Welt der Wunder

Die 7 dunklen Kräfte meines Gehirns: Die Schubladen-Falle

Wie Vorurteile mein Verhalten manipulieren – und wie man sie entlarvt.

Vorurteile: Kaum jemand kann sich dagegen wehren
Vorurteile: Kaum jemand kann sich dagegen wehren. Foto: iStock / kokouu

Vorurteile nicht zu verhindern

Sie entstehen in Sekundenbruchteilen, fernab von unserem Bewusstsein, und manipulieren unser Verhalten jeden Tag: Vorurteile. Tatsächlich findet die unterbewusste Kategorisierung im Kopf fast ununterbrochen statt - ganz gleich, für wie tolerant sich ein Mensch hält.

"Ein Leben ohne Vorurteile ist eine Utopie", meint die Psychologin Juliane Degner von der Universität Hamburg. Wie radikal diese Blitzeinschätzungen uns beeinflussen, das wies vor Kurzem der Psychologe William A. Cunnigham von der Ohio State University mithilfe eines Magnetresonanztomografen nach.

Angst oft stärker als der Verstand

Er zeigte, dass es ausreicht, einem Weißen ein Bild eines Dunkelhäutigen für nur 30 Millisekunden zu zeigen, um bei ihm Angst zu erzeugen. Diese Zeitspanne vergeht dreimal schneller als ein Wimpernschlag und ist nicht bewusst wahrnehmbar.

Und doch erhöhte der unterbewusste Reiz sofort die Aktivität in der Amygdala, einer Gehirnregion, die Neurologen vor allem mit der Entstehung von Angst in Verbindung bringen. Die dunklen Kräfte sind also stärker als der Verstand.

Verleugnung der eigenen Vorurteile

Wer glaubt, er sei dagegen immun, täuscht sich gewaltig. "Wenn die Leute bei einer klassischen Meinungsumfrage beantworten sollen, ob sie Vorurteile gegen Ausländer haben, sagen nur 15 Prozent, dass sie Vorurteile haben", so der Wirtschaftspsychologe Christian Fichter.

"Der implizite Assoziationstest hingegen zeigt, dass von den Befragten in Wahrheit 90 Prozent Vorurteile haben." Das Beunruhigende ist:

Es braucht noch nicht einmal eine andere Hautfarbe oder eine bestimmte Kleidung, um Vorurteile auszulösen und so Verhalten zu manipulieren. Doch es gibt eine Strategie, mit der man die dunkle Kraft der Vorurteile zumindest ein Stück weit bekämpfen kann.

Gegenstrategie

Was ist die wirksamste Waffe gegen Vorurteile? Jahrzehntelang haben sich Wissenschaftler mit dieser Frage beschäftigt.

Und ganz gleich, welche Art von Vorurteilen (Rassismus, Sexismus etc.), egal, ob Feldstudien in den USA, Laborversuche in China oder Experimente in Europa und Asien – sie kommen bis heute immer zu dem gleichen Ergebnis:

Empathie durch Nähe

Je mehr direkten Kontakt Menschen miteinander haben, desto mehr werden die Vorurteile in ihren Köpfen abgebaut. Selbst Menschen, die angeben, einander zu hassen, entwickeln durch persönliche Begegnungen Empathie füreinander.

"Empathie reißt dem Gegenüber die Etiketten vom Leib, die vorher aus der Ferne angebracht worden waren. ‚Islamist‘, ‚Feind‘ oder ‚Faschist‘ – all das verliert an Bedeutung, bis nur noch eines übrig ist: Der Mensch“, erklärt Bastian Berbner, der für sein aktuelles Buch "180 Geschichten gegen den Hass – von Menschen, die Vorurteile überwinden" um die ganze Welt gereist ist und genau diesen Effekt beobachten konnte.