findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bevor wir das Video anzeigen, benötigen wir Deine Einwilligung. Die Einwilligung kannst Du jederzeit widerrufen, z.B. in unserem Datenschutzmanager.

Weitere Informationen dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Kernforderungen des Positionspapiers

Statt auf Verbote zu setzen, sollten die Menschen laut Streeck & Co. zur Eigenverantwortung motiviert werden. "Wir müssen uns ehrlich eingestehen: Dieses Virus wird uns die nächsten Jahre begleiten. Deshalb müssen wir viel stärker darüber sprechen, wie das Zusammenleben trotz des Virus in größtmöglicher Freiheit stattfinden kann. Wir wollen und können es zusammen schaffen und zwar nicht mit Angst, Panik und Verboten, sondern mit dem Aufzeigen von Alternativen", heißt es in dem Positionspapier.

Zu den Kernforderungen, die die Autoren stellen, zählt u. a., dass ein bundesweit einheitliches Ampelsystem eingeführt wird, mithilfe dessen die Corona-Lage bis zur Kreisebene auf einen Blick erkennbar wird. Weiterhin sollen die vorhandenen Ressourcen vor allem dazu verwendet werden, die Menschen zu schützen, deren Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 hoch ist.

Letzteres wünscht sich einem Bericht des Focus zufolge auch der Epidemiologe Gérard Krause vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI): "Wir müssen die Infektionszahlen senken. Aber viel wichtiger ist, dass wir die Erkrankungszahlen senken. Und noch viel wichtiger ist, dass wir die Zahl der schweren Erkrankungen senken."

Das Positionspapier bezieht ebenfalls Stellung zu der Frage, welche Strategie bezüglich der Durchführung von Veranstaltungen gefahren werden sollte: "Gesellschaftlich und infektionsepidemiologisch ist es besser, wenn Menschen sich in öffentlichen Räumen mit Hygienekonzepten treffen, als dass sich die sozialen Begegnungen in vergleichsweise weniger sichere private Innenräume verlagern."

Kritik aus den eigenen Reihen

Bevor das Positionspapier vorgestellt wurde, haben 20 Berufsverbände und Organisationen aus dem Gesundheitswesen angeblich ihre Unterschrift darunter gesetzt. Nachdem es vorgestellt wurde, zeigten sich einige davon irritiert und verärgert. Zwei Ärzteverbände distanzierten sich explizit und behaupteten, dass ihre Unterschrift ohne Absprache unter dem Papier gelandet sei.

Auch viele Mediziner äußerten via Social Media und Pressemitteilungen massive Kritik, wie u. a. die Welt berichtet. Sie werfen den Streeck & Co. vor, die aktuelle Corona-Lage zu verharmlosen.