Fehler der Weltgeschichte

Alonso Pérez de Guzmán: Eine Beförderung, die ein Weltreich ruinierte

Falsche Entscheidungen, unüberlegte Aktionen, krasse Fehleinschätzungen: Wenn epische Fehler gemacht werden, erschüttert das den Lauf der Geschichte – und verändert die Menschheit für immer …

Seeschlacht
Erbitterte Seeschlacht (Symbolbild) Foto: iStock / Denis-Art

Der Untergang des spanischen Weltreichs

Totales Scheitern – das ist ein Epic Fail. Und es gibt kaum einen Fall in derGeschichte, der das besser nachzeichnet als die vollkommen überhebliche Fehleinschätzung, die den direkten Untergang des spanischen Weltreichs nach sich zieht.

Es beginnt im Februar des Jahres 1588. Alonso Pérez de Guzmán hält einen solchen Epic Fail in Händen. Argwöhnisch betrachtet er das königliche Siegel auf dem Brief, der ihm gerade von einem Boten ausgehändigt wurde. Es ist seine Beförderung zum Kommandanten der mächtigsten Flotte des Planeten – der spanischen Armada. Sein Auftrag: Er soll England erobern. 

Spanien will England erobern

Der katholische spanische König Philipp II. erhebt offen Anspruch auf die Krone, seit die Protestantin Elisabeth I. zur englischen Königin gekrönt ist. Das Problem: De Guzmán hat eigentlich nichts auf hoher See verloren und ist alles andere als die Idealbesetzung für den Job, wie er König Philipp II. selbst gesteht: "Da ich weder etwas von der Schifffahrt noch von der Kriegsführung verstehe, habe ich kein Recht darauf, das Amt des Oberkommandierenden eines so riesigen Unternehmens anzunehmen." 

Die Antwort des Monarchen ist aber eindeutig: "Ich habe dieses Unternehmen Gott geweiht! Geht hin und tut das Eure!" Philipp II. ist siegessicher, er hält seine Flotte für unbesiegbar. Dass ihr Kommandant bisher einen Bürojob ausgeübt hat und seekrank wird, sobald er ein Schiff nur betritt, interessiert den König nicht. In seinen Augen spielt es keine Rolle, wer seine Flotte anführt.

Und de Guzmán? Der frisch gebackene Kommandant ergibt sich seinem Schicksal, führt den Epic Fail weiter: Er nimmt die von Gott gegebene Aufgabe an und segelt los, um England zu erobern.

Ein einziger Epic Fail

Ein erfahrener Kommandant hätte womöglich vorausahnen können, welches Schicksal der Armada aufgrund der ungünstigen Windverhältnisse im Ärmelkanal drohen würde. Die langsamen und schwerfälligen Dreimaster der Spanier sind nur auf den Nahkampf ausgerichtet und gegen die modernen, wendigen Galeonen der Engländer damit im Nachteil.

Viele Schiffe der Armada nehmen schweren Schaden. Bald geht die Munition zur Neige, weil das Pulver feucht wird, Vorräte schwinden, die Moral kippt. De Guzmán befiehlt den Abbruch. Doch auf dem Rückweg nach Spanien kommt es noch schlimmer: Der Kommandant führt die Flotte in ein Tiefdruckgebiet, das sich über dem Atlantik zu einem Orkan ausweitet – die schwerfälligen Galeonen sind diesem wehrlos ausgeliefert.

Am Ende kehrt knapp die Hälfte der Schiffe nicht nach Spanien zurück. Statt sie zu bezwingen, legen Guzmán und Philipp II. den Grundstein für den Aufstieg der Engländer zur Weltmacht Nr. 1 – und opfern dafür ihr eigenes Reich auf dem Altar der Epic Fails.