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Umwelt-Update

Diese 100 Konzerne zerstören unser Klima

100 Unternehmen sind für mehr als 70 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Doch wer sind sie? Welche Geheimnisse versuchen sie vor uns zu verbergen? Und wie kann man diese Konzerne aufhalten?

Klimaverschmutzung durch Kraftwerke
Klimaverschmutzung durch Kraftwerke iStock / baona

Die größte Hoffnung der Menschen

Konzerne töten Menschen, jeden Tag, ohne Strafverfolgung oder Konsequenzen befürchten zu müssen. Das klingt drastisch – aber die Situation ist auch drastisch. Denn wenn die Menschheit nicht bis 2035 klimaneutral wird und die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius hält, werden unsere Kinder die Welt niemals so erleben können, wie wir sie erleben dürfen. Und deren Kinder könnten eine lebensfeindliche Erde bekommen – die Menschheit, wie wir sie kennen, würde aufhören zu existieren.

Um den Klimawandel aufzuhalten, reicht es aber nicht, Müll zu trennen, mit dem Fahrrad zu Arbeit zu fahren oder auf den Urlaub in der Karibik zu verzichten. Selbst wenn das jeder auf der Welt machen würde, könnten wir nur etwa 30 Prozent des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids einsparen. Denn die größten CO2-Erzeuger sind 100 Konzerne – aus weltweit rund 200 Millionen Unternehmen.

Das heißt: 0,0005 Prozent aller Firmen des Planeten sind für mehr als 70 Prozent sämtlicher CO2-Emissionen verantwortlich. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Studie, des Carbon Majors Reports. Die Verfasser dieser Liste legen den Finger genau auf die Wunde: Wir können die Erde nicht retten, wenn sich diese Unternehmen nicht ändern. Gleichzeitig ist die Liste unsere größte Hoffnung. Denn jetzt wissen wir genau, wo wir ansetzen müssen.

Diese 100 Konzerne werden es uns aber nicht leicht machen: Die Wahrheit über den menschengemachten Klimawandel gefährdet nicht nur die Geschäftspraktiken dieser Unternehmen – sie bedroht sie in ihrer Existenz.

Welt der Wunder zeigt, wie wir den Klimawandel bis 2035 aufhalten können, aber auch, wie Konzerne seit jeher versuchen, die Wahrheit darüber zu verschleiern. Etwa, indem sie immer wieder Kritiker zu diskreditieren versuchen. Diese Klimaleugner werden auch diese welt-der-wunder-Geschichte verunglimpfen wollen, doch die Autoren haben die Fakten von Tausenden Studien hinter sich, die Expertise von Zehntausenden Wissenschaftlern und die Ergebnisse von Millionen Messdaten weltweit.

Es ist der Kampf gegen die mächtigsten Syndikate der Welt – und sie werden sich wehren. Denn Konzerne wollen ihren Gewinn nicht nur unter allen Umständen maximieren – sie sind sogar dazu verpflichtet, es ist ihr eisernes Gesetz. Deswegen kennen sie nur ein Motto: Nach uns die Sintflut. Doch dass sich da keiner täuscht: Die Sintflut kommt!

Wie gefährlich ist die Klimaerwärmung wirklich?

Das Klima erwärmt sich nicht von allein, sondern aufgrund des sogenannten Treibhauseffekts, der – wie der Name schon sagt – durch die Zunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre ausgelöst wird. Wichtigstes Treibhausgas ist Kohlenstoffdioxid (CO2), es wird seit Jahren in zahlreichen Publikationen immer wieder als eine ernste Bedrohung für die Zukunft der Menschheit bezeichnet. Doch ist das wirklich wahr?

Grundsätzlich gilt: CO2 ist tödlich. Steigt der Anteil des Treibhausgases in der Atemluft auf acht Prozent, setzt der Atemreflex des Körpers aus. Man verliert das Bewusstsein und erstickt. Doch das ist nicht das Problem. Die CO2-Konzentration in der Luft liegt bei 0,04 Prozent. Nicht einmal der Mensch wird es in absehbarer Zeit schaffen, die 8-Prozent-Marke zu reißen.

Anders sieht es da mit den indirekten Auswirkungen von CO2 auf das Klima aus. Denn Studien zeigen, dass die Erderwärmung mehr Wetterextreme nach sich zieht – die wiederum für mehr klimabedingte Todesfälle verantwortlich sind. Wolken können bei wärmeren Temperaturen mehr Wasser und mehr Energie aufnehmen – was mehr Niederschlag, Stürme und Überschwemmungen verursacht. Ein anderes Wetterextrem sind Dürren und Hitzewellen. Experten schätzen, dass allein der Ausnahmesommer 2003 rund 70 000 Opfer in Deutschland gefordert hat. Laut einer Studie der Rückversicherungs-Gesellschaft Munich Re ist das Risiko von klimabedingten Extrem-Gewittern in den vergangenen 40 Jahren um acht Prozent gestiegen. Die Wahrscheinlichkeit von extremen Hitzewellen hat sich aufgrund der Klimaerwärmung sogar verfünffacht.

200 Millionen Menschen werden laut einer Studie der Columbia University und der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2050 zu Klimaflüchtlingen werden. Das wäre verglichen mit den aktuellen Zahlen (21 Millionen Klimaflüchtlinge) eine Verzehnfachung.

Wie stark hat sich die Erde schon erwärmt?

Seit der Industrialisierung vor 150 Jahren stieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre um 44 Prozent. Gleichzeitig wurde es immer wärmer. Seit Beginn der Klimaaufzeichnungen im Jahr 1881 stieg die globale Temperatur um 1,1 Grad Celsius (in Deutschland im gleichen Zeitraum um 1,5 Grad Celsius).

Zuletzt beschleunigte sich der Prozess. Die 20 wärmsten Jahre wurden in den letzten 22 Jahren gemessen. Studien legen nahe, dass ab einer Erwärmung von 2 Grad Celsius ein sogenannter "Kipppunkt" erreicht ist, bei dem es zu einer Art Kettenreaktion kommt, die nicht mehr aufzuhalten ist.

Wird der Klimawandel die Erde zerstören?

Nein. Der Klimawandel hat das Potenzial, die Erde zu verändern. Aber in der Vergangenheit gab es erheblich gravierendere Klima-Veränderungen. Die Erde und das Leben auf ihr haben diese Extrembedingungen problemlos überstanden. Der Mensch dagegen ist extrem klimaempfindlich.

Es geht in der ganzen Debatte also nicht darum, ob wir Menschen die Erde zerstören, sondern den Lebensraum der Menschheit. Übrigens leben wir derzeit in einer Eiszeit (Känozoisches Eiszeitalter). Die Tatsache, dass es Schnee und vereiste Pole gibt, ist klimageschichtlich eher die Ausnahme. Seit es die Erde gibt, war sie 90 Prozent der Zeit eisfrei – allerdings auch mit bis zu 60 Meter höheren Meeresspiegeln.

Wie viele Menschen tötet der Klimawandel?

Eine Studie zeigt, dass zwischen 1995 und 2015 etwa 600 000 Menschen unmittelbar aufgrund von klimabedingten Wetterextremen gestorben sind. Bis 2030 könnten gemäß einer Schätzung der Vereinten Nationen jährlich 250 000 Menschen am Klimawandel sterben. Laut einer britischen Studie steigt die Wahrscheinlichkeit, an den Folgen der Erderwärmung zu sterben, in den nächsten 30 Jahren um 257 Prozent an.

Wer verursacht das ganze CO2?

Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst verstehen, dass der Großteil des gesamten CO2 schon vor der Menschheit existierte. Konkret sind rund 97 Prozent der CO2-Emissionen natürlichen Ursprungs und werden unter anderem durch Vulkanismus, Waldbrände oder die Zellatmung freigesetzt. Dieses CO2 ist allerdings Teil eines geschlossen Kohlenstoffkreislauf – und wird wieder z. B. in den Meeren gebunden, von Pflanzen zu Sauerstoff umgewandelt und so in kohlenstoffbasierten Lebensformen in Form von Kohlenstoff gespeichert.

"Insofern war die CO2-Konzentration in der Atmosphäre Jahrtausende lang praktisch konstant und steigt erst an, seit wir dem System riesige Mengen an zusätzlichem Kohlenstoff aus fossilen Lagerstätten zuführen", benennt Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung das eigentliche Problem. Denn durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen (z. B. Öl) oder durch das Brandroden und Abholzen von Bäumen wird heute weit mehr CO2 freigesetzt, als die Erde kurzfristig wieder binden kann.

Die Folge: Das Treibhausgas sammelt sich in der Atmosphäre. Die Dimension dieser CO2-Zusatzbelastung für die Erde ist enorm. So hat der Mensch in seiner Geschichte beinahe die Hälfte des weltweiten Waldbestandes (etwa 40 Millionen Quadratkilometer oder viermal die Fläche Europas) vernichtet. Zudem verbrennt er immer noch große Mengen Kohle (jährliche Fördermenge: 9 Milliarden Tonnen) und Öl (täglicher Verbrauch: ca. 15 Milliarden Liter). Konkret erhöht der Mensch auf diese Weise die CO2-Konzentration jährlich um 37,1 Milliarden Tonnen.

Drei Staaten sind verantwortlich für die Hälfte der Emissionen (Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß 2015):

  • 30% China
  • 13,7% USA
  • 6,6% Indien
  • 4,7% Russland
  • 3,6% Japan
  • 2,15% Deutschland

Welcher Stoff ist klimaschädlicher als alle Flugzeuge?

Keine andere Branche profitiert so wie die Zementindustrie vom globalen Bauboom, mit HeidelbergCement zählt auch eine deutsche Firma zu den weltweit größten Playern. Doch das Bindemittel aus Kalkstein hat eine dunkle Seite: "Durch die Zementproduktion entstehen heute 6,5 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes. Das ist 3-mal so viel wie der CO2-Ausstoß der gesamten Luftfahrtindustrie", erklärt Manfred Curbach vom Institut für Massivbau an der TU Dresden.

Dennoch wird die Branche von der EU mit kostenlosen Emissionszertifikaten unterstützt, weil Zement als Baumaterial noch immer als alternativlos gilt – ein Irrtum. So lässt sich beispielsweise durch die Verwendung des nicht rostenden Werkstoffs Carbonbeton schon jetzt deutlich leichter bauen, lassen sich Ressourcen sparen – und auch der CO2-Ausstoß lässt sich drastisch reduzieren.

Wie schmutzig ist die Kreuzfahrtindustrie?

Aktuell schippern mehr als 300 Ozeanriesen über die Weltmeere, die meisten von ihnen in Diensten von Carnival Cruise, dem größten Kreuzfahrtanbieter weltweit. Das Problem: Jedes einzelne dieser Schiffe "stößt pro Tag so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Autos", sagt Dietmar Oeliger vom Naturschutzbund Deutschland. Die Menge variiert zwar je nach Schadstoff, doch egal, welchen Stoff man sich vornimmt – die Ökobilanz der schwimmenden Kleinstädte bleibt miserabel.

Neben CO2, von dem ein Schiff täglich so viel produziert wie 84 000 Autos, ist speziell der Schwefeloxid-Ausstoß verheerend: Der Grund: Die meisten Kreuzfahrtschiffe fahren mit Schweröl, dem schmutzigsten Treibstoff überhaupt. Es hat einen Schwefelanteil von bis zu 3,5 Prozent – das ist 3500-mal mehr, als im Straßendiesel erlaubt ist. Vor diesem Hintergrund überrascht es fast nicht, dass laut der EU-Kommission jährlich 60 000 Menschen vorzeitig an den Folgen von Schiffsemissionen sterben.

Welche Konzern sind für 70 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich?

Stromerzeugende und Erdöl fördernde Konzerne sind hauptverantwortlich für den Klimawandel. Das ist das Ergebnis des sogenannten Carbon Majors Reports der Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP). Dabei handelt es sich nicht nur um die umfassendste Datenbank zur Erfassung von Treibhausgasen – sondern auch um eine noch nie da gewesene Aufschlüsselung der konkreten CO2-Sünder. Denn obwohl Regierungen politisch die Verantwortung tragen für die in ihrem Staatsgebiet freigesetzten CO2-Emissionen, sind in der Regel riesige Konzerne die eigentlichen Produzenten.

Will man also die globalen CO2-Emissionen wirklich senken, muss man an dieser Liste ansetzen. Der Grund: Seit im Jahr 1988 der "menschengemachte Klimawandel" durch das "Intergovernmental Panel on Climate Change" (IPCC) anerkannt wurde, haben nur 100 Konzerne rund 71 Prozent der globalen, industriellen Treibhausgase zu verantworten. 59 Prozent dieser überwiegend dem Energiesegment angehörenden Firmen sind staatlich, 32 Prozent börsennotiert und neun Prozent in privater Hand.

Engt man das Feld der im Carbon Majors Report aufgelisteten Konzerne auf die Top 10 zusammen, sind diese immer noch für mehr als 36 Prozent der seit 1988 verursachten CO2-Emissionen verantwortlich (In absteigender Reihenfolge: China (Coal), Saudi Arabian Oil Company (Aramco), Gazprom OAO, National Iranian Oil Co, ExxonMobil Corp, Coal India, Petroleos Mexicanos (Pemex), Russia (Coal), Royal Dutch Shell PLC und China National Petroleum Corp.

Wie lange kennen die Konzerne bereits die Wahrheit über die CO2-Krise?

Der US-Energiekonzern ExxonMobil ist mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 180 Milliarden Euro auf Platz zehn der weltgrößten Unternehmen. Zugleich belegt Exxon Platz fünf der Unternehmen mit dem höchsten CO2-Ausstoß weltweit! Seit Jahrzehnten hat der Konzern die Öffentlichkeit in die Irre geführt, indem er gezielt Zweifel am Klimawandel und am Einfluss von CO2 auf die globale Temperatur schürt – das ist keine Behauptung, sondern das Ergebnis einer Studie führender Forscher der Harvard University.

Exxon bestreitet die Vorwürfe zwar, die Fakten sprechen jedoch eine eindeutige Sprache: Schon 1982 ergeben interne Untersuchungen des Öl-Giganten, dass bei dem derzeitigen Kurs ein Klimawandel und die globale Erwärmung unausweichlich seien. Nachdem Anfang Mai 2019 in der Atmosphäre erstmals kritische CO2-Wert überschritten werden, werten Klimaforscher die mittlerweile veröffentlichten Exxon-Prognosen aus.

Das erschreckende Ergebnis: Sowohl für den Temperaturanstieg als auch für den CO2-Anstieg liegen die Prognosen von damals richtig. In der 37 Jahre alten Studie warnen die Exxon-Experten deutlich davor, dass ein zusätzlicher CO2-Ausstoß den Treibhauseffekt verstärken und die Erdoberfläche erwärmen würde. Auch die Information, dass sich dadurch die Niederschlagsmenge verändern und die Polkappen über die Jahrhunderte abschmelzen könnten, ist ihnen bereits bekannt. Das Unternehmen jedoch schweigt und setzt seinen Kurs ungeachtet der Fakten fort.

Sind deutsche Unternehmen hauptverantwortlich für den Klimawandel?

Zwar wird im Carbon Majors Report auch ein deutscher Konzern erwähnt – der steht allerdings weit hinter den großen globalen CO2-Produzenten. Die RWE AG ist mit Platz 41 der erste und einzige deutsche Vertreter in der Liste der Top 100.

Begrenzt man diese Auflistung allerdings auf den europäischen Wirtschaftsraum, befinden sich sieben der zehn größten CO2-Produzenten in Deutschland (drei Kohlekraftwerke von der RWE AG und vier Kohlekraftwerke der LEAG). Rechnet man den CO2-Ausstoß aller deutschen Konzerne zusammen, ist Deutschland mit einem Anteil von 2,15 Prozent der Gesamt-CO2-Freisetzung (ca. 900 Millionen Tonnen) weltweit auf Platz sechs – und damit innerhalb Europas der mit Abstand größte CO2-Sünder

Wie werden erneuerbare Energien sabotiert?

Wenn die Internationale Energieagentur (IEA) neue Studien veröffentlicht, dann nehmen Regierungen diese für bare Münze. Tatsächlich unterschätzt die IEA jedoch seit Jahren systematisch das Wachstum erneuerbarer Energien und das damit einhergehende Potenzial für klimaneutrale Kraftwerke. So errechnete die Agentur für 2030 eine weltweite Fotovoltaik-Leistung von 200 Gigawatt – der reale Wert war jedoch bereits 2017 doppelt so hoch.

Regierungen nehmen trotzdem weiterhin die fehlerhaften Reports als Grundlage ihrer politischen Entscheidungen, und Energiekonzerne wie RWE nutzen das aus: Denn wenn die Leistungen alternativer Energiequellen angeblich hinter den Erwartungen zurückbleiben, gibt es auch keinen politischen Druck auf die Energiekonzerne, ihre bisherigen Strategien zu verändern.

Wie viele Arbeitsplätze kostet die Energiewende?

Kein anderes Land der Welt verbraucht so viel Braunkohle wie Deutschland – sie ist für rund ein Fünftel der gesamten CO2-Emissionen der Bundesrepublik verantwortlich. Nach dem Pariser Klimaabkommen hat sich die Bundesregierung dazu verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß bis 2030 mehr als zu halbieren. Doch die tatsächliche Umsetzung dieses Ziels geht nur schleppend voran.

Ein Hauptargument dafür: Die Energiewende würde viele Arbeitsplätze gefährden. Rund 20 000 Menschen arbeiten für Braunkohleunternehmen in Deutschland. Verglichen mit den knapp 340 000 Arbeitsplätzen im Bereich der erneuerbaren Energien ist das eine relativ geringe Zahl – das Zögern beim Kohleausstieg gefährdet jedoch genau diese.

Klima-Experte Volker Quaschning: "Die Kombination aus chinesischer Konkurrenz im Bereich der Erneuerbaren Energien, dem Einbruch des Fotovoltaik-Heimatmarktes um 80 Prozent und politischen Unsicherheiten hat letztendlich zu einem Verlust von 80 000 Arbeitsplätzen in der Fotovoltaik geführt. Darüber hinaus sind derzeit mehr als 40 000 Arbeitsplätze in der Windbranche akut bedroht."

Wie teuer ist der Kampf gegen den Klimawandel?

Zahlreiche Studien haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mit dieser Frage beschäftigt. Ihr Ergebnis: Bis 2050 wird alleine Deutschland 2,3 Billionen Euro investieren müssen – das entspricht mehr als 76 Milliarden Euro pro Jahr. Das fand eine vom Bundesamt für Industrie in Auftrag gegebene Studie heraus.

Dabei kommen die Forscher auf das gleiche Ergebnis wie der Ökonom Nicholas Stern, der 2006 mit dem "Stern-Report" so etwas wie das Handbuch des Klimawandels veröffentlichte. Darin berechnete er die Kosten des Klimawandels weltweit. Sein Ergebnis: 2006 hätte es die Volkswirtschaften noch ein Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts gekostet, die nötigen Schritte gegen den Klimawandel einzuleiten. Doch mit jedem verstrichenen Jahr steigen die Kosten. Stern ist sich sicher: Bald schon kann die Rettung des Klimas fünf Prozent des BIP schlucken, in ein paar Jahrzehnten sogar bis zu 20 Prozent. Das entspräche einer jährlichen Summe von 677 Milliarden Euro allein für Deutschland.

Wie bereichern sich Konzerne am Klimawandel?

"Der CO2-Preis muss hoch sein!", forderte jüngst Joachim Wenning, Chef von Munich Re. Bereits seit den Siebziger-Jahren erforscht der größte Rückversicherer der Welt die Folgen und die Kosten des Klimawandels. Und auch er stimmt dem Umweltamt zu: Eine Tonne ausgestoßenes Kohlenstoffdioxid verursacht Schäden in Höhe von 180 Euro.

Doch der Schaden ist wesentlich höher als das, was die Konzerne für die von ihnen verursachte Verschmutzung zahlen. Denn ein CO2-Zertifikat, das den Ausstoß einer Tonne des Treibhausgases begleicht, kostet etwa 25 Euro. Darüber hinaus wird der Abbau fossiler Brennstoffe in Deutschland auch noch subventioniert – also durch Steuergelder gefördert. Um Klimakiller wie Kohle und Erdöl unattraktiver zu machen, fordert Joachim Wenning nun eine CO2-Steuer. Konzerne sollen in Zukunft 115 Euro pro Tonne Kohlenstoffdioxid zahlen – und so zu einem Umdenken bei der Energiegewinnung bewegt werden.

Wie gefährlich ist Fliegen für das Klima wirklich?

Führende Klimaforscher sind sich einig: Wenn wir den Klimawandel und die damit einhergehenden katastrophalen Folgen noch stoppen wollen, darf jeder Mensch künftig nur noch maximal zwei Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen. Das Problem: 2016 wurden allein in Deutschland pro Kopf rund 9,6 Tonnen CO2 produziert – ein Ausstoß, doppelt so hoch wie der internationale Durchschnitt, der bei 4,8 Tonnen liegt.

Speziell Flugreisen verhageln uns die persönliche CO2-Bilanz. So verursacht eine Person auf einer Strecke von 500 Kilometern mit dem Flugzeug die Emission von etwa 100 Kilogramm CO2 – mit dem Auto sind es 64 Kilo, mit der Bahn sogar gerade mal 18. Wie massiv der Schaden ist, den das Fliegen anrichtet, wird besonders am Beispiel Ryanair deutlich: Laut aktueller Daten des Emissionshandelssystems der Europäischen Union gehörte die irische Billigfluglinie im Jahr 2018 zu den zehn Unternehmen, die in der EU am meisten Treibhausgase ausstoßen. Demnach war die Airline für 9,9 Millionen Tonnen Ausstoß verantwortlich – das entspricht einem Plus von 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und reicht immerhin für Platz 10. Vor Ryanair rangieren ausschließlich Kohlekraftwerke.

Die Fluggesellschaft mit dem zweitgrößten Ausstoß an Treibhausgasen war dem EU-System zufolge übrigens die Lufthansa mit etwa 4,3 Millionen Tonnen. Da in der Statistik jedoch nur innereuropäische Flüge berücksichtigt wurden, dürfte der reale Wert für den Treibhausgasausstoß deutlich höher liegen. Besonders alarmierend: In den vergangenen fünf Jahren haben die CO2-Emissionen durch die Luftfahrt in Europa um 26 Prozent zugenommen – was die Einhaltung der Klimaziele in noch weitere Ferne rücken lässt.

Kann man CO2 wieder einfangen?

Ja, die Natur macht das die ganze Zeit, sie ist die beste Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel. Rund die Hälfte aller CO2-Emissionen werden auf natürliche Weise zurückgespeichert – über die Ozeane und die Pflanzen. Heißt im Umkehrschluss: Je stärker wir Meere zerstören und je mehr Wälder wir abholzen, desto weniger kann uns die Natur helfen. Vor allem Pflanzen binden CO2, sie speichern rund 30 Prozent des vom Menschen freigesetzten Kohlenstoffdioxids.

Genau das kann sich der Mensch zunutze machen: durch Aufforstung. "Wenn wir etwa acht Millionen Quadratkilometer Wald nachwachsen lassen würden, kriegen wir ein Minus beim globalen Temperaturanstieg von etwa 0,3 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts hin", sagt Julia Pongratz, Professorin für Geografie und Landnutzungssysteme an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Problem: Es gibt derzeit nicht genügend freie Flächen, um acht Millionen Quadratkilometer Wald zu pflanzen. Die Hoffnung der Forscher: Durch verbesserte Anbautechnik können frei werdende Agrarflächen zur Aufforstung genutzt werden.

Wie kann ich meinen eigenen Strom erzeugen?

Lange hatten Fotovoltaik-Anlagen den Ruf, zu umständlich zu sein. Nur wer ein Eigenheim hat, kann sich die Solarpaneele für viel Geld auf dem Dach seines Hauses anbringen lassen. Doch ist das wirklich so? Tatsächlich gibt es mittlerweile selbst kleine Solarpaneele, die sich jeder auf den Balkon stellen kann.

Der dort erzeugte Strom lässt sich über die Steckdose ganz einfach in das heimische Stromnetz einspeisen. Die größeren Anlagen haben zwei Module mit einer Gesamtleistung von bis zu 600 Watt. "Mit 600 Watt lassen sich bis zu 660 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. Das entspricht 20 Prozent des Stromverbrauchs des deutschen Durchschnittshaushalts", meint Marcus Vietzke von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie.

Wieso müssen wir die Top 100 jetzt stoppen?

Die Ansage der Klimaforscher ist unmissverständlich: Keinesfalls darf die Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 den vorindustriellen Wert um zwei Grad Celsius überschreiten. Sonst tauen die sibirischen Permafrostböden auf und setzen Milliarden Tonnen von CO2 frei – ein fataler Kipppunkt im globalen Klimasystem, der nicht mehr umzukehren wäre.

Das Problem: Außer Brasilien, China und Japan sind die G20-Länder momentan weit davon entfernt, die national festgelegten Ziele für 2030 zu erreichen. Wenn man das Worst-Case-Szenario noch abwenden will, müssten die bisherigen Bemühungen gar ab sofort verdreifacht werden. "Jetzt ist die Zeit zu handeln", sagt daher auch Klimaforscher Johan Rockström, denn theoretisch ist es laut der UN immer noch möglich das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten – und mit dem Carbon Majors Report gibt es jetzt eine Liste, bei der man ansetzen kann, um die größten Klimakiller zu stoppen.

Anders ausgedrückt: "Wir wissen jetzt, dass eine relativ kleine Gruppe von Produzenten fossiler Brennstoffe den Schlüssel zur systemischen Veränderung der CO2-Emissionen in den Händen hält", sagt Pedro Faria von der Non-Profit-Organisation CDP. Da ein Fünftel der industriellen Treibhausgasemissionen durch öffentliche Investitionen finanziert werden, sei es an uns und der Politik, diesen Konzernen "ihre Verantwortung klarzumachen, damit sie selbst Teil des Wandels werden".

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