13 verbotene Inseln

Das tödliche Geheimnis von Tikopia

Gesperrt, besetzt, verflucht: Wo man besser nicht an Land gehen sollte – und was einen dort erwartet, wenn man es doch macht …

Die Insel Tikopia
Die Insel Tikopia Getty Images

Der grüne Garten Eden

Sie gehört zu den abgelegensten Inseln der Welt – ein grüner Garten Eden in den blauen Weiten des Pazifischen Ozeans. Tikopia ist ein Teil der Salomonen – doch die nächstgelegene Insel ist nicht nur mehr als 130 Kilometer entfernt, sie ist sogar noch kleiner als das 4,7 Quadratkilometer große Tikopia.

Was bedeutet: Wer auf Tikopia lebt, lebt von Tikopia – von dem, was die Insel bietet. Und das machen die Bewohner von Tikopia seit rund 3000 Jahren nicht nur sehr erfolgreich, sondern sogar außerordentlich nachhaltig: Es wird nur so viel gerodet, nur so viel angebaut und nur so viel geerntet, wie nötig ist, um diesen Garten Eden zu erhalten.

Genau 1200 Menschen

So wurde beispielsweise im 17. Jahrhundert die Schweinezucht komplett abgeschafft – die Fütterung der Tiere verbrauchte zu viele Rohstoffe. Stattdessen gingen die Tikopianer wieder verstärkt auf Fischfang – das Gleichgewicht der Insel war wiederhergestellt. Doch das Paradies verlangt einen noch viel höheren Preis.

Tikopia wird viele Jahrhunderte lang von 1200 Menschen bewohnt – und zwar von exakt 1200 Menschen. Die Pazifikinsel ist damit doppelt so dicht besiedelt wie Europa. Und schon ein Esser mehr kann zur Katastrophe führen: Die Einwohnerzahl würde die Nahrungskapazitäten überschreiten, eine Hungersnot wäre unausweichlich

Tödliche Tradition

Auf Tikopia herrscht daher die rigoroseste Familienplanung des Planeten: Nur die ältesten Söhne der Familie dürfen Kinder zeugen, Töchter müssen ungewollte Schwangerschaften um jeden Preis verhindern, und Eltern haben enthaltsam zu leben, sobald der älteste Sohn alt genug ist, um zu heiraten.

Kommt es dennoch einmal zum Äußersten – zum Beispiel nach Missernten oder einem Taifun – wissen die Einwohner, was von ihnen verlangt wird. Väter fahren dann mit ihren Söhnen im Kanu aufs Meer, um nie wiederzukehren. Unverheiratete beenden ihr Leben mit einem Strick aus Palmwedeln. Neugeborene werden im schneeweißen Korallensand unter einem Blatt abgelegt – als hätten sie nie existiert.

Erst mit der Verbreitung des Christentums und schließlich infolge der Globalisierung ändert sich diese grausame Tradition. Immer mehr junge Menschen verlassen Tikopia freiwillig, um auf den anderen Inseln ihr Glück zu suchen. Ende 2018 besucht König Ti Namo als erster Tikopianer überhaupt die Vertreter der großen Industrienationen, um vor der größten Gefahr für seine Insel zu warnen: dem Klimawandel.

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