Unbewusst Körpersprache: An diesen Signalen erkennst du, ob jemand lügt

Welt der Wunder 14.03.2019

Die Hände sind wie eine Geheimsprache unseres Körpers. Deren Vorteil: Sie kann von jedem verstanden werden und verrät uns zugleich manchmal mehr über unser Gegenüber, als das uns zu sagen bereit ist. Wer diese Geheimsprache daher zu beherrschen weiß, verfügt über eine mächtige Waffe. Welt der Wunder enthüllt die geheimen Codes unserer Hände und erklärt, wie wir sie für uns nutzen können …

Signale der Körpersprache
Foto:  iStock / kickimages
 

Körpersprache: An diesen Signalen erkennst du, ob jemand lügt

Genau 13 Sekunden dauert der Handschlag, auf den die Blicke der Weltöffentlichkeit gerichtet sind. Es ist ein historischer Moment, denn nie zuvor hat es ein Gipfeltreffen zwischen einem amtierenden amerikanischen Präsidenten und einem nordkoreanischen Machthaber gegeben.

Über das, was Donald Trump und Kim Jong-un nach diesem Handschlag vom 12. Juni 2018 auf der Insel Sentosa vor Singapur besprechen, werden keine Details bekannt – das Treffen gleicht einer Blackbox: Kein Außenstehender weiß, was in ihrem Inneren passiert, und am Ende wird man mit inhaltsleeren Floskeln und gegenseitigen Lobeshymnen abgefertigt.

Und doch lässt sich eine Menge über den wahren Verlauf der Begegnung sagen, denn genau an dem Punkt, wo die Politikwissenschaft nicht weiterkommt, schlägt die große Stunde der Gestenforscher. Sobald die Kamera auf Sendung geht, beginnt eine Armada von Körpersprache-Experten, jede Sekunde an Bildmaterial auszuwerten, um zu enthüllen, was wirklich hinter den Kulissen passiert.

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Entscheidend dafür sind nämlich weniger die gesprochenen Worte als vielmehr die nonverbalen Signale, die Trump und Kim aussenden, kurz: ihre Körpersprache.

Denn ohne dass es den beiden bewusst ist, verraten eben jene 13 Sekunden am deutlichsten, worum es bei diesem Treffen und den folgenden Verhandlungen tatsächlich gehen wird: nicht um Waffentests, Abrüstung oder Diplomatie, sondern um die Demonstration von Dominanz.

Schon der Handschlag zwischen den beiden gibt die Richtung vor – noch bevor überhaupt das erste Wort gesprochen ist …

Wie viele Dominanzgesten stecken in einem Handschlag?

Der australische Körpersprache-Coach Allan Pease hat die 13 Sekunden genau analysiert. "Das war kein normaler Händedruck", konstatiert der 66-Jährige. "Das ging rauf und runter. Keiner wollte, dass der andere aus dieser Kraftprobe als Sieger hervorgeht."

Die Expertin Karen Leong pflichtet ihm bei: "Wenn die ihre Hände drücken, färben sich die Fingerspitzen weiß – das zeigt: Die beiden Männer sind Alphatiere. Beide wollen ihre Dominanz unter Beweis stellen, deswegen der fast knochenbrechende Händedruck."

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Hinzu kommt: Trump klopft Kim dabei auf den Oberarm, "das ist eine klare Dominanzgeste", so der Körpersprache-Experte Stefan Verra. Und dieses Muster setzt sich auch anschließend fort, denn als sich die beiden auf den Weg machen, berührt der US-Präsident sein Gegenüber immer wieder kurz am Arm oder am Rücken.

"Er leitet ihn, gibt klar den Weg vor", erklärt Verra. Allan Pease sieht es genauso: "Trumps Worte waren versöhnlich, fast demütig. Aber seine Körpersprache signalisiert ganz klar 'Ich habe hier das Sagen!'" Ein Beispiel, das eines deutlich macht: Richtig eingesetzt, können Gesten eine echte Waffe sein.

Kann jeder sich die Macht der Gesten zunutze machen?

Noch bis in die 90er-Jahre dachten Neurologen und Sprachforscher, Gesten seien eine Art belangloses Beiwerk der Sprache, das lediglich dazu dient, Gesagtes zu unterstreichen und zu verdeutlichen.

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Mittlerweile weiß man jedoch, dass das, was wir sagen, und das, was unsere Hände erzählen, zwei grundverschiedene Versionen einer Geschichte sein können. Die Gestik ist also eine Art Geheimsprache unseres Körpers und damit für die Wissenschaft gleich in mehrfacher Hinsicht ein faszinierendes Forschungsfeld:

1. Sie kann von jedem verstanden werden, wird dabei aber meist nur unterschwellig wahrgenommen – was uns wiederum anfällig für Manipulationen macht, gegen die wir uns nicht wehren können.

2. kann sie uns aber auch – wie im Fall von Trump und Kim – mehr über jemanden verraten, als dieser durch seine Worte zu sagen bereit ist.

"Die Beobachtung der Hände von Politikern kann Wählern helfen, deren Absichten zu erkennen", sagt Allan Pease. Das wiederum führt zum dritten Punkt, denn was kaum jemand weiß: Körpersprache lässt sich durch gezieltes Coaching sehr wohl beherrschen und als Machtinstrument einsetzen.

Vorteil: Der Zuschauer kann meist nicht unterscheiden, welche Geste des Politikers unbewusst und welche planvoll eingesetzt wird, um ihn in dessen Sinne zu beeinflussen. Wladimir Putin etwa hat das früh erkannt und schon 1991 als Vertreter des KGB ein Seminar von Allan Pease besucht.

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"Seine aggressive Gestik wirkte ängstlich und furchteinflößend zugleich und kam in den Medien nicht gut an", so der Körpersprache-Coach. Der russische Präsident ist dabei kein Einzelfall. Auch Angela Merkel wurde über Jahre in Sachen Mimik und Gestik geschult.

Wie gewinnt man innerhalb weniger Sekunden die Oberhand, ohne ein Wort zu sagen?

Auch Donald Trump beherrscht eine Reihe von Dominanzgesten, seine Körpersprache ist dabei aber längst nicht so subtil wie die eines Wladimir Putin oder einer Angela Merkel. Dadurch verrät sie oft deutlich mehr als eine seiner Reden oder Tweets.

Obwohl seine Bewegungen wenig elegant wirken, ist diese große Gestik für Stefan Verra ein entscheidender Faktor für den Erfolg des US-Präsidenten: "Die Menschen haben hier ein Alpha-Tier gewählt, keine Partei. Und Trump will signalisieren: 'Ich bin sicher und stark, ich kann euch beschützen.'"

Diese Dominanz zeigt sich am deutlichsten bei seinen berüchtigten Handschlägen – das musste auch der japanische Premierminister Shinzo Abe bereits erfahren: Bei ihrem Treffen zerrte Trump ihn ruckartig zu sich und hielt dann 18 Sekunden vor Fotografen tätschelnd seine Hand fest, ehe der Premier sich erleichtert befreien konnte.

Die Treffen zwischen Trump und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron oder dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau zeigen dagegen, dass man Gesten auch gezielt trainieren kann, um die eigene mediale Wirkung zu steuern – oder die Dominanzsignale seines Gegenübers zu entschärfen:

"Trudeau geht auf Trump zu, legt seine linke Hand auf dessen Oberarm und schüttelt ihm fest die Hand", erklärt Verra. "Kein Getätschel, kein Gezerre. Mit einem Augenzwinkern sagt er: 'Ich bin dir überlegen!'"

Ob Trudeau oder Trump: Beide Beispiele zeigen, dass entscheidend bei jedem Händedruck ist, wer die Oberhand gewinnt – und das seit 4000 Jahren: Damals, in der Zeit des Römischen Reichs, begrüßten sich die Truppenführer nach einer Schlacht noch in einer Weise, die man heute eher als Armdrücken bezeichnen würde.

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"Das heißt: Wenn der eine stärker war als der andere, blieb seine Hand über der des anderen – eine Position, die 'Oberhand' genannt wird", erklärt Allan Pease. Auch wenn der Händedruck heute anders aussieht, hat sich daran nichts geändert.

Wann immer wir uns per Handschlag begrüßen, wird unbewusst eine der folgenden Grundhaltungen vermittelt: Dominanz (man dreht die Hand so, dass die Handfläche beim Handschlag nach unten zeigt), Unterwerfung (Handfläche weist nach oben) oder Gleichstellung (beide Handflächen in senkrechter Position).

Jeder Händedruck macht somit von vornherein die Rollenverteilung klar und bestimmt den weiteren Verlauf einer Begegnung.

Wie ziehe ich jemanden mit einer Geste auf meine Seite?

"Uns reicht eine Zehntelsekunde, um uns von Fremden ein Bild zu machen. Darüber geben vor allem Gesicht und Hände Auskunft", sagt der Anthropologe Karl Grammer. Tatsächlich speichert unser Gehirn visuelle Informationen deutlich leichter als verbale.

Der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian konnte nachweisen, dass nur sieben Prozent dessen, was bei uns ankommt, tatsächlich Worte sind. "Wenn es darum geht, Wähler zu gewinnen, ist die Körpersprache des Politikers daher wesentlich wichtiger als die Inhalte und die Parteizugehörigkeit", sagt der Gestik-Experte Dirk Eilert.

Das Verblüffende: Ein und dieselbe Rede kann durch unterschiedliche Handbewegungen völlig konträre Wirkungen auf das Publikum haben. Das konnte Kommunikationstrainer Allan Pease durch ein Experiment nachweisen, bei dem vor verschiedenen Zuhörern wortgleiche Vorträge mit drei unterschiedlichen Handgesten gehalten wurden:

Die Redner, die überwiegend mit nach oben gerichteten Handflächen gestikulierten, erhielten später 84 Prozent Zustimmung. Hielten sie exakt den gleichen Vortrag vor einem anderen Publikum mit der Handfläche nach unten, sank die Zustimmung auf 52 Prozent.

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Das dritte Mal gebrauchten die Redner dagegen durchgängig den Zeigefinger und konnten so nur 28 Prozent für sich gewinnen, viele Zuhörer verließen gar den Raum. Ein Großteil des Publikums konnte sich zudem hinterher nicht einmal mehr an den Inhalt des Vortrags erinnern.

Während die erste Geste als freundlich und gewinnend wahrgenommen wurde, wirkten die zweite und die dritte Geste autoritär und aggressiv. "Nicht von ungefähr zeigt beim Hitlergruß die Handfläche nach unten und nicht nach oben", merkt Allan Pease an.

Der Diktator konnte sich diese aggressive Geste erlauben, weil seine Machtposition zu dem Zeitpunkt, als sie etabliert wurde, bereits gefestigt war, und seine Anhänger zudem dominiert werden wollten.

Wie übt man mit einer Berührung Dominanz aus?

Doch nicht nur Politikerreden stecken voller Körpersprache-Signale – im Alltag sind sie mindestens genauso häufig zu beobachten. Schon eine kurze Handberührung kann eine sanfte Dominanz ausüben, wie mehrere Studien belegen.

So stieg etwa der Anteil jener, die auf der Straße eine Petition unterzeichnen sollten, nach einer kurzen Berührung von 55 auf 81 Prozent. In einem anderen Experiment halfen 90 statt 63 Prozent der Probanden einem Fremden beim Aufheben seiner heruntergefallenen Sachen, wenn er sie vorher berührt hatte.

Wie aber entstehen Gesten überhaupt, warum werden sie eingesetzt, wie sehen sie in unterschiedlichen Kulturen aus und vor allem: Wie kann ich sie richtig deuten und dadurch für mich selber nutzen?

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Lange hatten Sprachwissenschaftler darauf keine Antwort, da diese zweite Sprache unseres Körpers nur am Rande untersucht wurde. Doch genau das versucht ein Forscherteam um Cornelia Müller von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder gerade grundlegend zu ändern …

Gibt es eine geheime Grammatik der Gesten?

Über Jahre hat Müller gemeinsam mit Linguisten und Neurologen 80 Stunden Videomaterial von Talkshows, Vorlesungen und Gesprächen ausgewertet. Dabei wurde jede Geste nach vier Parametern untersucht: Handform, Orientierung der Handfläche, die ausgeführte Bewegung und die Lokalisierung im Raum.

Wann beginnt und endet eine Geste? Geht sie in eine andere Geste über? Welche Bedeutung hat sie? Welches Grundmuster liegt ihr zugrunde? Übergeordnetes Ziel der Untersuchung ist es, eine eigene Grammatik zu erstellen, die neben Lauten und Zeichen auch Gesten als festen Bestandteil der Sprache einbezieht.

Was als kleines Projekt begann, hat sich mittlerweile zu einem internationalen Netzwerk der Gestikforschung ausgeweitet. Die wichtigste Erkenntnis der Wissenschaftler: Es gibt insgesamt nur zwei übergeordnete Typen des Gestikulierens.

Müller nennt sie agierende und repräsentierende Gesten. Agiert man beim Sprechen, werden Handlungen tatsächlich mit den Händen nachgeahmt: das Wegwischen von Schmutz etwa.

Bei repräsentierenden Gesten hingegen "werden unsere Hände zu Skulpturen, die die Form von Papier, Stiften oder Kugeln nachbilden", erklärt die Sprachforscherin.

Unter diese beiden Oberkategorien lassen sich wiederum unzählige Gesten einordnen. Diese können universell gültig sein, so wie es zugleich häufig kulturelle Unterschiede gibt: Deutsche gestikulieren etwa eher aus dem Handgelenk, Spanier oder Italiener hingegen aus der Schulter oder zumindest aus dem Ellenbogen.

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Bislang konnten die Forscher um Cornelia Müller 16 sogenannte rekurrente Gesten identifizieren, die teilweise seit Jahrtausenden fest in den jeweiligen Kulturkreisen verankert sind und daher in ihrer Grundform immer gleichbedeutend sind.

Von den sogenannten "singulären Gesten" existieren laut Müller dagegen so viele, wie es Menschen auf der Erde gibt, da sie spontan während des Sprechens entstehen und mitunter nur von einer einzigen Person in einem ganz bestimmten Kontext genutzt werden.

Die schier unendliche Zahl an Gesten zeigt, dass die Forscher noch immer ganz am Anfang stehen und ihre Grammatik ein stetig fortlaufendes Projekt ist, das nie abgeschlossen werden kann, da noch längst nicht alle Gesten entdeckt sind und permanent neue mit anderen Bedeutungen erfunden werden.

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