Gesundheits-Update

Nach Corona-Vakzin: Biontech entwickelt Impfstoff gegen Multiple Sklerose

Der RNA-Impfstoff des Unternehmens Biontech schützt bereits gegen das Coronavirus. Nun zeigen neue Untersuchungen, das derartige Wirkstoffe auch bei Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose helfen können.

Biontech-Impfstoff
Biontech arbeitet erfolgreich an einem Impfstoff gegen Multiple Sklerose Foto: imago images / Jens Schicke

RNA-Impfstoffe lassen zuversichtlich in die Zukunft der Bekämpfung zahlreicher Krankheiten blicken. Der von Biontech erforschte RNA-Impfstoff gegen das Coronavirus verspricht nach ausführlichen Analysen eine Erfolgschance von weit über 90 Prozent. Dieselben Wirkstoffe werden auch im Kampf gegen Krebserkrankungen getestet.

Eine neue Studie, die in der Zeitschrift Science veröffentlicht wurde, zeigt nun auf, dass diese Stoffe auch gegen Autoimmunerkrankungen helfen könnten.

RNA-Impfung gegen Multiple Sklerose

In der besagten Studie wurden Mäuse mit Ribonucleinsäure (RNA) behandelt. Die Forscher beobachteten, dass sich bei den Tieren Symptome einer Krankheit, die Multiple Sklerose ähnelt, deutlich besserten.

Die Impfung sorgt dafür, dass das Immunsystem das Protein, gegen das sich bei Multipler Sklerose die Autoimmunreaktionen richten, toleriert wird. "Wir veranlassen mit dem RNA-Therapieansatz die Bildung von Immunzellen, die schützend wirken, damit das Gewebe nicht angegriffen wird", erläuterte Biontech-Gründer Uğur Şahin.

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Das geschieht bei der Impfung

Die RNA-Impfung gegen das Coronavirus enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß herstellt. Dieses regt das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern an, die eine Covid-19-Erkrankung verhindern.

Bei der Vorsorge gegen Autoimmunerkrankungen sorgt der Impfstoff dafür, dass die Substanz Myelin vom Körper toleriert wird.

Myelin ist eine Biomembran, die die meisten Nervenzellen umwickelt. Bei Multipler Sklerose schädigt das Immunsystem durch Bildung von Antikörpern diese Biomembran, was zu motorischen Problemen wie etwa Lähmung führen kann.

Anwendung am Menschen

"Die Studie belegt, dass die Impfung bei Mäusen exzellent funktioniert", sagte der Direktor der Neurologischen Klinik an der Ruhr-Universität Bochum. "Aber das ist nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar."

Grund ist vor allem das wesentlich komplexere Immunsystem des Menschen. Şahin ist sich dieser Tatsache wohl bewusst. So soll der Ansatz im nächsten Schritt unter Laborbedingungen an diversen menschlichen Immunzellen getestet werden.

Bis es also einen effektiven Impfstoff gegen Multiple Sklerose bei Menschen gibt, vergeht noch etwas Zeit. Der Weg dahin war aber noch nie so vielversprechend.