Los, denunziert Euch!

Deutsches Internetportal will Autofahrer bewerten lassen

Man kennt das ja: Jeder bewertet heutzutage jeden. Eigentlich benötigt man gar keine sogenannten Evaluations-Agenturen mehr – das Internet mit seinen Portalen regelt das schon. Man kann seinen letzten Urlaub bewerten ("Kakis im Kühlschrank"), seine Ärzte ("Hat den falschen Zeh amputiert"), sogar seine letzte Pizza ("Wollte Salami, nicht Sardellen").

Andere Autofahrer bewerten
Andere Autofahrer bewerten Foto: iStock/RapidEye/fahrerbewertung.de (Collage Männersache)

Aber, wie das immer so ist: Wer schlecht bewertet wird, fühlt sich natürlich ungerecht behandelt. So gibt es zumeist mächtig Ärger, wenn mal wieder eine neue diesbezügliche Website das Licht der Welt erblickt.

Nicht mehr ganz neu (Launch 2014), aber immer noch und immer wieder für Konfliktpotenzial sorgend, ist die Website fahrerbewertung.de. Dort kann man quasi, wie bei jameda.de, wo es um Ärzte geht, die Fahrkünste seiner Mitmenschen bewerten.

Der Service ist denkbar einfach. Nummernschild eingeben und dann die Ampel bedienen. Grün für "guter Fahrer", gelb für "neutraler Fahrer", rot für "schlechter Fahrer".

Dann wird fleißig statistisch ausgewertet. Wer parkt wo am schlimmsten? Wer rast wie ein Henker? Tabellen, Grafiken, Karten – alles, was den Verkehrs-Denunzianten glücklich macht. Natürlich sind damit auch einer völlig aus der Luft gegriffenen Verunglimpfung Tür und Tor geöffnet. Denn überprüft werden die Einreichungen vom Seitenbetreiber nicht.

Zwar könne man sich als zu Unrecht Beschuldigter gegen derlei Einträge wehren – sie werden bei Beschwerde gelöscht – aber, die Frage muss erlaubt sein, wie soll man eigentlich mitbekommen, dass man schlecht bewertet wurde?

So laufen denn die Datenschützer Sturm, was im Jahre 2017 bereits zu einer Modifikation der Website geführt hat. Waren vorher schlichtweg alle Daten von jedermann einsehbar, kann jetzt nur noch Daten abrufen, wer sich vorher registriert hat.

Damit wurde der Autofahrer-Pranger gezähmt. Was nicht bedeutet, dass echte Blockwarte und ehemalige Stasi-Mitarbeiter bestimmt noch immer fleißig Bewertungen einreichen.

Denn was ist für einen gewissen Schlag Mensch schöner, als unter dem Deckmantel der vermeintlichen Anonymität  auf die Fehler anderer hinzuweisen? Eben.

Denunzianten aller Länder, vereinigt Euch!