wird geladen...
Internet-Update

Die Geheimakten des Internets: Was wir nie erfahren sollen

Keine andere Erfindung der vergangenen 100 Jahre hat unser Leben derart verändert wie das Internet. Dennoch weiß fast niemand, wie es genau funktioniert – und welche geheimen Mechanismen das mächtigste Netzwerk der Welt steuern. Höchste Zeit, das zu ändern …

Internet
Welche Geheimnisse verbergen sich hinter und im Internet? iStock / metamorworks

Die Macht des Internets

Die weltweite Warnung an Regierungen, Fluggesellschaften und Krankenhäuser ist unmissverständlich – und bleibt dennoch ungehört: "In der chinesischen Stadt Wuhan gibt es vermehrt seltsame Fälle mit Lungenentzündungen. Der Outbreak kann innerhalb der nächsten Wochen auf Dutzende Länder übergreifen und zu einer globalen Katastrophe führen."

Das Erstaunliche an dieser Meldung ist jedoch nicht der Inhalt – sondern die Quelle und der Zeitpunkt der Veröffentlichung. Denn sie kommt weder von einer Regierung noch von den Experten der wichtigsten Pandemie-Frühwarnsysteme der Welt, des U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Es ist das Internet selbst, in Form der künstlichen Intelligenz (KI) namens Bluedot, deren Algorithmen bereits am 31. Dezember 2019 Alarm schlagen – mehr als eine Woche vor allen anderen Institutionen der Welt. Die KI hatte zuvor online regionale Nachrichten in 65 Sprachen überprüft sowie Gesundheitswarnungen, Foren und Blogs und internationale Fluggastdatenbanken gescannt.

Experten sind überzeugt: Hätte man auf die Warnung der künstlichen Intelligenz reagiert, hätte man einen entscheidenden Zeitvorsprung gehabt – und die Pandemie würde heute bei Weitem nicht derart katastrophale Folgen haben. Der Fall von Bluedot, über den bis heute kaum berichtet wird, zeigt daher auch: Die wahre Macht des Internets – im Guten wie im Bösen – wird noch immer massiv unterschätzt. Um sie zu begreifen, muss man die unsichtbaren Netzwerke, die wichtigsten Akteure und ihre verborgenen Ziele sowie die Auswirkungen des World Wide Web auf das menschliche Handeln für alle zugänglich machen.

1. Womit verdient Amazon wirklich sein Geld?

20 Bücher pro Tag – das war Amazons Geschäftsbilanz in den ersten Monaten nach seiner Gründung durch Jeff Bezos im Jahr 1995. Heute verschickt der Internetkonzern 158 Pakete pro Sekunde, 24 Stunden am Tag – aus 250 Logistikzentren weltweit bis in den letzten Winkel des Planeten. Allein in den USA kontrolliert das Unternehmen 50 Prozent des gesamten Internethandels. Kleidung, Elektronik, Körperpflege, Kosmetik – in all diesen Bereichen ist der Konzern mit einem Börsenwert von mehr als einer Billion US-Dollar Marktführer.

Das Problem: Nach den Recherchen der ZDF-Dokumentation "Amazon – Die ganze Welt im Pappkarton" gehen Hunderttausende Einzelhändler durch den Online-Markt in die Insolvenz. "Jeder neue Arbeitsplatz bei Amazon kostet zwei Arbeitsplätze in bestehenden Unternehmen", erklärt die Wirtschaftswissenschaftlerin Stacy Mitchell, die seit zehn Jahren über die Geschäftsmodelle des Konzerns recherchiert: "Amazon bestimmt inzwischen, wer was zu welchen Preisen verkaufen darf. Der Konzern ist der Gatekeeper des Internethandels."

Und diese Machtposition hat nicht nur auf den Arbeitsmarkt Einfluss. In Seattle, wo die Amazon-Konzernzentrale steht und wo der Konzern bereits etliche Bürogebäude besitzt, können sich viele Einwohner keine Wohnung mehr leisten. Infolge des Zuzugs von Zehntausenden Amazon-Führungskräften steigen die Mieten in der Stadt jedes Jahr um zehn Prozent. "Die Zahl der Obdachlosen ist in den vergangenen Jahren um 600 Prozent gestiegen, wir haben mehr Obdachlose als Los Angeles, das viermal so groß ist", erklärt Teresa Mosqueda, Stadträtin von Seattle.

Dabei ist ein Drittel aller Obdachlosen sogar berufstätig – nur eben nicht bei Amazon. Was die wenigsten zudem wissen: Der Online-Handel macht bei Weitem nicht den größten Teil der Gewinne aus. Das profitabelste Geschäftsfeld ist die Bereitstellung von Datenclouds in 70 sogenannten Availability Zones mit jeweils mehreren Rechenzentren in 22 Regionen der Welt. Allein in Deutschland speichern mehr als 80 Prozent der DAX-Unternehmen ihre Daten beim sogenannten AWS (Amazon Web Services). Zwar steuert dieser Bereich bei Amazon nur zehn Prozent des Umsatzes bei (was immer noch mehr als der weltweite Umsatz von McDonald’s ist), dafür macht der Marktführer der weltweiten Clouddienste schon heute 60 Prozent der Gewinne durch die Vermietung von Servern. Tendenz steigend.

2. Wie löscht man sich aus dem Internet?

Das Internet vergisst nicht – zumindest nicht von selbst. Fakt ist jedoch: Es gibt Möglichkeiten, seine Spuren im Netz zu verwischen und eine Art digitalen Selbstmord zu begehen. Aber wie genau?

Das Offensichtliche zuerst: Um seine Identität im Internet zu löschen, sollte man zunächst sämtliche E-Mail-Acccounts, Blogs, eigene Webseiten, Social-Media-Accounts sowie seine Profile auf Flirt-, YouTube-, Gaming-Plattformen oder andere personenbezogene Konten löschen. Zudem sollte man auch seine Freunde bitten, sämtliche Fotos, auf denen man abgebildet ist, von ihren Accounts zu löschen.

Im zweiten Schritt sollte man sämtliche Shoppingund Zahlungs-Accounts (Paypal, eBay, Amazon) kündigen.

Im Schritt 3 empfehlen Experten, sich selbst zu googeln (Vor- und Nachnamen in Anführungszeichen, bei häufigen Namen Wohnort hinzufügen) und eine Liste der Webseiten zu erstellen, auf denen der eigene Name oder ein Foto von einem erscheint. Über ein Online-Kontaktformular kann man Google dann beauftragen, die Treffer zu löschen (mehr Infos findest du hier).

Sollte einem das alles zu aufwendig sein, gibt es noch die Möglichkeit, professionelle "Cleaner" wie yourreputation24.com oder deinguterruf.de gegen eine Gebühr zu beauftragen, die eigene Online-Identität zu löschen.

3. Wie viel CO2 verbraucht eine Netflix-Folge?

Allein in Deutschland nutzen mehr als 20 Millionen Menschen Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon Prime oder Disney Plus. Jedes Jahr werden inzwischen weltweit mehr als Hundert Milliarden Stunden Filme und Serien im Internet gestreamt. Und das hat Folgen – vor allem für die Umwelt.

Grund: Die Datenmengen sind enorm, gigantische Serverfarmen müssen gekühlt werden, zudem verbrauchen auch die Endgeräte Strom. Laut einer Studie der französischen Denkfabrik Shift Projekt hat das Video-Streaming schon im Jahr 2018 auf diese Weise mehr als 300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verursacht. Zum Vergleich: So viel CO2 produziert ganz Spanien in einem Jahr. Oder anders ausgedrückt: Streaming verursacht ein Prozent der globalen CO2-Emissionen.

Aber was bedeutet das umgerechnet für den einzelnen User beziehungsweise für eine einzelne Serien-Folge? Wer zehn Minuten ein Video streamt, verbraucht etwa so viel Strom, als ließe er fünf Minuten lang einen elektronischen 200-Watt-Ofen mit voller Kraft laufen. Und die meistgestreamte Serie bei Netflix, "Stranger Things", bläst so viel CO2 in die Atmosphäre wie etwa 57 600 deutsche Autofahrer pro Jahr.

Der Informatiker Ian Bitterlin von der Leeds University ist daher überzeugt: "Streaming muss rationiert werden."

4. Wo verlaufen die Hauptschlagadern des Internets?

Sie sind bis zu 22 000 Kilometer lang, Tausende Tonnen schwer – und liegen auf dem Grund der Ozeane: Die weltweit 380 Untersee-Glasfaserkabel gelten als die wichtigsten Highways des Internets. 90 Prozent des gesamten Datenverkehrs laufen durch die insgesamt 1,2 Millionen Kilometer der armdicken Leitungen, die mit riesigen Kabelverlegeschiffen ins Meer gelassen werden.

Eine der neuesten und gleichzeitig leistungsfähigsten Verbindungen wurde 2018 zwischen der US-Ostküste in Virginia Beach und der spanischen Küstenstadt Bilbao fertiggestellt. Das sogenannte Marea-Kabel ist mit einer durchschnittlichen Tiefe von 3,6 Kilometern kartiert und hat eine Übertragungsgeschwindigkeit von 160 Terabyte pro Sekunde, was dem Streamen von 71 Millionen HD-Videos pro Sekunde entspricht.

"Die meisten Menschen denken nur an WLAN und Satelliten, sie wissen oft nicht einmal, dass diese Kabel existieren. Sie würden die Bedeutung der Kabel erst verstehen, wenn eines reißt", erklärt Seekabel-Ingenieur Byron Clatterbuck. Und diese Gefahr ist durchaus real. Seebeben, über den Grund ziehende Schiffsanker, unvorsichtige Taucher – sie alle führten bereits zu massiven Internetausfällen und ließen teilweise ganze Länder offline gehen. Sogar Hai-Bisse könnten für einen digitalen Blackout sorgen. Google schützt seine Seeleitungen daher mit bissfestem Kunststoff vor den neugierigen Raubfischen.

5. Wie verändert das Internet unser Denken?

197 Minuten verbringt im Schnitt jeder Deutsche pro Tag im Internet. Bei unter 30-Jährigen sind es sogar 450 Minuten, mehr als sieben Stunden täglich. Wie aber verändert das Online-Leben unser Gehirn? Tatsächlich konnten Forscher nun belegen, dass die Nutzung des Internets die neuronalen Verschaltungen beim Menschen nachhaltig umbaut.

"Durch die Überstimulation kommt es im Gehirn zu einer Art mentalem Nebel. Kapazitäten werden massiv gedrosselt. Das Denk- und Erinnerungsvermögen verschlechtert sich. Kurzum, die langfristigen Effekte sind frappierend", warnt der Neuropsychologe Daniel Levitin. In einer Studie fand er heraus, dass diese Umstrukturierungen unserer Gehirnfunktionen zu einem erhöhten Adrenalin- und Dopaminlevel führen können, was wiederum das Aggressions- und Frustrationsempfinden steigert.

Ein weiterer Effekt: Durch das ständige Wischen am Smartphone-Bildschirm hat sich das für Daumen und Zeigefinger zuständige Gehirnareal verändert. Es reagiert inzwischen bei diesen Menschen sensibler und stärker auf Reize als zuvor. Und doch hat das Internet nicht nur negative Effekte auf die Gesundheit der Menschen.

So fanden Forscher des britischen Gesundheitsinstituts Royal Society for Public Health heraus, dass soziale Medien Depressionen und Einsamkeit vorbeugen können. Demnach gaben 7 von 10 Probanden an, dass ihnen der Austausch über digitale Netzwerke in schweren Zeiten geholfen hat. Zudem ist mittlerweile belegt, dass eine starke Medieninteraktion Freundschaften verstärken kann.

6. Wie viel Geld bringt ein Klick wirklich?

Sagt Ihnen der Name Bianca Claßen etwas? Oder haben Sie die Frau sogar schon mal gesehen? 5,8 Millionen Menschen in Deutschland beantworten diese Fragen mit "Ja". Mit dieser Abonnentenzahl ist die 27-Jährige die erfolgreichste YouTuberin des Landes. Mehr als 2,5 Milliarden Aufrufe verzeichnen die Videos auf ihrem Kanal BibisBeautyPalace insgesamt.

Ihr monatlicher Verdienst durch ihre Internetpräsenz wird auf rund 110 000 Euro geschätzt. Ohne Frage, Bianca Claßen verdient viel Geld mit den Klicks. Damit ist sie allerdings eine große Ausnahme. So hat der von der Unternehmensberatung Faktenkontor erstellte YouTuber-Relevanzindex ergeben: Von 2800 untersuchten YouTube-Kanälen erzielten nur 80 Kanäle Einnahmen von mehr als 100 000 Euro pro Jahr. 400 Kanäle verdienten mehr als 10 000 Euro jährlich.

Die meisten Kanäle jedoch nahmen nicht einmal 1000 Euro im Jahr durch die Videos ein. Kein Wunder, bedenkt man, dass 1000 Videoaufrufe gerade einmal Einnahmen zwischen einem und zwei Euro bringen. Aber wie verdient man überhaupt mit den Videos Geld?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wenn man nicht gerade prominent ist. Erstens: Man lässt Werbespots vor seinen Videos laufen. Für die Ausschüttung hat YouTube 2018 seine Regeln verschärft: YouTuber müssen nun mindestens 1000 Abonnenten und eine "Sehdauer" von 4000 Stunden in den vergangenen zwölf Monaten vorweisen. Die zweite Möglichkeit ist die der sogenannten Affiliate-Links: Dabei bewirbt der YouTuber selber Produkte in den Videos (mit den passenden Links, auf die der Zuschauer klicken kann) und erhält dafür eine Art Provision.

7. Wo liegen die Hotspots der Hacker?

Allein in Deutschland gibt es mehr als fünf Millionen öffentliche WLAN-Hotspots. Man findet sie in Cafés, in Schulen, an Bahnhöfen und Flughäfen – nur wenige Klicks genügen, um in diese Netzwerke zu gelangen. Tatsächlich loggt sich inzwischen jeder zweite Internetnutzer regelmäßig in die kostenlosen Wireless Local Area Networks ein – meist ohne dabei sein Surfverhalten zu verändern.

Routinemäßig werden Bilder per WhatsApp verschickt, Dokumente via Mail versendet und Überweisungen übers Online-Banking ausgeführt. Aber wie sicher sind WLAN-Hotspots wirklich? Genau diese Frage stellte der Cybersecurity-Experte Daniel Markuson Hackern in anonymen Online-Foren. Sein Fazit: Wenn möglich, sollte man ganz auf WLAN-Hotspots verzichten. Seinen Recherchen zufolge sind die öffentlichen Netzwerke eines der meistgenutzten Einfallstore für Cyberkriminelle. Eine der beliebtesten Angriffsmethoden ist der sogenannte Honeypot – der Honigtopf.

Dabei erstellt der Angreifer ein offenes WLAN. Loggt sich nun ein User (in dem Glauben, ein sicheres Netzwerk ausgewählt zu haben) in dieses System ein, gelangt der Hacker in den Besitz sämtlicher privater Daten. "Man muss sich immer dessen bewusst sein, dass man meist nicht genau weiß, mit wem man sich verbindet. Schließlich kann auch ein Cyberkrimineller einen WLAN-Hotspot einrichten. Und wenn man den zum Beispiel ‚Hotel WLAN‘ oder ‚Telekom Hotspot‘ nennt, wirkt er gleich vertrauenswürdig", erklärt der IT-Forensiker Friedrich Wimmer.

var premium1Fallback = mobile_premium1Fallback = '
';var premium2Fallback = mobile_premium2Fallback = '
';var premium3Fallback = mobile_premium3Fallback = '
';
var basic1Fallback = mobile_basic1Fallback = '
';var basic2Fallback = mobile_basic2Fallback = '
';var basic3Fallback = mobile_basic3Fallback = '
';