Die deutschen Weltentdecker

Georg Forster: Die Expedition, die den Völkern der Südsee eine Stimme verlieh

Sie kommen in riesigen Schiffen, ihre polierten Rüstungen glänzen in der Sonne. Sie tragen Schwerter und Feuerwaffen mit sich. Und sie halten ihren christlichen Gott in Form eines Kreuzes vor sich. Sie bringen den wahren Glauben, den Fortschritt und die europäischen Werte für all jene, die bereit sind, sich zu unterwerfen. Für alle anderen bringen sie Tod und Zerstörung … Heute im Kurzportrait: Georg Forster.

Die Insel Kauai, Hawaii
Paradies in der Südsee (Symbolbild) Foto: iStock / HaizhanZheng

Der Entdecker Georg Forster

Als Georg Forster am 13. Juli 1772 das Forschungsschiff "Resolution" betritt, ist er gerade einmal 17 Jahre alt. Sein Vater Reinhold hatte das Angebot bekommen, an James Cooks zweiter Südsee-Expedition teilzunehmen, und hat seinen Sohn als Lehrling mit an Bord genommen. Zuvor hatten die beiden bereits kleinere Forschungsreisen für Zarin Katharina II. durchgeführt.

In der Südsee erkunden die Forsters unter anderem Neukaledonien, Tahiti, Bora Bora und Neuseeland – sie reisen so weit nach Süden wie keine Expedition vor ihnen – und widerlegen so die These, dass es einen Südkontinent jenseits von Australien gibt. Auf der Reise vertieft Georg, zunächst unter Anleitung seines Vaters, seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse. Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass dieser junge Naturforscher später mit seinen Tagebüchern und Aufzeichnungen die wissenschaftliche Naturforschung in Europa revolutionieren wird.

Georg Forster ist überwältigt von der Schönheit der Südsee und der schier endlosen Artenvielfalt. Mit beeindruckenden Zeichnungen hält er die ihm unbekannten Pflanzen und Tiere fest und beschreibt detailliert ihre Eigenschaften. Bis zum Ende der Reise katalogisiert Forster auf diese Weise mehr als 400 bis dahin unbekannte Pflanzen- und Tierarten.

Reise um die Welt

Nach seiner Rückkehr nach Europa verfasst er auf Basis seiner Aufzeichnungen das Buch "Reise um die Welt". Dieses macht den jungen Deutschen innerhalb kürzester Zeit weltberühmt und gilt noch heute als eine der bedeutendsten Reisebeschreibungen, die je geschrieben wurden.

Georg Forster ist aber nicht nur deswegen einer der wichtigsten deutschen Weltentdecker, sondern auch wegen seines Umgangs mit fremden Zivilisation. "Er hatte eine Anschauung der Welt, die unvergleichlich war", sagt der Forster-Biograph Jürgen Goldstein. "Er hat das, was er auf der Reise gesehen hat, gezeichnet, und er schaut für damalige Verhältnisse erstaunlich vorurteilsfrei auf fremde Kulturen.“ Statt die Völker zu missionieren, lässt Forster die Menschen selbst zu Wort kommen.

Nach seiner Rückkehr aus der Südsee wird Forster Professor für Naturgeschichte. Doch das akademische Leben erfüllt ihn nicht. Noch einmal zieht es ihn hinaus, jetzt aber nicht so weit – zum Niederrhein. An seiner Seite: der junge Alexander von Humboldt, der von Forster lernt, Natur und Menschen richtig zu lesen.