Massaker

Amerikas Albtraum hat einen Namen: AR-15

41 Zentimeter Lauflänge, 3 Kilo leicht, bis zu 300 Schuss in 60 Sekunden und fast überall frei erhältlich – das halbautomatische Sturmgewehr AR-15 ist die beliebteste Waffe in den USA. Vor allem bei Amokläufern …

Halbautomatisches Sturmgewehr AR-15
Halbautomatisches Sturmgewehr AR-15 Foto: iStock / kenlh

Aurora, Newton, San Bernadino – und jetzt Orlando: Die Namen haben sich tief in das Gedächtnis der Nation gebrannt. Allein bei den Amokläufen in diesen vier Orten in Amerika wurden mehr als 100 Menschen erschossen.

Die Täter waren Weiße und Islamisten, Teenager und Erwachsene, sie mordeten in Nachtclubs und Schulen und hatten ganz unterschiedliche Motive. Und doch gibt es etwas, das sie alle verbindet: die Wahl der Waffen. Tatsächlich entschieden sich diese Amokläufer für das halbautomatische Sturmgewehr AR-15. Und das ist kein Zufall …

Amerikas Albtraum hat einen Namen – AR-15

"Ich dachte zunächst, es sei der Bass der Musik – bis mir klar wurde: Es sind Schüsse!", erinnert sich der Augenzeuge Christopher Hansen an den dramatischen Moment, als Omar Mateen in einem Nachtclub in Orlando plötzlich um sich zu schießen beginnt.

Die Tatwaffe, die AR-15, kann je nach Modell bis zu 300 Schuss pro Minute abgeben. Die Magazine enthalten bis zu 30 Patronen, selbst ein ungeübter Schütze kann sie in zehn Sekunden leer schießen, fast wie bei einem Maschinengewehr.

Und genau das macht Mateen. Insgesamt feuert er mehr als 200 Patronen ab, trifft 49 Menschen tödlich und verletzt weitere 53 Menschen – bis die Polizei das Gebäude stürmt und den 29-Jährigen erschießt. Es ist genau diese Effizienz und die einfache Bedienung, die das AR-15 zur beliebtesten Waffe in den USA machen.

Nicht ohne Grund greifen sieben von zehn Amokläufern zum knapp 700 Dollar teuren Sturmgewehr. Ursprünglich wurde das Gewehr für den Einsatz auf den Schlachtfeldern dieser Erde entwickelt. Dort nutzen heute Millionen US-Soldaten jedoch das baugleiche Modell M-16. Die Kriegswaffe AR-15 dagegen befindet sich mittlerweile vor allem in amerikanischem Privatbesitz.

Schätzungsweise fünf Millionen Exemplare bunkern die Amerikaner in ihren Garagen, Küchen und Schlafzimmern. Man bekommt das Gewehr in fast jedem US-Bundesland, in Einkaufszentren, mit allen möglichen Zusatzausstattungen.

Das Recht auf Waffenbesitz ist in der US-Verfassung fest verankert. So kommt es, dass die US-Regierung aus Angst vor Terror zwar die Menge an Shampoo im Flugzeug begrenzt, aber nicht die Anzahl der Kugeln in Waffen.

Stattdessen gibt es im ganzen Land Tausende Shooting Ranches, Waffenübungsplätze, auf denen bereits Kinder lernen können, wie man mit einem Gewehr schießt. Auch der Amokläufer Omar Mateen übt hier das Töten – bevor er zum Amoklauf in den Nachtclub aufbricht.

Ein Amoklauf, der laut dem US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump hätte gestoppt werden können. Nicht jedoch durch schärfere Waffengesetze oder ein Verbot der AR-15. Der 70-Jährige ist vielmehr überzeugt: "Hätten andere Clubbesucher eine solche Waffe getragen, wären auch Kugeln in die Richtung des Attentäters geflogen, und die Tragödie hätte verhindert werden können."

Trump will sich daher dafür einsetzen, dass noch mehr Menschen in Amerika eine Waffe tragen. Amerikas Albtraum – er scheint gerade erst begonnen zu haben …