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Kriegswaffenrückgabestation vor dem Bundeskanzleramt eingerichtet

Satire ist nicht bloße Unterhaltung, sie platziert meistens auch eine eindeutige Botschaft. Neuestes Beispiel: Die Kriegswaffenrückgabestation vor dem Bundeskanzleramt.

Kriegswaffenrückgabestation
Können hier gestohlene Kriegswaffen zurückgegeben werden? Foto: Getty Images / Maja Hitij

Kriegswaffenrückgabestation

Hilfe, der Bundeswehr werden immer mehr Waffen geklaut! Wo wandern die nur hin? Wer sind die Diebe? Egal, befindet Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), aber "bis Ende der Woche muss der Sprengstoff wieder da sein"!

Sonst wird Mutti nämlich böse. Und deswegen wurde jetzt eine Kriegswaffenrückgabestation direkt vor dem Bundeskanzleramt eingerichtet. Die reuigen Diebe mögen bitte das von ihnen entwendete Kriegsgerät dort wieder abgeben, dann gehen sie auch straffrei aus. Versprochen, echt ehrlich!

Professionelle Blendung

Die gesamte Aktion ist nicht echt, natürlich nicht, dennoch vollkommen überzeugend. Und das gleich in zweifacher Hinsicht. Erstens ist die Idee hinter der Satire eine sehr gute, beleuchtet sie doch das extrem reale Problem verschwundener Schusswaffen, Munition und Sprengstoffe aus den Reihen der Bundeswehr.

Zweitens wurde so viel Mühe in diese Aktion gesteckt, mit so viel Liebe zum Detail gearbeitet, dass nahezu jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt, ganz kurz denkt "Moment, ist das jetzt vielleicht doch ernst gemeint?" Das ist natürlich perfekt.

Inklusive Internetauftritt

Neben dem imposanten Aufbau direkt vor dem Kanzleramt, inklusive Rückgabeklappe, wie man sie von Altkleidercontainern kennt, wird die Aktion auch von einem umfangreichen und professionell aufbereiteten Internetauftritt flankiert.

Unter www.unsere-waffen.de trifft der Interessierte auf eine Menge Material und Informationen. Sogar an das Impressum und eine Unterseite zum Datenschutz wurde gedacht.

Zentrum für politische Schönheit

Hinter all dem steckt das "Zentrum für Politische Schönheit" (ZPS), das nicht zum ersten Mal mit beissendem Spott auf Defizite im alltäglichen Ablauf unserer schönen Demokratie hinweist.

Laut Wikipedia ist das ZPS "ein Zusammenschluss von etwa 70 Aktionskünstlern und Kreativen (Stand: Dezember 2011) unter der Leitung des Philosophen und Aktionskünstlers Philipp Ruch."

Humanität durch Satire

Ziel des ZPS ist es, durch künstlerische Interventionen auf "humanitäre Themen" und den "Schutz von Menschenleben" aufmerksam zu machen. Der Deutschlandfunk sagt: "Aufrüttelnde und provozierende Aktionen im Namen der Menschenrechte sind [sein] Markenkern."

Der Öffentlichkeit auf breiter Fläche bekannt wurde das ZPS ein erstes Mal durch die Errichtung eines "Holcaust-Mahnmals" vor dem Privathaus des AfD-Politikers Björn Höcke.