wird geladen...
Crime-Update

Gary Ridgway: Der "Green River Killer"

Gary Ridgway hat als Green River Killer einen festen Platz unter den schrecklichsten Serienmördern der Geschichte. Der Amerikaner hat 49 Morde gestanden - doch nicht nur das!

Gary Ridgway kannte keine Skrupel
Gary Ridgway kannte keine Skrupel. Foto: King County Prosecutor's Office via Getty Images

Gary Ridgway: Der "Green River Killer"

Gary Ridgway sitzt seit 2003 wegen 49-fachen Mordes in der Justizvollzugsanstalt des Staates Washington in Walla Walla. Der heute 70-Jährige hasst Frauen. Das machte ihn zum Green River Killer, der bis 1998 mindestens 49 Prostituierte und Ausreißerinnen getötet hat.

Seinen berüchtigten Namen trägt der Serienmörder, weil er die meisten Leichen am Green River nahe Seattle in King County, Washington, USA abgelegt hat. 

Doch Gary Ridgway war nicht nur ein Serienmörder, der sich an den Leichen seiner Opfer verging. Er war auch ein Vater. Was sein Sohn mit Ridgways Blutrausch zu tun hat, sprengt die menschliche Vorstellungskraft. 

Gary Ridgway: Ein (scheinbar) normales Leben

Laienpsychologisch lässt sich sagen: Garys Vater erzog ihn nach seinem Vorbild zu einem Frauenhasser und seine Mutter verstärkte dieses Gefühl durch ihre sexuell übergriffige Art

Als mittlerer von drei Söhnen kam Gary Ridgway am 18. Februar 1949 in Salt Lake City zur Welt. Schon früh wurde er Zeuge der gewalttätigen Streitereien seiner Eltern.
 
Zu seiner dominanten Mutter verband ihn stets eine Hassliebe: Er fühlte sich stark zu ihr hingezogen, was ihn gleichzeitig abschreckte. Gary war bis ins Teenageralter Bettnässer und nach jedem Malheur wusch seine Mutter ihm die Genitalien.

Das erregte den Jungen – und dafür schämte er sich. 

Sein Vater übertrug indes seinen tiefsitzenden Frauenhass auf seinen Sohn. Die Familie lebte zeitweise in SeaTac, einem heruntergekommenen Außenbezirk in der Nähe des Flughafens von Seattle voller Gewalt, Sex und Drogen.

Mehr als einmal trichterte Garys Vater ihm ein, dass Prostituierte nichts weiter als Abschaum seien.   

Trotzdem lebte Gary Ridgway ein nach außen hin normales Leben. Er arbeitete als junger Mann zunächst in einer Lastwagenfabrik und ging später zur Navy. 1970 heiratete er zum ersten Mal, die Ehe mit Claudia Kraig Barrows hielt allerdings nur zwei Jahre.

1973 sagte Gary ein zweites Mal ja. Marcia Lorene Brow schenkte ihm 1975 einen Sohn, Matthew

Ihn sollte Gary nicht nur bedingungslos lieben, sondern auch als Mittel zum Zweck für seine grausamen Morde benutzen. 

Gary Ridgway tötet wahllos: Was hat sein Sohn damit zu tun?

Ein Jahr nach der Scheidung von Marcia Lorene Brow, 1982, begann der Green River Killer seinen Blutrausch, dem allein in den ersten beiden Jahren mindestens 42 Frauen zum Opfer fielen. 

Gary Ridgway ging dabei nach dem immer gleichen Muster vor: Mit seinem Pickup fuhr er durch die Rotlichtviertel von Seattle und sprach Prostituierte und Ausreißerinnen an. Dann nahm er sie mit – entweder zu sich nach Hause oder zum Green River –, hatte Sex mit ihnen und erwürgte sie anschließend. 

Wie auch Jeffrey Dahmer, verging sich der Green River Killer an den Leichen seiner Opfer, hatte Sex mit ihnen oder verstümmelte ihre Körper.  

Besonders krass: Immer wieder nimmt Gary Ridgway seinen Sohn mit auf seine nächtliche Touren! Im July 1982 beispielsweise brachte der Serienmörder eine Frau in einem Waldstück um, während sein damals noch sechsjähriger Sohn nichtsahnend im Auto auf ihn wartete.

Ein anderes Mal verging sich der Psychopath an der Leiche eines seiner Opfer, während der kleine Matthew im Auto nur zehn Meter entfernt schlief.  

In einem der vielen Verhöre nach seiner Verhaftung gab Gary Ridgway außerdem zu Protokoll, das enge Verhältnis zu seinem Sohn immer wieder dazu genutzt zu haben, seine Opfer zu locken: Er zeigte den Frauen beispielsweise Kinderfotos von Matthew, um vorzugeben, von ihm, Gary, ginge keine Gefahr aus. 

Matthew Ridgway hat von dem ganzen Wahnsinn nichts mitbekommen. Ganz im Gegenteil: Der Sohn hat seinen Vater als liebevollen Papa in Erinnerung, der stets für ihn da gewesen sei. In einem Interview erzählte Matthew 2003 mehr über die Beziehung zu seinem Dad. 

Hörte Gary Ridgway wirklich plötzlich auf zu töten?

Auffällig an Gary Ridgways Mordserie ist: Zwischen 1982 und 1984 tötete er mindestens 42 Frauen, danach schlug er bis 1998 laut eigener Aussage nur noch viermal zu. Kann das wirklich sein? 

Gary Ridgway sagt ja. Als Grund für seinen plötzlichen Lebenswandel gibt er seine dritte Ehe mit Judith Lorraine Lynch, die er 1988 geheiratet hatte, an. Damals war Gary bereits ins Visier der polizeilichen Ermittlungen geraten, doch konkrete Beweise lagen nicht vor. 

Die ermittelnden Beamten schenkten der Geschichte des plötzlich geläuterten Serienmörders keinen Glauben. Sie vermuteten vielmehr, dass Ridgway statt in Seattle andernorts gemordet hat. Doch auch hierfür gibt es bis heute keine Bewiese. 

Das Katz-und-Maus-Spiel endet erst nach Jahren

Gary Ridgway profitierte von den wenig ausgereiften Untersuchungsmöglichkeiten in den 80ern und 90ern. Denn obwohl die ersten Leichen des Green River Killers schon 1982 am Flussufer entdeckt worden waren, dauerte es bis zum Dezember 2001, bis man Ridgways DNA an verschiedenen Überresten seiner Opfer nachweisen konnte. 

Über die Jahre hatte die sogenannte Green River Task Force Gary zwar schon mehrfach verdächtigt, konkrete Beweise konnten allerdings keine gefunden werden. Der Fall erregte den Unmut der amerikanischen Bevölkerung, die den Beamten vorwarf, die Morde nicht ernst genug zu nehmen, da die Opfer lediglich Prostituierte seien. 

Wie zum Hohn schickte Serienmörder Ted Bundy, selbst ein skrupelloser Vergewaltiger, 1984 sogar einen Brief an die Task Force: Er hatte ein psychologisches Profil zum Green River Killer erstellt. 

Doch erst mit der Technik kam das Urteil: Nachdem Ridgways DNA-Spuren nachgewiesen werden konnten, wurde er vor Gericht gestellt. Um der Todesstrafe zu entgehen, kooperierte der Serienkiller mit den Behörden – allein deswegen sitzt er heute noch hinter Gittern und wurde nicht hingerichtet. 

Am 5. November 2003 befand ein Gericht Gary Ridgway des 48-fachen Mordes für schuldig und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft. 2011 gestand er den 49. Mord, nachdem die Leiche von Rebecca 'Becky' Morrero gefunden worden war.

Das Mädchen hatte er 28 Jahre zuvor getötet. 

Während des ersten Prozess', bei dem auch die Angehörigen seiner Opfer zu Wort kamen, zeigte der Green River Killer keinerlei Reue. Vielmehr verlachte er seine Opfer, indem er sagte: "Ich habe so viele Frauen umgebracht, dass ich sie nicht mehr auseinanderhalten kann."

Ein Mann aber ließ Gary Ridgway dann doch zusammenbrechen: Robert Rule, der Vater der 16-jährigen Linda Jane Rule, die Gary am 26. September 1982 getötet hatte. Er stellte sich vor Gericht ans Rednerpult und vergab dem Mörder seiner Tochter.

Gary Ridgway, der als Green River Killer zahllose Leben zerstört hatte, weinte daraufhin bitterliche Tränen

Ob diese Tränen echt waren? Foto: Elaine Thompson-Pool/Getty Images