Viral-Update

Nach Diskussion im Stadtbezirksrat: Dresden will Internet abschalten

Wandelt Sachsen auf den Pfaden Nordkoreas? Herrscht in Dresden ein kleiner Diktator? Die Abschaltung des Internets ist jedenfalls beschlossene Sache.

Stadtbild Dresden mit Offline-Symbol
Dresden geht offline Foto: iStock / nemchinowa / extracoin (Collage Männersache)

Die Partei hat immer recht!

"Die Partei, die Partei, die hat immer recht, und Genossen, es bleibe dabei..." Als Wessi denkt man bei dieser Zeile wohl eher nicht an Ostblock-Liedgut und die SED, sondern eher an Martin Sonneborn und die von ihm gegründete Spaß-Partei "Die Partei".

Viele ziehen Genuss daraus, wie Sonneborn und Co. den etablierten Polit-Akteuren durch gezielte Provokationen oftmals den Spiegel vorhalten, manche ärgern sich maßlos und finden derartige Aktionen geschmacklos und unangebracht, die meisten nehmen es wohl mit gemäßigtem Interesse zur Kenntnis.

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Aus Spaß wurde Ernst

Sei's drum. In Dresden ist jetzt Bezirksabgeordneten der "Partei" mal wieder ein echter Coup gelungen, wie tag24 berichtet. Im Zuge der Diskussion um verkaufsoffene Sonntage zwecks Ankurbelung der durch das Virus lahmenden Wirtschaft, wurde von der "Partei" vorgeschlagenen, im Stadtteil Dresden-Neustadt zwei Tage lang das Internet abzuschalten.

Kein Witz! Naja, vielleicht doch. Aber wie heißt es so schön: Aus Spaß wurde Ernst und jetzt haben tatsächlich die Mitglieder im Stadtrat für die Abschaltung gestimmt. Die Begründung dahinter fasst "Partei"-Mitglied Max Aschenburg zusammen:

„Was die Leute Sonntag nicht im Internet bestellen können, müssen sie montags im Laden kaufen.“
Max Aschenburg (Die Partei)

Keine ungeteilte Begeisterung

Natürlich können sich dieser Logik nicht alle Stadtratsmitglieder beugen. CDU-Stadtbezirksbeirat Gunter Thiele spricht von einem Diskussions- und Abstimmungsverhalten, das eines demokratischen Gremiums unwürdig sei.

Aber: Beschlossen ist beschlossen. Und so wird Dresden-Neustadt an zwei Sonntagen im Herbst zwischen 12 und 18 Uhr offline geschaltet. Charlotte Brock, ebenfalls für "Die Partei" im Stadtbezirksbeirat unterwegs, freut's:

„Wir haben in dem endlosen Streit um die verkaufsoffenen Sonntage einen Kompromiss gefunden. Und der sieht so aus, dass nicht nur die Geschäfte, sondern auch das Internet geschlossen haben.“
Charlotte Brock (Die Partei)

Fazit

Wer weiß, vielleicht entdecken die Einwohner Dresden-Neustadts in diesen beiden Offline-Zeitfenstern längst untergegangene Rituale wieder, wie zum Beispiel miteinander zu reden, oder, Gott bewahre, ein Buch zu lesen.

Nicht auszudenken, was der Entschluss des Bezirksstadtbeirats noch für Auswirkungen haben könnte!