Die gefährlichsten Lügen der Weltgeschichte

Wegen jüdischer Vorfahren? Als Hitler seinen Stammbaum auslöschte

Rufmord, Propaganda, Verleumdung: Immer wenn Mächtige ihre Ziele erreichen wollen, ist die Wahrheit das erste Opfer. Oft werden diese Lügenschnell enttarnt. Doch es gibt auch welche, die bleiben Jahrhunderte bestehen – und verändern den Lauf der Welt, so auch den Stammbaum-Betrug um Hitlers Vergangenheit.

Adolf Hitler
Adolf Hitler Foto: Getty Images / Keystone

Wie Hitler seine Vergangenheit auslöscht

Das Waldviertel in Niederösterreich gehört Ende 1938 zu den rückständigsten Regionen Europas. Das soll sich bald ändern, hoffen die Einwohner. Denn hier hat die Familie Hitler ihren Ursprung. Und der Führer des Deutschen Reichs hat gerade Österreich angeschlossen.

Doch statt einen Wallfahrtsort zu errichten, sucht Hitler die Gegend mit einem Vernichtungsfeldzug heim: Ausgerechnet dort lässt er den größten Truppenübungsplatz des Dritten Reiches errichten. 200 Quadratkilometer werden zwangsgeräumt, 42 Orte, darunter die Geburtsstätte seines Vaters und das Haus seiner Großeltern, werden von Granaten und Bomben umgepflügt. Was da keiner weiß – diese Operation soll eine der gefährlichsten Lügen der Welt decken: Hitler ist Teil der Herrenrasse. Und niemand soll jemals die Frage stellen:

Musste Hitler seinen eigenen Stammbaum vertuschen?

Einsamer Prophet, Führer mit tadellosen Genen – bis zu seinem Tod präsentiert sich Adolf Hitler als Einzelkämpfer, der nicht zufällig in die Geschichte trat, um die "deutsche Herrenrasse" zu befreien. Und die Fälschungsmaschinerie der Nazis setzte alles daran, um dieses Bild in den Köpfen der Deutschen zu festigen.

Hatte Hitler jüdische Vorfahren?

In Wahrheit wäre das Bekanntwerden der eigenen Familienchronik dem Diktator zum Verhängnis geworden. Denn Hitler wusste nicht mit letzter Sicherheit, wer sein Großvater war. In den 1920er-Jahren kam schon einmal das Gerücht auf, dass der Führer jüdische oder tschechische Vorfahren hatte. Für Hitler ein ernsthaftes Problem! Denn den lückenlosen Nachweis eines reinrassigen und gesunden Stammbaums, den Hitler von allen Deutschen fordert, kann ausgerechnet er selbst nicht erbringen.

Im Gegenteil: Die Familienchronik des "Führers" hat viele dunkle Seiten. Sein Vater wird unehelich geboren. Seine Mutter ist eine Cousine zweiten Grades seines Vaters, der für diese Heirat sogar eine Erlaubnis von der Kirche in Rom einholt. Seine jüngere Schwester Paula gilt als "geistesschwach", und Alois, der Halbbruder des Vaters, ist ein Kleinkrimineller, der in Berlin eine Bar betreibt.

Hätte die deutsche Bevölkerung oder sogar seine Rassenhass verbreitenden Nazi-Weggefährten davon erfahren, wäre Hitlers Arierlehre womöglich sofort in sich zusammengebrochen – und Millionen Menschen wären nicht aufgrund vermeintlicher Mängel in ihren Stammbäumen umgebracht worden.

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