Was in ihm steckt Gin Botanicals: Der Geist in der Flasche

24.11.2017
Gin Botanicals
© iStock/LUNAMARINA

Wer einen Gin beschreibt, beschreibt seine Botanicals. Wir erklären dir, was Botanicals sind, warum sie wichtig sind und welche Arten es gibt.

 

Was sind Gin Botanicals?

Ohne Botanicals kein Gin. Erst das Zusammenspiel von Wacholder, Kräutern, Früchten und Gewürzen machen aus einem Trinksprit eine feinsinnige Angelegenheit. Alle diese pflanzlichen Zutaten heißen Botanicals oder Drogen, wie die Zutaten früher genannt wurden. In den Destillerien auf der ganzen Welt werden immer neue Sorten ausgeklügelt – würzige, fruchtige und selbst exotische. In welche Geschmacksrichtung der Gin tendiert, entscheidet die individuelle Zusammenstellung der Botanicals, die geheime Rezeptur, die kein Hersteller freiwillig preisgibt. Drum bedenke: Erst wenn du den tiefen Sinn der Botanicals verstanden hast, wirst du die ganze Herrlichkeit des Gin-Universums begreifen.

 

Welche Botanicals müssen drin sein?

Die einzige fest definierte Zutat ist Wacholder. Wacholder und Gin sind quasi ein untrennbares Paar. Es gibt Hunderte Botanicals. Einige Gin-Sorten enthalten nur drei Zutaten, andere trumpfen mit über 40 verschiedenen Botanicals auf. Was sie aber alle gemeinsam haben, ist der Wacholder. Das unverkennbare feinherbe, würzige Aroma der kleinen blau-schwarzen Beeren muss bei jedem Gin erkennbar sein. Mal mehr und mal weniger vordergründig. Im gängigen Dry Gin oder London Dry Gin zum Beispiel geben die Wacholdernoten den Ton an. Beim süßlich-fruchtigen Sloe Gin tritt der Wacholder dagegen etwas in den Hintergrund.

 

Die wichtigsten Gin Botanicals

Einige Gins kommen mit nur sehr wenigen Botanicals aus. Andere Überflieger wollen mit Dutzenden Zutaten überzeugen. Ob mehr als zwanzig Bestandteile noch einen Unterschied machen, sei jetzt mal dahingestellt.

Zu den wichtigsten Botanicals zählen Gewürze wie:

  • Kardamom
  • Koriandersamen
  • Pfeffer
  • Nelken
  • Paradieskörner – das sind würzig-scharfe Samen aus Afrika, die in der europäischen Küche kaum noch verwendet werden

Was eigentlich auch fast immer seinen Weg in den Gin findet, sind Zitrusaromen von Orangen, Zitronen, Limetten oder Grapefruit. Meistens werden dafür die Schalen genommen, aber auch die Blüten oder ganze Früchte finden Verwendung. Selbst Kaffir-Blätter, die du wahrscheinlich von deinem Lieblings-Thai um die Ecke kennst, gehören in die unerschöpfliche Schatzkiste der Gin Botanicals. 

Die dritte große Gruppe der Gin Botanicals sind Kräuter wie:

  • Rosmarin (z.B. im Mare Gin)
  • Thymian
  • Estragon
  • Lavendel
  • aber auch: würziges Wermutkraut
  • blumige japanischen Tee-Hortensie
  • und viele mehr

Es ist offenbar fast alles möglich, was bisweilen jedoch zu erstaunlichen Auswüchsen führt.

 

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Trend: Exotische Gin Botanicals

Auf der großen Gin-Trendwelle wollen immer mehr Hersteller schwimmen. Die Folge: Die verwendeten Botanicals werden immer exotischer. Seetang, Eukalyptus oder indisches Tulsi-Basilikum – es gibt inzwischen unfassbar exotische Kreationen. Gewiss, der ein oder andere Rohrkrepierer ist immer dabei, dennoch gab es viele gefeierte Gin-Releases unter den Exoten.

Der Boudier Saffron Gin aus dem französischen Dijon verwendet beispielsweise echten Safran, das teuerste Gewürz der Welt. Im Akori Gin kommen zusätzlich Drachenfrüchte und Kumquats zu Einsatz. Ein spannender Exot kommt sogar aus Deutschland: Der Hamburger Elephant Gin setzt mit Aromen von Apfel, Kiefernnadeln, Ingwer, afrikanischem Wermut, Teufelskralle und Baobab Akzente.

 

Wie kommt das Aroma in den Gin? 

Damit das Aroma der Botanicals in den Gin wechselt, werden zwei verschiedene Verfahren angewendet: Mazeration und Perkolation. Bei der Mazeration werden die Botanicals meist im getrockneten Zustand in eine Alkohollösung gegeben und oft mehrere Tage eingeweicht. Anschließend wird dieses Gemisch dann zu Gin destilliert. Es gibt aber auch Ausnahmen, das nachträgliche Mazerieren beim Sloe Gin (Schlehen-Gin) zum Beispiel, wo die Schlehen im fertigen Gin eingeweicht werden. So bleibt die Farbe, die in den Gin übergegangen ist, erhalten.

Bei der aufwendigeren und selteneren Perkolation werden die Botanicals nicht eingeweicht, sondern mit einem Alkohol begossen, also ähnlich wie beim Kaffeebrühen. Anschließend wird die Flüssigkeit zu Gin destilliert. Zu erklären, wie die Destillation im Einzelnen funktioniert, würde hier den Rahmen sprengen. Wichtig für dich ist: Die Vermählung der Aromen findet in der Regel vor dem Destillieren statt.

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