Lee Boyd Malvo So wird aus einem Teenager ein Serienmörder

Welt der Wunder
Malvo traute seinem Ersatzvater blind und ließ sich von ihm als Terroristen missbrauchen
Malvo traute seinem Ersatzvater blind und ließ sich von ihm als Terroristen missbrauchen © Montage Männersache/ Fairfax Circuit Court via Getty Images/ Steve Helber-Pool/Getty Images

John Allen Muhammad​ nahm sich Lee Boyd Malvos an und behandelte ihn wie seinen eigenen Sohn. Malvo brauchte eine Vaterfigur und vertraute Muhammad blind. Nicht wissend, dass der ihn zum Terroristen, Scharfschützen und schließlich zum mehrfachen Mörder ausbilden würde.

Lee Boyd Malvo blickt konzentriert durch das Zielfernrohr. Das halb automatische Gewehr vom Typ Bushmaster liegt ruhig in seiner Hand. Die Passanten auf der Straße können ihn nicht sehen. Er sie jedoch ganz genau. Aus dem umgebauten Van hat der 17-Jährige eine perfekte Sicht. Langsam drückt sein Zeigefinger den Abzug durch, ein Knall, dann sinkt 250 Meter entfernt an einer Bushaltestelle der 35-jährige Conrad Johnson tödlich getroffen nieder.

Es ist bereits Malvos zehntes Opfer innerhalb eines Monats - und der Junge ist vom Töten so überzeugt wie nie zuvor. Nicht, weil er selber schon immer seinen eigenen Dschihad geplant hat. Nicht, weil er in der Schule gemobbt wurde und ein Außenseiter war. Nicht, weil er das Land, in das er eingewandert ist, so sehr hasst. Er tut es für Muhammad. Seinen Komplizen - der mit ihm im Van sitzt und anerkennend nickt.

Lee Boyd Malvo während seiner Gerichtsverhandlung
Lee Boyd Malvo während seiner Gerichtsverhandlung © Davis Turner-Pool/Getty Images
 

Ein Akt des Terrors und der Manipulation

 

Lee Boyd Malvo wächst ohne Vater auf. Als ihn dann auch noch seine Mutter verlässt und von der Karibikinsel Antigua nach Florida in die USA auswandert, steht der Jugendliche allein da. Auf die schiefe Bahn gerät der Junge trotz allem nicht - bis er John Williams kennenlernt. Der Golfkriegsveteran nimmt den Jungen in die USA mit. Malvo ahnt zunächst nichts vom tiefen Hass des Amerikaners auf dessen eigene Heimat.

Nach zwei glücklosen Ehen und mit den Bildern des Kriegs im Kopf ist John Williams zum Islam konvertiert. John Allen Muhammad nennt er sich seitdem. Muhammad wird zum Ersatzvater für Malvo. Zusammen bauen sie einen Van zu einem "Einsatzfahrzeug" um, in dem sie nur eine Mission verfolgen: töten.

Vom 2. bis 22. Oktober 2002 erschießen die beiden wahllos zehn Menschen, verletzen weitere drei schwer. Ein Akt des Terrors, der die ganze Nation erschüttert - ausgeführt von zwei Menschen. Sogenannten Crime Partners.

John Allen Muhammad bevor er zum Tode verurteilt wird
John Allen Muhammad bevor er zum Tode verurteilt wird © Steve Helber-Pool/Getty Images
 

Jeder fünfte Serien-Killer hat einen Komplizen

 

Dennoch bleibt die Frage, warum manche Killer nur zu zweit morden? "Die dominante Person benötigt die volle Aufmerksamkeit und die uneingeschränkte Loyalität des anderen. Die von ihm kontrollierte Person benötigt hingegen die Energie und die Autorität der dominanten Person", erklärt Al Carlisle, ein ehemaliger Gefängnispsychologe.

 

Ein willenloser Teenie-Soldat für den persönlichen Dschihad

 

Auf dieser Dynamik beruht auch die Beziehung von Muhammad und Malvo. Der Jugendliche folgt Muhammad überall hin, denn er sieht in ihm den Vater, den er nie kennengelernt hat. Er braucht jemanden, der ihm einen Weg zeigt. Ob dieser Weg der richtige ist, spielt keine Rolle. Muhammad dagegen ist ein Meister der Manipulation und beeinflusst den 17-Jährigen so, dass dieser Muhammads verzerrtes Weltbild übernimmt.

So erschafft sich der Veteran seinen eigenen willenlosen Soldaten für seinen persönlichen Dschihad. Muhammad erkennt schnell, dass der Jugendliche ein potenzieller Partner für sein Vorhaben ist. 

Während der U-Haft malte Malvo Bilder, die später als Beweismittel verwendet wurden
Während der U-Haft malte Malvo Bilder, die später als Beweismittel verwendet wurden ©  Fairfax Circuit Court via Getty Images
 

Malvo: "Er war böse, aber er war da"

 

Beim Heckenschützen-Duo Muhammad und Malvo war es statt der Liebe die Vater-Sohn-Beziehung, die das Mörder-Paar aneinander band. Muhammad musste nur für den Jungen da sein. Das genügte, um dessen Vertrauen zu gewinnen und sein Denken zu beeinflussen. In einem Interview erklärte Malvo nach der Tat: "Er war böse, aber er war da."

Mörder achten bei der Suche nach Komplizen auf Personen mit geringem Selbstbewusstsein und einer labilen Psyche.

Für Muhammad glaubte Malvo an den Dschihad und malte Bilder von Osama Bin Laden in Haft
Für Muhammad glaubte Malvo an den Dschihad und malte Bilder von Osama Bin Laden in Haft ©  Fairfax Circuit Court via Getty Images

Wenn die potenziellen Mittäter nicht labil genug sind, kann auch ein großer Altersunterschied für die nötige Autorität sorgen. Bei Malvo trifft beides zu. Er wurde von seinen Eltern verlassen und suchte keine Liebesbeziehung, sondern einen Vater. Er sah in Muhammad einen älteren, erfahrenen Mann, der ihn führte.

Im Jahr 2009 wurde Muhammad für seine Taten mit der Giftspritze hingerichtet. Malvo dagegen wurde zu lebenslänglich ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt.

Malvo ist jetzt wieder allein. So wie er es war - bevor er seinen Crime Partner getroffen hatte.

 

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