Film-Kritik "Iron Sky: The Coming Race" – Die Mondnazis sind zurück

Michael | Männersache 12.02.2019

Die Legende will es, dass sich eines Tages ein paar Finnen in der Sauna trafen und die Idee zu einem Film ersannen, wie sie wohl nur die Kombination aus Hitze, Alkohol und finnischem Humor hervorbringen kann: Iron Sky. Jetzt läuft der zweite Teil an.

Genau wie der erste Film, so ist auch "Iron Sky: The Coming Race" teilweise durch Crowdfunding realisiert worden. Während aber Teil eins im Jahre 2012 mit etwa 7.5 Millionen Dollar auskommen musste, konnte Regisseur Timo Vuorensola diesmal auf etwa das dreifache Budget zurückgreifen.

Das sieht man dem Film auch an. Wirkt der erste Film noch wie ein ambitioniertes B-Movie, kann Teil zwei, was die Optik und den Gesamteindruck angeht, mit von großen Studios finanzierten Hollywood-Krachern mithalten.

 

Iron Sky: The Coming Race

Wenn da nicht die Story wäre, denn die ist trashig. Das wird die einen nicht wundern (sie haben es erwartet) und die anderen nicht stören (sie halten es für ein Gütesiegel).

Der Film beginnt hervorragend. US-Präsidentin Palin lässt sich angesichts der nuklearen Zerstörung von Washington mal eben in das geheime Untergrund-Hauptquartier der Weltenbeherrscher fliegen, wo eine illustre und eindeutig wiedererkennbare Schar von psychopathischen (Ex-)Politikern hockt und sich freut, dass die Menschheit gerade den Sittich macht.

Udo Kier in Iron Sky 2: The Coming Race
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Mehr sei vom Inhalt nicht verraten, das haben andere schon getan. Nur noch so viel: Der Rest der Menschheit hat sich mit Raumschiffen auf den Mond gerettet, wo man jetzt mit Ex-Nazis auskommen muss.

 

Adolf Hitler reitet auf einem T-Rex durch die Mondbasis

Dann tauchen die Vril auf, eine alte Alien-Rasse, denen auch Mondführer Kortzfleisch und sein Bruder Adolf Hitler (beide gespielt von Udo Kier) entstammen. Der reist von der Erde aus kommend an und beginnt schnurstracks damit, die Mondbasis unsicher zu machen – auf einem T-Rex reitend!

Irre genug? Es kommt noch besser. Das Erdinnere ist hohl und auf dem Mond hat sich die Sekte der Jobsisten gebildet. Sie vertreten die reine Lehre des Designs und dulden kein Jailbreak.

Diesem Drehbuch aus dem achten Bannkreis des Absurden entspringen einige nette Ideen.

Gerade die Jobsisten sorgen mit ihrer unverhohlenen Technik-Sekterei für eine Systemkritik, wie sie nur im Zeitalter des Smartphones entstehen kann.

Sogar eine Persiflage auf den berühmten Apple-Spot von 1984 wird gewagt.

Der Predator in Aktion
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Fraglich, ob das alle in die Kinosäle strömenden Besucher verstehen werden. Denn so trashig wie der Film trotz teils sehr guter Effekte daherkommt, fordert er doch auch immer ein ordentliches Maß an allgemeiner Zeitgeist-Bewandtheit, eine Fähigkeit, die man etlichen jüngeren Filmkonsumenten wohl absprechen dürfte.

 

Iron Sky 2: Opulenter Zeitgeist-Trash

Es ist zwar möglich, sein Gehirn in bewährter Eskapismus-Manier für die Zeit des Films auszuschalten. Dann aber ist Iron Sky 2 nur halb so gut.

Besser, man bleibt aufmerksam und lauscht auch auf die kleinen, aber feinen Anspielungen, von denen es im Film recht viele gibt.

Wer also die Meta-Ebene mitnimmt, kann sich über eine Fortsetzung freuen, die auch deswegen gelungen ist, weil sie das Erwartbare ("Mondnazis never die!") mit einigen neuen Ideen verbindet.

Iron Sky 2: Der Mondführer ist zurück
Iron Sky 2: Der Mondführer ist zurück   Foto: Splendid Film GmbH

Die restlichen Kinogänger werden den zweiten Teil von Iron Sky ohne Hintergedanken schauen und sich im Anschluss dann wohl fragen, ob es zwingend noch einen dritten Teil geben sollte.

"Iron Sky: The Coming Race" läuft am 21. März in Deutschland an.

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