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Kündigungsfalle: Darf ich einen Kugelschreiber mit nach Hause nehmen?

Es scheint nur eine Bagatelle zu sein, kann aber zur fristlosen Kündigung führen: Büromaterial, das man mit nach Hause nimmt. Was diesbezüglich geht und was nicht, haben wir hier kurz und knapp zusammengefasst.

Büromaterial mit nach Hause genommen?
Büromaterial mit nach Hause genommen? Foto: iStock / tap10

Büromaterial als Kündigungsgrund

Die Rechtslage ist grundsätzlich eindeutig: Wer Büromaterial mit nach Hause nimmt, begeht Diebstahl. Dieser kann die fristlose Kündigung nach sich ziehen.

In der Praxis wird aber wohl kaum jemand sofort entlassen, weil er einen Bleistift oder Kugelschreiber aus dem Büro entfernt hat. Was aber ist genau – vor allem in Zeiten von Homeoffice – erlaubt und was nicht? Ein Überblick:

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Besser alles bestätigen lassen

Gibt es Materialien, die ich ohne vorherige Rücksprache aus dem Büro mit nach Hause nehmen darf? Antwort: Nein. Tatsächlich gehören alle Büromaterialien dem Unternehmen, das sie angeschafft hat. Bis hin zur letzten Reiszwecke.

Anders sieht es aus, wenn ein Vorgesetzter explizit erlaubt hat, dass diese und/oder jene Materialien mit ins Homeoffice genommen werden dürfen. Manchmal ist dies ja auch zwingend notwendig, um den gewohnten Job auch in gleicher Qualität in den eigenen vier Wänden weiterführen zu können.

Rechtsanwälte empfehlen, sich eine solche Aufstellung im Zweifelsfall schriftlich bestätigen zu lassen. Sicher ist sicher.

Diebstahl ist kein Bagatelldelikt

Niemand sollte darauf spekulieren, dass es sich beim Entwenden von klassischem Büromaterial in kleinem Umfang um einen sogenannten Bagatelldelikt handelt, denn die deutsche Rechtssprechung kennt eine derartige Regelung nicht. Diebstahl ist Diebstahl, es existiert keine Untergrenze.

Landet ein solcher Fall vor einem Arbeitsgericht, stehen die Chancen des Mitarbeiters dennoch relativ gut, dass seine Sache keine fristlose Kündigung nach sich ziehen wird, denn eine Strafe muss auch immer verhältnismäßig sein.

Auf die Vorgeschichte kommt es an

Richter urteilen oft, dass eine fristlose Kündigung nicht gerechtfertigt ist, wenn der vom Angestellten entwendete Materialwert sich nur im Bereich weniger Cents oder Euros bewegt, der Arbeitnehmer schon länger im Unternehmen tätig ist und sich bislang nichts hat zuschulden kommen lassen oder wenn der "Diebstahl" für die betreffende Person als untypisch anzusehen ist.

Eine Garantie ist dies natürlich nicht und schon gar kein Freifahrtschein. Auch ist es für die Rechtssprechung von großem Belang, ob der Chef seinen Angestellten im Vorfeld bereits wegen eines Diebstahls angemahnt und dieser dennoch seiner kleptomanische Ader weiter freien Lauf gelassen hat. In einem solchen Fall sieht es auch bei geringem Sachwert schlecht für den angestellten Langfinger aus.