Auschwitz, Syphilis und Contergan Die grausamsten Menschen-Experimente der Geschichte

Redaktion Männersache 22.02.2018
Eine angeborene Fehlbildung der Füße durch Contergan
Eine angeborene Fehlbildung der Füße durch Contergan © Otis Historical Archives National Museum of Health and Medicine via Flickr, CC BY 2.0

Der Stand der Wissenschaft von heute beruht auch auf den Menschenversuchen von gestern - egal, ob sie erlaubt oder unerlaubt, moralisch oder verwerflich waren", erläutert die Rechtsexpertin Nora Kristin Steinbrecher.

Folterärzte wie der Nazi-Mediziner Josef Mengele überschritten im Namen des Fortschritts und des persönlichen Ruhms immer wieder Grenzen: Für neue Behandlungsmethoden, die einmal Menschen retten sollen, nahmen sie den Tod von Tausenden anderen in Kauf. Seit der Steinzeit experimentieren Ärzte an geöffneten Körpern, träufeln Gifte und Gegengifte in Wunden und verabreichen ihren Opfern hochgefährliche Mixturen.

Manche der sogenannten Heiler arbeiteten dabei im Eigeninteresse, die schlimmsten Versuche fanden aber direkt oder indirekt im Auftrag von Behörden und Regierungen statt.

 

Nazi-Arzt Josef Mengele

 

Überlebende Kinder bei der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee
Überlebende Kinder bei der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee © Alexander Voroncov/ US Holocaust Memorial Museum/ Belarussian State Archive of Documentary Film and Photography

1943: Auschwitz, Polen

Zwei Jahre lang führt Josef Mengele als Arzt im KZ Auschwitz grausame, menschenverachtende Experimente an Häftlingen durch: Der SS-Mann malträtiert seine Opfer, entfernt Organe und Körperteile von Lebenden, um sie bei anderen Menschen zu implantieren.

Tausende Menschen sterben bei seinen Versuchen, die er peinlich genau dokumentiert. Außerdem nahm er die Selektion im Vernichtungslager vor und überwachte die Vergasung der Opfer.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Mengele als NS-Kriegsverbrecher gesucht, allerdings nie gefasst. Der Nazi-Mediziner starb 1979 in einem brasilianischen Badeort. Mengele ertrank, als er beim Schwimmen im Meer einen Schlaganfall erlitt. 

 

Das Syphilis-Experiment

 

Der Syphillis-Erreger
So sieht der Syphillis-Erreger aus © iStock

1946: Guatemala

"Ihnen Penicillin zu geben, hätte die Studie behindert." John Charles Cutler infiziert 1946 im Auftrag der Regierung 1500 Gefängnisinsassen in Guatemala mit Syphilis. Bei den Versuchen verletzt er seine Opfer und träufelt Erreger in ihre Wunden. Mindestens 83 Infizierte sterben an der damals unheilbaren Krankheit.

Bis 1972 forscht er an 399 Afroamerikanern. Er beobachtet ihren Krankheitsverlauf - behandelt sie jedoch nicht.

 

Drogen als Wahrheitsserum im Kalten Krieg

1953: USA

Wie entlarvt man einen Spion? Diese Frage beschäftigt CIA-Direktor Allen Dulles, seit sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs das Verhältnis zur Sowjetunion stetig verschlechtert. Im Jahr 1953 gibt er den Befehl zu einem geheimen Forschungsprojekt mit dem Codenamen MK ULTRA.

Wissenschaftler sollen ein Wahrheitsserum entwickeln, das feindliche Agenten zum Sprechen bringt. Über 20 Jahre injizieren sie Tausenden ahnungslosen Probanden hochpotente halluzigene Drogen, wie LSD und Mescalin, einige sterben. Doch der Erfolg bleibt aus.

1973 ordnet der CIA-Direktor Richard HElms im Zuge der Watergate-Affäre die komplette Vernichtung der Unterlagen zu MK ULTRA an.

 

Drogenversuche des US-Militärs an eigenen Soldaten

1955: Edgewood, USA

"Ich dachte, die Regierung würde mir nie etwas antun, doch ich lag falsch", sagt Tim Josephs. Er ist einer von 100.000 US-Soldaten, die sich freiwillig für "medizinische Experimente" meldeten. Dahinter steckte in Wahrheit aber die Erprobung von Chemiewaffen: Gifte, Gase, Drogen und Psycho-Kampfstoffe. Darunter LSD, Sarin, Senfgas, BZ, VX, Barbiturate, Amphetamine, und Chlorpromazin. 

Hunderte Nazi-Wissenschaftler aus Deutschland und Österreich werden in die USA geschleust, viele von ihnen arbeiten an den Menschenversuchen in Edgewood mit.

Bis 1975 dauern die Versuche an den menschlichen Versuchskaninchen. Einige Opfer leiden bis heute an den Folgen und verlangen Wiedergutmachung. Die US-Behörden bestreiten jedoch Langzeitfolgen der damaligen Versuche.

 

Frankreich Atomwaffentests an ihren Soldaten

 

Unweit explodiert eine Atombombe in der algerischen Wüste
Unweit explodiert eine Atombombe in der algerischen Wüste © AFP/Getty Images

1960: Algerien

In den 1960er-Jahren testet Frankreich in Algerien seine ersten Atombomben. Rund 300 Soldaten, meist Wehrpflichtige, schicken die Offiziere bereits kurz nach der Explosion auf das Testfeld. Das Ziel: herausfinden, ob die Strahlung die Kampfkraft der Truppen schwächt.

Schon bald erkranken daraufhin zahllose Soldaten an Krebs. Viele von ihnen leiden bis heute an der radioaktiven Verstrahlung.

 

Der Contergan-Skandal

 

Eine angeborene Fehlbildung der Füße durch Contergan
Eine angeborene Fehlbildung durch Contergan © Otis Historical Archives National Museum of Health and Medicine via Flickr, CC BY 2.0

1961: weltweit

Ende der 1950er Jahre kommt es zu einer Welle von missgebildeten Babys. 10.000 Fälle werden weltweit bekannt - 4000 davon in Deutschland. Verursacht durch das als sehr sicher geltende Beruhigungsmittel Contergan, das gerade bei Schwangeren sehr beliebt ist. In der Folge werden die Hürden für neue Medikamente radikal nach oben gesetzt.

Als Folge von Contergan kam es zu einer Häufung von schweren Fehlbildungen oder dem Fehlen von Gliedmaßen und Organen bei Neugeborenen. Dabei kamen weltweit etwa 5.000–10.000 geschädigte Kinder auf die Welt. Außerdem kam es zu einer nicht bekannten Zahl von Totgeburten.

Anfang 2016 gab der Bundesverband Contergangeschädigter an, dass in der Bundesrepublik noch circa 2.400 Contergan-Geschädigte leben.

 

Stanford-Prison-Experiment

1965: Stanford, USA

Mehrere US-Psychologen spielen mit Freiwilligen den Gefängnisalltag nach. Doch die Situation eskaliert, zwischen den zufälllig ausgelosten "Wärtern" und "Insassen" häufen sich grausame Fälle von Sadismus. Bereits am zweiten Tag gibt es einen Aufstand von Gefangenen. Einige Teilnehmer brechen vor Stress zusammen und Versuchsleiter mussten einschreiten um Misshandlungen der Aufseher zu verhindern.

Das Stanford-Prison-Experiment muss vorzeitig beendet werden, es gilt aber bis heute als Meilenstein der Sozialforschung und wird stark kritisiert.

2015 kam der gleichnamige Thriller in amerikanische Kinos. 

 

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