Wegen Nazi-Sprüchen 15-Jährige zeigt Mitschüler an und gewinnt Preis

Redaktion Männersache 28.02.2018
15-Jährige zeigt Mitschüler an und gewinnt Preis
© iStock / maroke

Emilia S. hat den Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas e. V. und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin erhalten, weil sie sich gegen die Nazi-Sprüche ihrer Mitschüler einsetzte.

Alles begann damit, dass es unter den Schülern auf einmal als cool galt, wenn der Akkustand des Smartphones 88 Prozent betrug. "88" ist der Neonazi-Code für die Buchstaben "HH", was wiederum für "Heil Hitler" steht.

Weiter ging es damit, dass "Heilung" gerufen wurde, wenn jemand niesen musste. Dann belustigten sich die Teenager darüber, sich gegenseitig den Hitlergruß zu zeigen und "Heil Hitler" auszusprechen. Und plötzlich war das Wort "Jude" eine Beleidigung.

Die 15-jährige Emilia S. unternahm zunächst nichts, aber als im Handychat der Klasse antisemitische Bilder auftauchten, stellte sie sich gegen ihre Mitschüler. "Das Schrecklichste war ein Foto einer Rauchwolke mit der Bildunterschrift 'jüdisches Familienfoto'", wird Emilia in einem Bericht von SPIEGEL ONLINE zitiert.

Sie forderte ihre Mitschüler auf, keine Holocaust-Witze mehr zu machen. Daraufhin wurde sie ausgelacht und mit Anfeindungen konfrontiert. Sie solle doch nach Polen auswandern, hieß es. Sie hätte wohl zu viele Juden eingeatmet, musste sie sich anhören. Emilia S. ließ sich jedoch nicht einschüchtern und zeigte einen ihrer Klassenkameraden wegen Volksverhetzung an.

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Ihre aufrechte Haltung brachte ihr den besagten Preis ein, der zum insgesamt achten Mal vergeben wurde und mit 2.000 Euro dotiert ist. 500 Euro davon spendete Emilia einem 14-jährigen jüdischen Jungen aus Berlin, der im Frühjahr Opfer von Fremdenfeindlichkeit geworden war.

Dessen Familie wiederum kündigte an, das Geld an eine neue Beratungsstelle für Betroffene antisemitischer Gewalt weiterzuleiten, die vom Kompetenzzentrum Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland unterhalten wird.

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