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Mystery-Update

Joseph DeAngelo: Der Mann, der drei Serienmörder war

Einem der gefürchtetsten Serienmörder aller Zeiten wird jetzt der Prozess gemacht. Unsere Kollegen von tv14 über einen Mann, der in Kalifornien jahrzehntelang Angst und Schrecken verbreitet hat – und über einen Ermittler, der nie aufgegeben hat, ihn zu finden.

Joseph DeAngelo
Joseph DeAngelo Der dreifache Serienmörder Joseph DeAngelo Getty Images / Justin Sullivan / iStock/ ianmcdonnell (Collage Männersache)

Der schlimmste Serienmörder Kaliforniens

Paul Holes vergewissert sich ein letztes Mal und schaut auf sein Handy. 8316 Canyon Oak Drive, Citrus Heights – hier muss es sein. Er parkt seinen Wagen am Straßenrand und schaut auf das unscheinbare Einfamilienhaus gegenüber.

24 Jahre hat er auf diesen Moment hingearbeitet. Nie zuvor war er seinem Ziel so nah wie an diesem Frühjahrstag am 29. März 2018. Keine 50 Meter von ihm entfernt sitzt der meistgesuchte Serienmörder Kaliforniens in seinem Wohnzimmer.

Vollkommen ahnungslos aber bewaffnet. In einem Hollywoodfilm würde der Ermittler jetzt ins Haus eindringen und die Zielperson unter Einsatz seines Lebens festnehmen. Doch das hier ist nicht Hollywood, sondern Sacramento.

Und Polizeiarbeit kein Wildwestspiel. Und so dreht Detective Paul Holes den Zündschlüssel um und fährt wieder davon.

Er weiß: Es fehlt noch ein Puzzlestück, um ganz sicher zu gehen, dass Joseph DeAngelo der Golden State Killer ist – der Serienmörder, der mindestens 13 Menschen umgebracht und 50 Frauen vergewaltigt hat.

"Weißt du noch, wie wir gespielt haben? "

Die Angst verbreitet sich wie ein Virus in den Straßen des Sacramento Countys, auch East Area County genannt.

Ende 1975 beginnt im Herzen Kaliforniens ein maskierter Mann scheinbar wahllos in Häuser einzudringen, Frauen zu vergewaltigen und Ehemänner und Väter zu töten, die ihn von seinen Taten abhalten wollen.

Doch der sogenannte East Area Rapist bleibt ein Phantom. Genauso wie der Diamond Knot Killer, der wenige Jahre später ebenfalls maskiert seine Opfer mit einem Tau (mit dem sogenannten Diamantenknoten) fesselt und dann auf bestialische Weise umbringt.

Und auch der Original Night Stalker, der von 1979 bis 1986 im Hunderte Kilometer entfernten Südkalifornien an der Küste mit einer Ski-Maske vermummt in Häuser einbricht und die Bewohner foltert und tötet, bleibt unerkannt.

"Die Leute haben sich Hunde gekauft und mit Schrotflinten unter dem Kissen geschlafen", erinnert sich der ehemalige FBI-Agent Marcus Knutson.

Drei Mordserien – Alle vom selben Täter?

Auch wenn im Laufe der Zeit Dutzende verschiedene Phantombilder erstellt werden, 8000 verschiedene Verdächtige ins Visier der Behörden geraten und sich die Jagdreviere über 14 Bezirke in ganz Kalifornien verteilen, dämmert den Ermittlern aufgrund der ähnlichen Vorgehensweise der Verbrechen, dass für alle drei Mordserien derselbe Täter verantwortlich sein muss.

Als die Mord- und Vergewaltigungsserie 1986 abrupt endet, sucht die Sonderkommission schließlich nur noch einen Mann: den Golden State Killer.

Das Problem: Nach mehr als einem Jahrzehnt gibt es so gut wie keine Anhaltspunkte über die Identität des Serienkillers. Keine Fingerabdrücke, keine Überwachungsvideos, keine genauere Beschreibung.

Und auch DNA-Spuren, die der Serienkiller am Tatort hinterließ, ergeben keinen Treffer in der Datenbank. "Es ist unglaublich, dass er so viele Verbrechen begehen konnte, ohne jemals einen großen Fehler zu begehen", wundert sich der ehemalige Mordermittler Ray Biondi, der 17 Jahre lang an dem Fall mitgearbeitet hat.

Und doch gibt es immer wieder Lebenszeichen des "Geists" von Sacramento. Er schreibt Briefe, hinterlässt Schriftstücke und bedroht (überlebende) Opfer am Telefon. Das letzte Mal am 6. April 2001, 15 Jahre nach seinem letzten Mord.

Telefonterror Jahre nach der Tat

Die Stimme lässt das Blut von Rosemarie Tenner (Name v. d. Red. geändert), die von dem Golden State Killer in den Achtzigerjahren vergewaltigt wurde, in den Adern gefrieren: "Weißt du noch, wie wir gespielt haben?"

Dann knackt es in der Leitung, der Golden State Killer hat aufgelegt. Zu dieser Zeit hat sich Paul Holes bereits so tief in den Fall eingearbeitet wie kein anderer Ermittler vor ihm. Hatten die Kollegen etwas übersehen?

Wie besessen sucht der Detective nach kleinsten Hinweisen, nach jedem noch so unscheinbaren Detail, nach jeder noch so unwahrscheinlichen Möglichkeit, den Serienmörder zu überführen. Vergebens – bis vor gut einem Jahr.

Im Herbst 2017 stößt Cheffahnder Paul Holes bei seinen Recherchen auf eine Gendatenbank namens Gedmatch.com. Dort laden Nutzer ihre Gendaten hoch, die sie bei dem Unternehmen entziffern lassen haben.

Auf der Website können die privaten Ahnenforscher dann ihre genetischen Profile mit anderen Usern vergleichen und so Menschen finden, die mehr oder weniger nah mit ihnen verwandt sind.

"Keine andere Ermittlung in der Geschichte Kaliforniens hat so viele Ressourcen verbraucht wie die zum Golden State Killer"

Fast eine Millionen User haben das mittlerweile getan. Holes’ Idee: Wenn unter diesen Menschen nur ein Verwandter des Golden State Killers wäre, von dem sie zumindest eine DNA-Probe besitzen, hätten sie eine erste Spur.

Und so registriert sich der Ermittler im vergangenen Jahr bei Gedmatch.com unter einem falschen Namen – und lädt dazu die Gendaten des Serienmörders hoch.

Und tatsächlich: Nach wenigen Tagen entdeckt Holes in der Datenbank ein DNA-Profil, das überdurchschnittlich viele Parallelen zu dem sichergestellten Genmaterial von einem der Golden-State-Killer-Tatorte hat.

Plötzlich gibt es einen Ausgangspunkt, von dem aus die Fahnder ihre Suche neu starten können. Holes stellt umgehend ein fünfköpfiges Ermittlerteam zusammen, das vier Monate lang von diesem Profil ausgehend Familienstammbäume erstellt.

"Wir mussten die Verwandtschaftslinie des Verdächtigen bis zu dessen Ur-Ur-Ur-Großeltern Anfang des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen, um gemeinsame Vorfahren mit dem Täter zu finden.

Joseph DeAngelo vor Gericht
Joseph DeAngelo vor Gericht Joseph DeAngelo vor Gericht Getty Images / Justin Sullivan

Am Ende war es ein Cousin vierten Grades, der mit seiner Online-Genprobe den Golden State Killer überführte – ohne es zu wissen, geschweige denn, ihn zu kennen", sagt Holes.

Tatsächlich hatten die Ermittler im März 2018 insgesamt 25 Familienstammbäume mit mehr als 1000 Verwandten des Serienmörders überprüft.

Einengung des Täterkreises per DNA-Analyse

Am Ende blieb nur ein Mann übrig, der vom Alter, Wohnort und von seiner Biografie für die dreizehn Morde und fünfzig Vergewaltigungen in Frage kommt: Joseph DeAngelo.

"24 Jahre hatte ich den Golden State Killer gejagt – und jetzt hatte dieses Phantom endlich ein Gesicht und einen Namen", sagt Holes.

Um ganz sicher zu gehen, fehlt den Ermittlern jedoch noch eine DNA-Probe von DeAngelo selbst, um sie mit der des Golden State Killers abzugleichen.

Daher entscheidet sich Paul Holes am 29. März 2018, dem letzten Arbeitstag vor seiner Pensionierung, vor DeAngelos Haus nicht aus seinem Wagen auszusteigen, sondern wieder zu fahren.

Stattdessen beschatten seine Kollegen die Zielperson in den folgenden Wochen und nehmen eine DNA-Probe vom Türgriff seines Wagens. Volltreffer.

Am 24. April stürmt schließlich eine Spezialeinheit das Haus des Serienmörders. DeAngelo leistet keinen Widerstand. Er bittet die Polizisten lediglich, sich um seinen Braten im Ofen zu kümmern.

In den kommenden Monaten wird Kaliforniens gefürchtetstem Serienmörder jetzt der Prozess gemacht.

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